Nach Anschlag in Halle

Wirbel um Meuthen-Interview im ZDF-„Morgenmagazin“

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„Morgenmagazin“-Moderator Andreas Wunn (rechts) konfrontierte AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen mit Vorwürfen einer möglichen Mitschuld am rechtsradikalen Anschlag von Halle.

Der Anschlag von Halle, bei dem zwei Menschen starben, war am Freitag erneut ausführlich Thema im ZDF-„Morgenmagazin“.

Neben aktuellen Tathintergründen ging es bei Moderator Andreas Wunn auch um die Frage der „geistigen Brandstiftung“, mithin also um den Vorwurf, die rechtspopulistische AfD habe den ideologischen Nährboden für die antisemitisch motivierte Gewalttat geliefert. Ein zu diesem Zweck geführtes Interview mit dem AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen hat nun für aufgeregte Kontroversen gesorgt. Ausgerechnet ein aus Israel stammender deutscher ZDF-Comedian hat den Streit in den sozialen Netzwerken erheblich befeuert.

„Lustige Geschichte: Bevor sie Meuthen eingeladen haben, hatten sie mich gefragt“, schrieb Shahak Shapira Freitagmittag auf Twitter. Er habe „gesagt, ich mach's nur, wenn sie bereit sind, auf die klischeehafte 'Juden-Opfer-Darstellung' und Fragen wie 'Muss man als Jude DE Angst haben?' zu verzichten. Das wollten sie dann nicht.“ Der scheinbar implizierte Vorwurf, die Moma-Redaktion habe Meuthen dem in Petach Tikwa, Israel, geborenen Satiriker vorgezogen, rief eine „Morgenmagazin“-Moderatorin auf den Plan, die am Freitag gar nicht vor der Kamera stand: Shapira rede „Bullshit“, echauffierte sich Dunya Hayali in einer Widerrede auf Twitter. „Es gab keine Entscheidung zwischen ihm und Herrn Meuthen, sondern zwischen ihm und einer Korrespondentin, die in Halle vor Ort war“. Auch habe „das Gespräch, welches er skizziert, so nicht stattgefunden“.

Lebhafte Auseinandersetzung auf Twitter

Um die Frage, wie dieses Hintergrundgespräch genau vonstattenging, ist zwischen den beiden ZDF-Gesichtern bei Twitter eine lebhafte Auseinandersetzung entbrannt. Von vielen Usern auch auf Facebook aufgegriffen wurde indes die Kontroverse, ob man AfD-Politikern nach dem Hass-Verbrechen Gelegenheit bieten dürfe, sich im Interview zu erklären. Shapira äußerte hierzu eine klare Haltung: „Ihr habt dem Sprecher einer faschistischen Partei eine unkritische Bühne gegeben und genau dafür kriegt ihr jetzt Shit.“ Hayali hält mit einem Zitat der offiziellen Stellungnahme des „Morgenmagazins“ dagegen: „Nach dem Anschlag in #Halle wurde der AfD von mehreren Seiten 'geistige Brandstiftung' vorgeworfen. Es gehört zu unserer journalistischen Aufgabe, den Bundessprecher der AfD damit zu konfrontieren. Damit gaben wir ihm keine Bühne, sondern führten ein kritisches Interview.“

Der in Israel geborene und in Berlin lebende Humorist Shahak Shapira ist seit diesem Jahr Gastgeber einer neuen Comedy-Show beim Mainzer Sender: „Shapira Shapira“ startete im April mit wöchentlichen Ausstrahlungen beim Digitalkanal ZDFneo. Der 31-Jährige Shootingstar der Comedy-Szene ist bekannt für Stand-up-Auftritte und Sketche der scharfzüngigsten Sorte.

teleschau

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