Jenke von Wilmsdorffs nächster drastischer Selbstversuch

„Extrem erschreckende Werte“: So gefährlich ist Plastik wirklich

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„Wir Deutschen sind Weltmeister im Recycling. Stimmt das?“ - RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff wollte es genau wissen und schreckte auch vor einem neuerlichen Selbstversuch nicht zurück.

„Unsere Welt versinkt in Plastik“, weiß auch RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff. In einer Reportage klärt er über die Hintergründe und verheerenden Folgen des Verpackungswahnsinns auf und macht auch vor einem drastischen Selbstversuch nicht Halt.

Plastik makes the world go round: Die extrem umweltschädliche, aber unaufhaltsam erscheinende Verbreitung des Kunststoffes ist eines der Aufregerthemen unserer Zeit. Aber so viel auch über den weltweiten Plastikmüll debattiert wird, im Grunde glauben vermutlich die meisten von uns, wenn sie ehrlich sind, dass sie mit all dem wenig bis nichts zu tun haben. Die schockierenden Bilder von vermüllten Stränden oder grausam verendeten Fischen und Vögeln - schlimm, aber auch sehr weit weg. Was kann man als braver Bürger schon ausrichten?

Eine Menge! Das zeigen die Zahlen der Statistiker, die die Zusammenhänge bis ins Detail erforscht haben. Jeder Deutsche produziert einer Erhebung von 2017 zufolge im Schnitt 37 Kilogramm Plastikmüll aus Verpackungen - pro Jahr. Umgerechnet sind das 1.800 Plastiktüten, die jeweils rund 50 Jahre zur Zersetzung benötigen, um als Mikroplastik die Erde zu verseuchen. Sechs Milliarden Plastik-Tüten werden hierzulande jährlich verbraucht, wobei die Tüte im Schnitt durchschnittlich 25 Minuten genutzt wird. Noch Fragen? RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff gibt die Antworten in seiner TV-Reportage. „Das Plastik in mir: Wie der Müll uns krank macht“, heißt der Beitrag, der am Montag, 23. September, 20.15 Uhr, läuft und mit einiger Gewissheit für Aufsehen sorgen wird. Denn von Wilmsdorff leidet nicht nur körperlich für seine investigative Mission, er deckt auch unsägliche Missstände auf.

Zum Ende der Aktionswoche „Packen wir's an!“ der Mediengruppe RTL Deutschland (16. bis 23. September) überlässt der Mann, der sich in seinen TV-Experimenten schon oft bis an die Grenzen und darüber hinaus gebracht hat, nichts dem Zufall. Seine 90-minütige Reportage zeigt die konkreten Folgen des Plastikwahnsinns auf - für jeden Einzelnen. Jenke von Wilmsdorff recherchierte weltweit, er begleitete Meeresbiologen, traf Menschen, die nahezu plastikfrei leben und sprach mit Experten, Wissenschaftlern und Medizinern zum Thema. Und natürlich probierte er auch wieder einiges an sich selbst aus.

Ein Reporter eingeschweißt in Plastikfolie

Einen Monat lang steigerte der RTL-Reporter unter ärztlicher Begleitung seinen Konsum an Lebensmitteln, die mit Plastik in Kontakt stehen: Fast Food, Wasser aus Plastikflaschen, in Plastik verpackte Lebensmittel aus dem Supermarkt ... von Wilmsdorff ließ sich sogar einmal komplett in Plastikfolie einschweißen. All das mit, so viel sickerte bereits durch, üblen Konsequenzen. „Was den meisten nicht bewusst ist, wir nehmen regelmäßig Mikroplastik und Weichmacher in unseren Körper auf, was Folgen für unsere Gesundheit haben kann“, deutet von Wilmsdorff vorab an. Jetzt berichtet er: „Als erstes waren Kopfschmerzen spürbar, dann tauchte so eine allgemeine Ermattung auf. Um die Veränderung in meinem Körper messbar zu machen, habe ich vor dem Experiment eine Urin- und eine Blutprobe in einem Speziallabor abgegeben. So konnte man feststellen, wieviel Weichmacher durch die Einnahme von Mikroplastik bereits im Körper war. Am Ende des Experiments, also nach vier Wochen Plastik intensiv, habe ich mein Blut und Urin noch mal checken lassen. Das waren extrem erschreckende Werte - schon nach vier Wochen!“

Dabei hatte ihn der Biochemiker Stefan Georgius Moellhausen, Leiter des IGL-Labors in Wittbeck, gewarnt: „Wir wissen auch nicht, was das in Ihrem Körper jetzt anstellt. Ob es hormonelle Veränderungen oder entzündliche Prozesse auslösen kann. All diese Risiken sind bekannt. Sie gehen das Risiko jetzt ein, dass Sie unter Umständen gesundheitliche Probleme bekommen können.“ Was für Erwachsene schon höchst problematisch ist, kann für Kinder noch gefährlichere Folgen haben. Für die Sendung wurden erstmals Kindergartengartenkinder auf gesundheitliche Schäden, hervorgerufen durch Weichmacher, untersucht - „mit erschreckendem Ergebnis“, wie es seitens RTL heißt.

Siebenköpfige Familie ohne Plastik - geht das?

In dem Beitrag wird auch eine Familie aus Baden-Württemberg vorgestellt. Die Öhlers haben vor einem Jahr auf einen plastikfreien Lebensstil umgestellt. Jenke von Wilmsdorff erfuhr zu Hause bei den Öhlers, wie genau so etwas mit Kindern zu bewerkstelligen ist. Er „habe dann selbst versucht, möglichst plastikfrei im Discounter einzukaufen“, sagt der Reporter. „Und ich muss gestehen, dass das eine echte Herausforderung war. Dabei wird einem erst einmal bewusst, wie viele Lebensmittel, die ja schon eine natürliche Verpackung durch ihre Schale haben, zusätzlich in Plastik gewickelt werden.“

Fakt ist: „Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll - ein trauriger Spitzenplatz in Europa.“ Mit diesen Worten hat unlängst auch die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, Alarm geschlagen. Mit insgesamt 11,7 Millionen Tonnen verbraucht Deutschland - Stand 2017 - so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa. Europa sorgt für ein Viertel des weltweiten Plastik-Verbrauchs. Ausbaden muss das die gesamte Welt - Mikroplastik im Meer ist ein leider hinreichend bekanntes Problem. Jenke von Wilmsdorff begleitet den Meeresbiologen Frank Schweikert von der Meeresstiftung in der Nordsee. Dabei entstanden teils erschreckende Bilder und kuriose Einsichten: „Besonders beschämend für uns Verbraucher fand ich die Information, dass europaweit mit 22 Prozent tatsächlich Zigarettenstummel einen entscheiden Anteil des Plastikmülls im Meer ausmachen sollen“, sagt Jenke von Wilmsdorff.

Skandal: Deutscher Plastikmüll in Malaysia

Was kann der Einzelne tun - außer Plastikmüll zu reduzieren? Mülltrennen! Aber auch das allein, das macht die Reportage deutlich, ist nicht die Lösung. „Ich habe mir das vor Ort auf einem Recyclinghof einmal erläutern lassen und fand erschreckend, dass viele Kombiprodukte, wie Joghurtbecher oder Chipstüten, die aus Plastik und Aluminium bestehen, von den Maschinen nicht sortiert werden können und daher verbrannt werden müssen“, erklärt der TV-Journalist. „Auch erkennen die Maschinen, die mit Lichtsensoren arbeiten, schwarzen Plastikmüll nicht. Was nicht verbrannt wird, wird exportiert und geht trotzdem in die deutsche Recyclingquote ein. Das schönt die Zahlen und macht uns zum Recyclingweltmeister.“

An der Recyclingquote scheiden sich in der Tat die Geister. Im Sommer wurde der „Plastikatlas“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie der Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt. Demnach werden nur knapp 16 Prozent des Plastikmülls in Deutschland für neue Produkte wiederverwendet. Der Rest landet in Verbrennungsöfen oder wird ins Ausland verschifft, hieß es der offiziellen Recyclingquote zum Trotz, die 2016 bei 45 Prozent gelegen hatte (zum Vergleich: In Dänemark sind es 90 Prozent).

Die Frage ist, was mit einem Gutteil des deutschen Plastiknachlasses geschieht. Wo landen die Überbleibsel unseres Konsums? Jenkes Recherchen führten nach Malaysia. Dort fand er mit Greenpeace-Mitarbeitern in den Müllbergen auch deutschen Müll. Und er fand heraus, dass allein nach Malaysia in 2018 über 114.000 Tonnen Müll aus Deutschland kamen. „Daher geht der Müll in fremden Ländern uns auch etwas an“, betont der Reporter. Umso wichtiger sei es, „den Plastikmüll nach allen Möglichkeiten und Kräften zu reduzieren. Zum Beispiel durch Mehrweg statt Einweg“. Von Wilmsdorff weiß: „Hier ist auch politisch gesehen noch viel Luft nach oben, denn die Plastik-Lobby ist extrem stark. Hier hat es auch jeder Verbraucher selbst in der Hand, welche Produkte er einkauft.“

Nachrichtenmoderator Maik Meuser geht voran

Im eigenen Unternehmen, bei den Verantwortlichen der Mediengruppe RTL Deutschland, stieß der Reporter mit seinem Anliegen auf offene Ohren. Dort, so ist aus Köln zu erfahren, wird jetzt firmenübergreifend Plastikmüll vermieden. Unter anderem sollen „die Mülleimer fachgerecht zu Kinderspielplätzen recycelt werden“. Auch sei geplant, komplett auf Mehrwegflaschen umzustellen. „Weitere Schritte in die richtige Richtung“, freut sich Jenke von Wilmsdorff. „Schließlich wollen wir nicht mit erhobenem Zeigefinger rumrennen, sondern aufzeigen, was jeder tun kann.“

Mit gutem Beispiel geht RTL-Nachrichtenmoderator Maik Meuser voran. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit Jahresbeginn nahezu plastikfrei. „Wir haben unseren Müll drastisch reduziert und heute, nach einem Dreivierteljahr, schon gut 50 gelbe Müllsäcke eingespart“, behauptet er. Teuer müsse die Umstellung nicht zwangsläufig sein. „Wir kaufen Milch und Joghurt nur noch im Glas. Dafür sparen wir an anderer Stelle, etwa bei Putz- und Reinigungsmitteln.“ Müll vermeiden könne „man ja auch schon beim Obst- und Gemüseeinkauf in jedem Supermarkt, indem man einfach die unverpackten Waren nimmt. Da kann man schon sehr viel erreichen, ohne am Ende wahnsinnig viel mehr zahlen zu müssen. Wasser kaufen wir gar nicht mehr, sondern trinken aus dem Hahn. Die Qualität ist deutschlandweit ziemlich gut“, weiß Maik Meuser, der auf AUDIO NOW den Podcast „Familie Minus Plastik“ anbietet: Der neunjährige Sohn Yannis interviewt seine Eltern in jeder der fünf Folgen über einen anderen Aspekt ihres fast plastikfreien Lebens.

So etwas ist aller Ehren wert, aber ist es auch mehr als nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein? Auf der Homepage der Verbraucherzentrale ist beim Thema Plastik nachzulesen: Das Leben sei „Mitte des 20. Jahrhunderts noch fast frei von Kunststoffen“ gewesen; „weltweit wurden lediglich rund 1,7 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr hergestellt. Heute sind es mehr als 335 Millionen Tonnen.“

teleschau

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