Quotenjagd ab 29. Dezember

Vierschanzentournee: TV-Event wieder in der Spur

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Severin Freunds starke Leistungen bei der letzten Tour brachten viele Zuschauer zurück an die Bildschirme.

Der Auftakt der Vierschanzentournee war im vergangenen Jahr wie gemalt. Severin Freund gewann das Springen in Oberstdorf. Von einem möglichen deutschen Gesamtsieg nach langer Durststrecke vom Bakken träumten fortan die Fans. Auch die übertragenden Sender profitierten davon.

Zweifelsohne, die Vierschanzentournee ist ein Klassiker. Vor allem das Auftaktspringen in Oberstdorf im Allgäu und natürlich das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sind fix im Sportkalender der deutschen Fans verankert. Wenn aber kein deutscher Springer wie einst die Überflieger Sven Hannawald und Martin Schmitt um den Sieg mitspringen, schwindet auch das Interesse. Gerade das Skispringen, das als „Formel 1 der Lüfte“ um die Jahrtausendwende einen wahren Boom mit 15 Millionen und mehr Zuschauern erlebte, bekam das zu spüren. In den letzten Jahren fielen die Quoten sukzessive, wenn auch immer noch auf einem guten Niveau übertragen wurde. Erst Severin Freund konnte einen weiteren „Absturz“ mit einer bärenstarken Tournee im vergangenen Jahr stoppen. Der Niederbayer, der für den der für den WSV DJK Rastbüchl startet, holte mit seinem zweiten Platz wieder mehr Zuschauer an die Schanzen und vor die Bildschirme. Das Hoffen auf das deutsche Team um Freund scheint auch bei dieser Vierschanzentournee (Donnerstag, 29. Dezember, bis Freitag, 6. Januar) wieder zu wirken. Der Veranstalter melden zur 65. Ausgabe des traditionsreichen Wettbewerbs bereits enormen Zuspruch.

Mehr als 130.000 Zuschauer waren im vergangenen Jahr insgesamt an den Schanzen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen, als sich der DSV-Adler Freund und Peter Prevc einen lange spannenden Zweikampf lieferten. Am Ende lag der Slowene die entscheidenden Meter und damit Punkte in der Gesamtwertung vorn. Als Verlierer musste sich der deutsche Weltmeister (2015) und Olympiasieger mit der Mannschaft (2014) dennoch nicht fühlen. Freund brachte unter anderem mit seinem Sieg beim Auftaktspringen in Oberstdorf die Massen zurück an die Bildschirme.

Durch das beste Abschneiden eines DSV-Adlers seit acht Jahren gewann die Tournee enorm an Aufmerksamkeit zurück. Die Einschaltquoten der übertragenden Sender ARD und ZDF verbesserten sich auf durchschnittlich 27,5 Prozent beim Gesamtpublikum. Beim jungen Publikum schalteten 15,2 Prozent ein. In den Jahren zuvor war der Zuspruch beständig gefallen. Zuletzt sogar auf 23,5 Prozent insgesamt und 12,8 Prozent bei der jungen Zielgruppe (14 bis 49 Jahre).

Dass Skispringen wieder in ist, zeigen auch die Vorverkaufszahlen. Bereits im Vorjahr erreichten die Veranstalter eine Rekordkulisse. Auch in diesem Jahr rechnen die Organisatoren der 65. Vierschanzentournee mit vollen Arenen. „Der Vorverkauf läuft besser denn je, bei uns in Garmisch-Partenkirchen und auch in Oberstdorf sind bereits alle Sitzplätze weg“, erklärt Michael Maurer, Präsident der Vierschanzentournee und Vorsitzender des SC Partenkirchen. Nach dem Sieg von Severin Freund beim zweiten Weltcupspringen im finnischen Kuusamo jüngst Ende November seien die Vorverkaufszahlen sogar noch einmal nach oben geschnellt, so Maurer. Auf eine vergleichbare Entwicklung setzen nun auch die übertragenden Sender ARD und ZDF sowie Eurosport. Möglicherweise kratzen die Quoten auch mal wieder an den 30 Prozent, so eine kühne, wenn auch nicht unberechtigte Hoffnung.

Wie gewohnt teilen sich ARD und ZDF die Übertragungen aller Springen der Tournee. Jeweils die Qualifikationen als auch die Entscheidungen sind live zu sehen. Das ZDF beginnt mit der Qualifikation des Auftaktspringens in Oberstdorf (Donnerstag, 29. Dezember, 16.15 Uhr). Das traditionsreiche Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (Sonntag, 1. Januar, 13.30 Uhr), ist in diesem Jahr im Ersten zu sehen. Ebenso die Entscheidung in Innsbruck (Mittwoch, 4. Januar, 13.45 Uhr). Das letzte Springen in Bischofshofen läuft wiederum im ZDF (Freitag, 6. Januar, 16.35 Uhr).

Sowohl bei ARD und ZDF bleiben die Experten alte Bekannte. Das Erste vertraut weiterhin auf Dieter Thoma. Im ZDF analysiert die österreichische Schanzen-Legende Toni Innauer (57) das Geschehen. Als Moderator steht Norbert König bereit. Bei der ARD übernimmt Matthias Opdenhövel diesen Job.

Neues Personal hingegen präsentiert Eurosport. Der Spartensender, der neben der Tournee auch die Weltcupsaison ausführlich begleitet, hat die durchaus etablierten Dirk Thiele und Gerd Siegmund getauscht. Diese Entscheidung führte zunächst zu einigem Unmut bei den Zuschauern. Kommentator Matthias Bielek und vor allem der sehr namhafte Sven Hannawald als Partner am Live-Mikrofon haben sich inzwischen einigermaßen eingespielt. „Wir werden sicher eine Zeit brauchen, um die Leute von uns zu überzeugen“, sagte Hannawald noch im Vorfeld seiner Rückkehr an die Schanze. Ohnehin sei sein Engagement bei Eurosport langfristig angelegt - sein Vertrag läuft bis zu den Olympischen Winterspielen 2018 im koreanischen Pyeongchang.

Neben Hannawald kann Eurosport auch weiterhin auf die Analysen von Martin Schmitt als Experte zählen. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird Schmitt unter anderem bei der Vierschanzentournee im Einsatz sein. Mit Hannawald und Schmitt sind somit wieder die nationalen Top-Stars der Sportart, die das Skispringen in Deutschland um die Jahrtausendwende erst richtig populär machten, rund zehn Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Wettkampf wieder zusammen in einem Team.

tsch

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