„Markus Lanz“

„Wie ein Panzer, der auf Kaninchen schießt“: Karl Lauterbach kritisiert Corona-Teststrategie

In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" kritisierte Karl Lauterbach die derzeitigen Teststrategien.
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In der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ kritisierte Karl Lauterbach die derzeitigen Teststrategien.

Nicht erst seit der Panne in Bayern sind die derzeitigen Teststrategien in der Corona-Pandemie in aller Munde.

Der SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach hat nun offen Kritik an dem derzeitigen Vorgehen geäußert. Andere Länder seien seiner Meinung besser aufgestellt, erklärte er am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“.

„Welche neuen Tests gibt es wirklich?“ Diese Frage stellte der Moderator Lanz in der Mitte seiner Sendung. Karl Lauterbach verwies daraufhin auf eine Studie der Universität Harvard: „Die haben mathematisch herleiten können, dass man im Wesentlichen sehr viel mehr zulassen könnte, wenn man mit einem Test, der sehr schnell die Ergebnisse gibt und 80 Prozent sensitiv ist.“ Mit anderen Worten: „Von denen, die erkrankt sind, erwische ich 80 Prozent beim ersten Test und habe die Ergebnisse sehr schnell“. In Deutschland habe man diese Tests derzeit aber noch nicht.

Lauterbach betonte: „Die Tests werden jetzt in England zugelassen und in Amerika wahrscheinlich auch.“ Hierzulande sei man bei den Teststrategien aber noch nicht so weit, wie man sein könnte. Er erklärte: „Wir verlassen uns in Deutschland sehr stark auf den klassischen Test, der sozusagen der PCR-Test ist.“ Dieser weise das Genom des Virus extrem genau nach, sodass so gut wie kein Positiver übersehen werde. Ebenso werde so gut wie kein Negativer fälschlicherweise als positiv deklariert. Allerdings dauere das Verfahren auch sehr lange und das Ergebnis liege mitunter erst nach einigen Tagen vor. Im Gegensatz dazu liefere der in England zugelassene „LAMP-Test“ das Ergebnis in nur 70 Minuten. Lauterbach betonte: „Der ist fast so genau wie der PCR, sehr viel schneller und sehr viel billiger.“

Schnelligkeit ist wichtiger als Genauigkeit

Der 57-Jährige forderte: „Wir müssen mehr dieser Tests zulassen, die schneller sind.“ Denn wenn wir die zweite Welle in den Griff bekommen wollten, dann sei Schnelligkeit wichtiger als Genauigkeit. Das hätten wissenschaftliche Studien ergeben. Nur mit diesen Schnelltests könne man die Corona-Maßnahmen weiter lockern.

Ähnlich sah das auch Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe der Universität Hamburg: „Der entscheidende Punkt ist die Infektiösität: Nur wenn ich sehr viel Virus habe, bin ich auch infektiös und eben auch eine Gefahr. Beim PCR-Test werden kleinste Mengen angezeigt, die vollkommen irrelevant sind. Die können sie noch drei Wochen nach der Erkrankung nachweisen. Der ist aber nicht infektiös.“ Lanz hakte daraufhin nach: „Da wird was angezeigt, ich bin sozusagen Corona positiv, aber in Wahrheit keine Gefahr für andere, weil meine Viruslast so gering ist?“ Schmidt-Chanasit bestätigte und erklärte weiter, dass dies einem Vorschlag von Christian Drosten entspreche, der gesagt habe: „Wir müssen eine Grenze festlegen.“ Sobald die Viruslast darunterliege, sei es egal. Ein Test, der ein bisschen weniger genau sei und somit bei einer niedrigeren Viruslast gar nicht erst anschlage, sei dabei besser, erklärte Lauterbach.

„Wir laufen derzeit der Pandemie hinterher“

„Die mangelnde Präzision der billigeren Tests kann hier sogar wertvoll sein in der Verwendung, weil ich damit nur diejenigen positiv teste, die auch ansteckend sind“, fuhr Lauterbach fort. Derzeit würden wir der Pandemie hinterherlaufen: Die Arbeit, die die Gesundheitsämter derzeit leisten, sei zwar großartig, aber auch ineffizient: „Wenn jemand heute krank wird, dann ist er in der Regel schon am ersten oder zweiten Tag seiner Symptome, dann war er aber die zwei Tage vorher richtig stark ansteckend.“ Bis zum Ergebnis des präzisen Tests vergingen dann weitere Tage, sodass der Patient, wenn er das Ergebnis bekomme, „fast nicht mehr ansteckend“ sei. Dafür hätten seine Kontakte, die erst dann ermittelt würden, bereits weitere Menschen angesteckt.

Lauterbach beendete seine Ausführung mit einem Vergleich: „Das ist so, als wenn ich mit einem Panzer hinter Kaninchen herlaufe und immer, wenn ich gerade das Kaninchen im Visier habe, ist das Kaninchen schon weg.“ Der gegenwärtig eingesetzte PCR-Test sei „so teuer wie der Panzerschuss“. Wir bräuchten vielmehr ein „Luftgewehr, womit wir Geschwindigkeit aufnehmen.“

teleschau

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