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Wenn persönliches Glück zur Gefahr wird: Das sind die DVD-Highlights der Woche

Eine sinnliche Farbexplosion: Die Bilder in "Little Joe" sind voller Widersprüche.
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Eine sinnliche Farbexplosion: Die Bilder in „Little Joe“ sind voller Widersprüche.

„Little Joe - Glück ist ein Geschäft“, „Freies Land“ und „Sløborn“: Das sind die DVDs und Blu-rays der Woche.

Wäre es nicht schön, wenn die Menschen ihre wahren Gefühle nicht mehr fühlen müssten? Wenn sie den ganzen Tag lang einfach nur glücklich wären und alles, was sie dafür tun müssten, wäre, eine Blume zu gießen? Ist das ein Glücksversprechen oder eine Horrorvorstellung? Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner („Lourdes“, „Amour Fou“) lässt das in ihrem ersten englischsprachigen Film offen. Als kühle Science-Fiction-Horrormär verkleidet, ist „Little Joe - Glück ist ein Geschäft“ ein Stück über Unsicherheiten der Gegenwart. Nun erscheint das Werk, ebenso wie der Film „Freies Land“ und die Serie „Sløborn“ auf DVD und Blu-ray.

„Little Joe - Glück ist ein Geschäft“ (VÖ: 31. Juli)

In einer streng strukturierten, futuristischen Welt züchtet die alleinerziehende Mutter Alice (Emily Beecham) gemeinsam mit ihrem Kollegen Chris (Ben Whishaw) genmanipulierte Pflanzen, deren Duft glücklich macht. „Little Joe“ tauft Alice die Pflanze, benannt nach ihrem Sohn, und nimmt ein Exemplar für ihn mit nach Hause. Schon bald verändert sich Joe (Kit Connor), wie auch alle anderen Menschen und Tiere, die mit der Blume in Berührung kommen. Die Pflanzen scheinen nicht nur einen eigenen Willen zu haben, sondern den ihrer Wirte auch zu brechen. „Little Joe“ ist ein meisterlicher Film, der sich alle Freiheiten nimmt - in Form, Struktur und Bild - und die Gegenwart so klug in vielen Facetten reflektiert, dass man es zunächst gar nicht mitbekommt, aber hinterher voller Zweifel ist.

Preis DVD: circa 14 Euro

A, 2019, Regie: Jessica Hausner, Laufzeit: 102 Minuten

„Freies Land“ (VÖ: 23. Juli)

„Freies Land“ spielt im Jahr 1992 und handelt von zwei gegensätzlichen Polizisten, die im Oder-Delta das Verschwinden eines Schwesternpaares untersuchen. Der beherrschte, aus Westdeutschland kommende Patrick Stein (Trystan Pütter) und sein ruppiger ostdeutscher Kollege Markus Bach (Felix Kramer) stoßen zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Einzig die Mutter der Vermissten (Nora von Waldstätten) scheint sich für die Aufklärung zu interessieren. Erst als die übel zugerichteten Leichen der jungen Frauen auftauchen, nimmt der Fall eine schreckliche Wendung. „Freies Land“ versteht es, die bedrückende Atmosphäre auf den Zuschauer zu übertragen, wartet in den Hauptrollen mit überzeugenden Darbietungen auf und hat einige gelungene Spannungsmomente in petto. Allerdings klammert sich Regisseur Christian Alvart zu eng an die spanische Vorlage „La Isla Mínima - Mörderland“.

Preis DVD: circa zwölf Euro

D, 2019, Regie: Christian Alvart, Laufzeit: 129 Minuten

„Sløborn“ (VÖ: 24. Juli)

Ein kaum bekanntes tödliches Virus breitet sich der deutschen Nordseeinsel Sløborn aus. Doch anstatt die Gefahr gleich zu erkennen, sind die Bewohner eher mit ihren eigenen Problemen beschäftigt: Die Teenagerin Evelyn Kern (Emily Kusche) ist nicht nur von ihrem Lehrer schwanger, sondern muss auch die Trennung ihrer Eltern verkraften. Der Außernseiter Hermann (Adrian Grünewald) wird in der Schule gemobbt, und Magnus Fisker (Roland Møller) kehrt mit einer Gruppe krimineller Jugendlicher zurück. Evelyns Vater Richard (Wotan Wilke Möhring) aber, ein Tierarzt, wird bald eine bedeutende Rolle im Kampf gegen das Virus spielen. Die Serie „Sløborn“ versammelt ein stark aufspielendes und hervorragend gecastetes Ensemble. Der Part um die Jugendlichen und ihre sich verändernden Beziehungen wirkt stets authentisch und kommt wohltuend ohne großen Teenie-Kitsch aus.

Preis DVD: circa 18 Euro

D, 2020, Regie: Christian Alvart / Adolfo Kolmerer, Laufzeit: 410 Minuten

teleschau

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