Neue Serie: „The Plot Against America“

Wenn der Albtraum wahr wird: In dieser Serie wird Charles Lindbergh US-Präsident

Rabbi Lionel Bengelsdorf (John Turturro, rechts) lässt sich vom Antisemiten Charles Lindbergh (Ben Cole) einspannen.
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Rabbi Lionel Bengelsdorf (John Turturro, rechts) lässt sich vom Antisemiten Charles Lindbergh (Ben Cole) einspannen.

Nach einem Roman von Philip Roth: In der Miniserie „The Plot Against America“ lässt sich Nazi-Freund Charles Lindbergh 1940 zum US-Präsidenten wählen.

Man fragt sich ja schon manchmal, welche Qualifikationen notwendig sind, um das Weiße Haus bewohnen zu dürfen. Der aktuelle Mieter kann, wie jedenfalls seine Kritiker sagen, besonders gut Hass gegen Minderheiten schüren, Sündenböcke beschuldigen, halbe Wahrheiten erzählen und ganze Lügen. Das war vor 80 Jahren nicht anders, zumindest in der Miniserie „The Plot Against America“, die bei Sky in der Originalfassung auf Abruf verfügbar ist und ab 20. Mai bei Sky Atlantic auch in der deutschen Fassung läuft.

Der HBO-Sechsteiler basiert auf einem Roman von Philip Roth (deutscher Titel: „Verschwörung gegen Amerika“, 2004) und der fragte sich darin, was passiert wäre, wenn 1940 nicht Franklin D. Roosevelt als US-Präsident wiedergewählt worden wäre, sondern Charles Lindbergh ins Weiße Haus gezogen wäre. Der Flugpionier war nicht nur Nationalheld, sondern auch überzeugter Antisemit, Hitler-Versteher und Sprecher des isolationistischen „America First Committee“.

Echte und „alternative“ Fakten

Die Geschichtsschreibung im Buch und in der Serie ist eine alternative, eine ausgedachte, gleichwohl immer wieder historische Fakten eingestreut werden. Das Publikum weiß das, für die Protagonisten freilich ist alles real. Die jüdische Familie Levin lebt anfangs ein ziemlich unaufgeregtes Leben in einem Vorort von New York City. Vor allem der zehnjährige Philip (Azhy Robertson) erlebt eine glückliche Kindheit.

Seine Augen sind weit, zunächst vor Neugier - schon bald aber vor Schrecken. Das erste Mal, als die Familie umziehen will, in eine neue Gegend mit netten Häuschen. Dort grölen deutsche Auswanderer bierselig Nazi-Parolen in den Sommerabend. Aus einer ersten dunklen Bedrohung wird bald Alltag.

Als frisch gewählter US-Präsident ist Charles Lindbergh der Funke, der den schwelenden Antisemitismus entzündet. Das wirklich Beklemmende an der Serie ist: Das Land hat seine Ideale längst verraten und seine Träume aufgegeben. Aus dem Inneren einer Familie heraus zeigen die Produzenten David Simon und Ed Burns („The Wire“), was hässlich(er) geworden ist in Amerika - und meinen das durchaus allegorisch.

teleschau

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