Ein Relikt aus 1970

Die Weibchen: Makaberer und sehr freizügiger Horror-Trip mit Uschi Glas

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Die Nerven! Eve (Uschi Glas, links) kam in die Klinik von Dr. Barbara (Gisela Fischer), um sich von ihrer Arbeit als Sekretärin zu erholen.

Ob sich Uschi Glas wohl darüber freut, dass dieser Film wieder „aufgetaucht“ ist? „Die Weibchen“, zwei Jahre nach ihrem 1968er-Hit „Zur Sache, Schätzchen“ gedreht, kehrt aufwendig restauriert ins Heimkino zurück. Heißt: Es stehen wieder Männer auf dem Speiseplan.

Die Drogen. Die Mode. Die Musik. Viele schwärmen noch heute davon, was für eine aufregende Zeit die späten 60er- und frühen 70er-Jahre waren, die Zeit der sexuellen Befreiung und überhaupt eines großen gesellschaftlichen Umbruchs. Es gibt auf der anderen Seite auch viele, die sich nicht so gerne zurückerinnern: Kaum einer, der es miterlebte und nicht selbst manchen Quatsch ausprobiert hätte. So auch viele Prominente. Der Verleih Bildstörung hat in dieser Hinsicht nun einen ganz besonderen Filmschatz ausgegraben: „Die Weibchen“ (1970) von Zbynek Brynych kehren auf die Bildschirme zurück - ein psychedelischer, makaberer und sehr freizügiger Horror-Trip mit Uschi Glas in der Hauptrolle.

Die Büstenhalter waren bei Zbynek Brynych schon abgebrannt. Der tschechische Filmemacher (1927 bis 1995) ging mit „Die Weibchen“ direkt dazu über, die Männer zu verheizen. Drei solche armen Teufel, angeführt von Giorgio Ardisson als schneidigem Macho Tommy, verirren sich ins idyllische Bad Marein - eine Autopanne. Ob Mechanikern Dolly (Anne-Marie Kuster), die sich breitbeinig und mit Kippe im Mundwinkel vor den Herren aufbaut, denn das Fahrzeug ernsthaft selbst reparieren wolle? „Wieso denn nicht?“, entgegnet die selbstbewusste Schrauberin. Nehmt das, ihr Chauvis!

Zu dem Zeitpunkt ist die überarbeitete Sekretärin Eve (Uschi Glas, damals Mitte 20) schon in der Bad Mareiner Kurklinik Dr. Barbara angekommen. Nur Frauen, alle freundlich, aber auch ein wenig seltsam. Wie seltsam tatsächlich, wird Eve bald erfahren. Schon während der ersten Nacht, in der die Patientinnen Herrenbesuch von Tommy und Co. bekommen, wird ein Mann abgemurkst. Wie sich herausstellt, wimmelt es in Bad Marein nur so von gefährlichen Vamps. Ganz den Zeitgeist von damals widerspiegelnd, treibt Brynych den Geschlechterkampf absurd auf die Spitze: Nachdem die Männer die Frauen lange dominiert hatten, werden sie nun von den Weibchen vernascht - und dann postkoital verspeist. Wenig überraschend, dass die FSK den Film zum Kinostart 1970 ab 18 Jahren freigab.

„Die Weibchen“, eine internationale Koproduktion mit Stars wie Irina Demick, Pascale Petit, Francoise Fabian und eben Uschi Glas, wurde seinerzeit von der Kritik verrissen und floppte im Kino. Ein Film mit manchen Macken, der über die Ziele der Emanzipation weit hinausschoss und kaum eine Albernheit ausließ, der jedoch auch einen ganz eigenen skurrilen Charme besitzt und nach bald 50 Jahren vor allem als schillerndes Zeitzeugnis von großem Wert ist. Wohl in keiner Doku und keinem Zeitzeugenbericht wird das Feeling der Swinging Sixties so greifbar wie hier - die Drogen, die Mode, die Musik, alles da.

Fünf Jahre hat Bildstörung in die Restaurierung von „Die Weibchen“ investiert, mit viel Handarbeit und einem anständigen, in jedem Fall anschaubaren Ergebnis. Was da geleistet wurde, wird vor allem in einer schönen Vorher-Nacher-Gegenüberstellung im Bonusteil der neuen Heimkino-Fassung deutlich. Dort findet sich, mindestens ebenso spannend, auch ein 15-minütiges Interview mit Uschi Glas, die sich augenzwinkernd an ein „experimentelles“ Filmprojekt erinnert. Schämen muss sie sich jedenfalls nicht. Aus heutiger Sicht ist „Die Weibchen“ sicher einer der coolsten weil schrägsten Filme, die sie je gedreht hat.

Erhältlich auf DVD und Blu-ray Disc.

tsch

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