Tatort: Kollaps

„Wahre Liebe“ zum Dortmund-Krimi? - Zuschauer wollen Faber leiden sehen!

Der Sieger des "Tatort"-Votings kommt zum zweiten Mal aus Dortmund. In der Folge "Kollaps" von 2015 wütet Kommissar Faber (Jörg Hartmann, zweiter von links) in bekannter Manier - und noch ein bisschen mehr als sonst - durch 90 Krimiminuten.
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Der Sieger des „Tatort“-Votings kommt zum zweiten Mal aus Dortmund. In der Folge „Kollaps“ von 2015 wütet Kommissar Faber (Jörg Hartmann, zweiter von links) in bekannter Manier - und noch ein bisschen mehr als sonst - durch 90 Krimiminuten.

Zum zweiten Mal macht ein „Tatort“ aus Dortmund das Rennen im sonntäglichen Zuschauer-Voting: Der etwas überreizte Krimi „Kollaps“ von 2015 war ein drastischer Beitrag damals allseits präsenten Flüchtlingsproblematik.

Viermal Humor mit einem doppelten Doppelpack aus Münster und Weimar, einmal Action mit Til Schweiger sowie einem Münchner Fall. Dazu mittlerweile zwei Fälle aus Dortmund. So sieht die Bilanz nach acht Wochen Wunsch-„Tatort“ im Ersten aus. Mit „Kollaps“ haben sich die Zuschauer nach „Tollwut“ aus dem „Wir schaffen das“-Jahr 2015 wieder für einen Fall aus dem Ruhrpott entschieden. Darin stellt der abgerockte Ermittler Faber (Jörg Hartmann) ein Beweismittel im Sandkasten sicher, das sein Team auf die richtige Spur bringt. Nachdem ein kleines Mädchen beim Spielen verstirbt, weil es eine im Buddelgut versteckte Kokainkapsel entdeckt und verschluckt hat, steht bald das Dortmunder Migrantenmilieu im Fokus. Schließlich sind es die Schwarzafrikaner, Türken und Osteuropäer, die im schmutzigen Norden der Stadt Drogen verkaufen.

Die Mutter des so tragisch verstorbenen Mädchens erweist sich als drogenabhängig, der herbeigeeilte Sanitäter als notorischer Versager aus einem fremdenfeindlich geprägten Umfeld. Bald landen zwei senegalesische Geschwister im Fadenkreuz eines Lynchmörders, weil sie im Verdacht stehen, die für das Kind tödlichen Kokainpillen bei einer Razzia verbuddelt zu haben. Dass die beiden Flüchtlinge fast selbst noch Kinder sind, ist dem Mob der Selbstgerechten ziemlich wumpe.

„Wahre Liebe“ zu Dortmund?

Es bräuchte eine ruhige, vermittelnde Hand in diesem aufgeheizten Chaos, doch eine solche hat das Dortmunder Team leider nicht zu bieten. Nach bärenstarken Fällen zuvor fiel die „Kollaps“-Episode (Buch: Jürgen Werner, Regie: Dror Zahavi) ein bisschen in die wenig überzeugenden Strickmuster vom Beginn der Faber-Ära zurück. Alles wirkt doch recht grobklotzig und überreizt. Jeder verbeißt sich in jeden, und alle sind immerzu maximal gereizt. Der Faber blitzt mit ruppigen Avancen bei der Bönisch (Anna Schudt) ab, die Bönisch bei ihren Kindern, die nach der Scheidung lieber beim Vater leben wollen.

Die jungen Ex-Liebenden Dalay (Aylin Tezel) und Kossik (Stefan Konarske) traktieren sich wechselseitig, und zur Krönung des Ganzen reicht Daniel Kossik Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den, sagen wir mal, etwas unkonventionellen Chef Faber ein. Auf einen ansatzweise normalen Gesprächston wartet man in diesen 90-Krimiminuten vergebens.

Die Voting-Zuschauer hat's offenbar wenig gestört. Hauptsache Dortmund, sagte sich das Wahlvolk wohl. Na ja, es standen eben auch keine weiteren Folgen zur Auswahl. Ob es sich um „wahre Liebe“ zur Folge „Kollaps“ handelt, um einen im Pott gebrauchten Slogan über das Verhältnis zum heimischen, gelb-schwarzen Fußballverein abzuwandeln, kann systembedingt nicht eindeutig beantwortet werden.

teleschau

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