Ruf aus dem Jenseits

Emilia Clarke in „Voice from the Stone“

+
Verena (Emilia Clarke) hört es irgendwann auch: Die Wände sprechen.

Emilia Clarke hat es in die Toskana verschlagen. Wo es spukt, wo man aber auch lange auf die Folter gespannt wird.

Es mag an ihrer Freizügigkeit liegen, die ihr ihre Rolle und vor allem die „Game of Thrones“-Ästhetik vorschreibt. Doch Emilia Clarke zeichnet erst eine mädchen-, im späteren Verlauf dann eine amazonenhafte Natürlichkeit in der Erfolgsserie aus. Auf dem Cover zu „Voice from the Stone“ (2017) scheint jede Unverfälschtheit verflogen. Weichgezeichnet soll ihr Gesicht dem möglichen Käufer wohl das Geisterhafte des Mystery-Thrillers nahebringen. Denn im gastgebenden Toskana-Anwesen in den 50-ern spukt es. Wie der Titel bereits verrät, sprechen hier Steine, und Emilia Clarke als Kindermädchen Verena beginnt irgendwann, die Stimme zu vernehmen. Das dauert aber lange - wohl auch ein Grund, warum der Film nicht im Kino, sondern nun direkt auf DVD, Blu-ray Disc und bei VoD-Anbietern landete.

Bis in „Voice from the Stone“ etwas Unheimliches passiert, hätte der Kinogänger wohl schon längst sein Popcorn aufgebraucht. Der Film setzt zunächst auf eine vernebelte Landschaft, die nur wenige charakteristische Farbtupfer anbietet und sogar bei bestem Badewetter einen Unheil ankündigenden Grauschleier trägt. Auch das Landhaus macht von Beginn an klar: Hier liegt etwas im Argen. Dessen Bewohner haben womöglich allesamt ein dunkles Geheimnis. Ja, der Film geizt nicht mit Andeutungen. Doch was im klassischen Mystery-Thriller längst vergangener Jahrzehnte vielleicht noch eine Atmosphäre der Beklemmung schaffte, wirkt heute eher altbacken und überholt.

Verena wird vom Hausherren Klaus (Marton Csokas) rangeholt, um Sohnemann Jakob (Edward Dring) wieder zum Sprechen zu bringen. Der schweigt, seitdem seine Mutter an einem nie ergründeten Fieber starb - sieben Monate und 16 Tage sei dies her, erklärt Klaus der wackeren und bestimmten Frau, der eine gewisse Gabe nachgesagt werde. Jakob lässt sich von dieser aber erst einmal kaum beeindrucken, verlebt sein Dasein weiter in stoischer Eintönigkeit, befolgt, was man ihm sagt, redet aber nicht und schenkt dem Gegenüber so wenig Aufmerksamkeit, wie es Not tut. Erst als Verena von ihren redseligen psychologischen Kniffen ablässt, mit denen sie das Vertrauen des Jungen zu gewinnen versucht, weiht er sie ein - in das Geheimnis dieses Hauses.

Jakob scheint über die Wände des Hauses und verschiedene Steine in der Umgebung mit seiner Mutter kommunizieren zu können - Verena schließlich auch. Und dann - endlich - nimmt das Unheil seinen Lauf. Ein wenig Erotik, ein wenig Rumgehetze, und schon kommt man zu des Rätsels Lösung. Emilia Clarke scheint dabei als einzige Darstellerin auf die Geschehnisse zu reagieren; ihr Minenspiel ist teils großartig - allerdings lange das Einzige in „Voice from the Stone“, das Emotionen hervorruft.

tsch

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare