Sky-Serie „I Know This Much Is True“

Wie viel Leid erträgt ein Mann?

Mark Rufalo brilliert in der HBO-Miniserie „I Know This Much Is True“ (ab 10. Mai bei Sky) in einer tragischen Doppelrolle.
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Mark Rufalo brilliert in der HBO-Miniserie „I Know This Much Is True“ (ab 10. Mai bei Sky) in einer tragischen Doppelrolle.

Sky lädt zu einer sechsstündigen Seelenqual ein und zeigt die HBO-Miniserie „I Know This Much Is True“ mit „Hulk“ Mark Ruffalo in einer eindrücklichen Doppelrolle.

Was weiß man schon von den Menschen, was weiß man schon vom Leben? Thomas ist außer Verstand, die Apokalypse hat er mehr oder weniger im Kopf, Amerikas Verdammnis ebenso. Ein paar Augenblicke später hackt er sich in einer öffentlichen Bibliothek die Hand ab. Und schon ist man mittendrin in der großen Tragödie, die gemeinhin als Leben bekannt ist und die Derek Cianfrance in der sechsteiligen HBO-Miniserie „I Know This Much Is True“ in allen Facetten beleuchtet. Ab 10. Mai ist die Verfilmung des 900-Seiten Bestsellers „Früh am Morgen beginnt die Nacht“ von Wally Lamb in der Originalfassung bei Sky zu sehen. Die deutsche Synchro folgt im Sommer.

Dass sich der Cianfrance mit den Untiefen des Menschseins auskennt, das hat er in zwei formidablen Filmen bewiesen. In „Blue Valentine“ bescherte er Michelle Williams und Ryan Gosling die Erkenntnis, dass auch die unsterblichste Liebe der Welt das zeitliche segnen kann. In „The Place Beyond The Pines“ lässt er zwei Männer und ihre Söhne Schuld auf sich laden und dafür büßen - in einem Leben, das manchmal keinen Sinn macht und sich nur selten planen lässt.

Waren seine Filme pointiert, direkt und schonungslos, verhebt sich der US-Filmemacher nun an der komplexen menschlichen Tragödie. Man braucht ziemlich viel guten Willen, um die sechs Stunden konzentriertes Leiden durchzuhalten. Erträglich macht sie vor allem der Hauptdarsteller: Mark Ruffalo, der „Hulk“ aus dem Marvel Cinematic Universe, spielt nicht nur Thomas, sondern auch dessen Zwillingsbruder Dominick.

Maximales Unwohlsein

Dominick kümmert sich um seinen schizophrenen Bruder, der seine Hand als Opfer für Amerikas Seelenfrieden gab. Und er macht auch sonst mehr durch, als ein Mensch aushalten kann. Todesfälle in der Familie, Konflikte mit dem verhassten Stiefvater, eine äußerst schmerzhafte Scheidung ... Die Seele des Mannes wird zermartert, in jeder Einstellung.

Niemand hat in „I Know This Much Is True“ sein Leben unter Kontrolle, vor allem nicht Dominick. Der Handwerker kümmert sich zwar um alles und jeden, gesteht sich dabei aber nicht ein, dass er erstmal und vor allem mit sich selbst klarkommen muss.

So viel Melodram, so viel bitteren Sozialstudie vor dem Hintergrund des aufziehenden ersten Golfkrieges, so viel Tragik: Cianfrance setzt in seinem Drehbuch, seiner depressiven Bildgestaltung, seinen deprimierten Figuren auf maximales Unwohlsein - und gleitet dabei eher ungewollt als gewollt ins Parodistische ab. Der einzige Anker, der ihn den Sechsteiler nicht vollends entgleiten lässt, ist Mark Ruffalo. Er schultert Thomas' und Dominicks unendlich schwere Päckchen mit unaufdringlicher Würde. Und er erdet die Traurigkeit.

(Die HBO-Miniserie startet am 10. Mai in den USA. Parallel sind die sechs Episoden in englischer Originalfassung in der Nacht zum 11. Mai auf Sky Ticket, Sky Go und über Sky Q abrufbar. Die Ausstrahlung der synchronisierten Fassung auf Sky Atlantic HD soll im Herbst erfolgen.)

teleschau

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