Die Gräfin - Mo. 11.04 - ARTE: 21.50 Uhr

Viel Blut, wenig Herz

+
Ihre Liebe darf nicht sein: Gräfin Erzsébet Báthory (Julie Delpy) und der einige Jahre jüngere Istvan (Daniel Brühl).

Der französisch-deutsche Historienfilm "Die Gräfin" versucht, die gespaltene Persönlichkeit einer blutrünstigen Adligen zu erfassen.

Die Mörderin als Opfer? Das war nur eine der Merkwürdigkeiten in Julie Delpys zweitem Film als Regisseurin: Als "Die Gräfin" (2009) versucht sie sich an einem differenzierten Bild einer mittelalterlichen Serienmörderin. Das scheitert weitgehend, weil Delpy Fakten und Legende vermischt und sich dabei zu viele Interpretationsmöglichkeiten erlaubt. Die Französin inszenierte das Porträt der "Blutgräfin" Erzsébet Báthory, die von 1560 bis 1614 in der heutigen Slowakei tatsächlich lebte, nicht nur. Sie übernahm auch die Hauptrolle. So wie zuletzt bei der Romantikkomödie "Lolo - Drei ist einer zu viel", die jüngst in den Kinos startete. ARTE zeigt "Die Gräfin" nun als Free-TV-Premiere im Themenschwerpunkt "Unsterblichkeit".

Vordergründig geht es um Schönheitskult im Mittelalter: Die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory verliebt sich nach dem Tod ihres Mannes in den jüngeren Istvan (Daniel Brühl). Ihre Leidenschaft ist nur von kurzer Dauer: Istvans Vater (William Hurt) untersagt den Kontakt aus machtpolitischen und intriganten Gründen. Davon weiß Erzsébet nichts, die verzweifelte Herrscherin vermutet ihr Alter als Grund und will sich mit dem Blut von Jungfrauen Jugend und Schönheit bewahren.

Es ist ungewohnt, Delpy in dieser Rolle zu sehen. Bis dahin vor allem durch Richard Linklaters "Before Sunrise" und "Before Sunrise" bekannt, war auch ihr Regiedebüt "2 Tage Paris", in dem die Französin sich selbst inszenierte, ein heiterer, kesser Film über die Nichtigkeiten und Wichtigkeiten von Liebe und Zusammenleben. Und nun diese finstere Gestalt. Eine Getriebene, eine vom Wahn verfolgte, eine - weil sie eine Frau ist - nicht ernst genommene Adlige.

Delpy spielt sie routiniert und durchaus glaubwürdig. Doch während sie als Darstellerin überzeugt, zeigt sie als Regisseurin zu viele Unentschlossenheiten. Sie schickt die Jungfrauen, Anna Maria Mühe spielt das erste bedauernswerte Opfer, - mit Splattereffekten inszeniert - in eine Art Entsafter. Hier ist "Die Gräfin" Horror, ein paar Szenen später, beim Liebesspiel mit dem Grafen Vizakna (Sebastian Blomberg) mittelalterliche S/M-Show, dann wiederum klassischer Liebesfilm. All das verpackt als hölzerner Kostümschinken mit dramatischen Momenten. Viel zusammen passt da nicht.

Es fehlt schlicht eine klare Linie. Schwerer als stilistische Ungereimtheiten und dramaturgische Stolperer wiegen allerdings Delpys unentschlossene Charakterzeichnung und fehlender Mut zur Interpretation. Einerseits streut sie Fakten ein - Opferzahlen (schwanken zwischen 80 und 180), Gerichtsverhandlung, Tod der Gräfin -, andererseits, beruft sie sich auf Legenden, wie der vom Bad im Blute.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare