WDR-Intendant

„Video war ein Fehler“: Was bleibt nach Tom Buhrows Entschuldigung vom „Umweltsau“-Eklat?

Druck für den WDR und seinen Intendanten Tom Buhrow: Nach der Veröffentlichung eines Satire-Videos brandete heftige Kritik am Sender auf. Nicht nur Buhrow entschuldigte sich in der Folge.
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Druck für den WDR und seinen Intendanten Tom Buhrow: Nach der Veröffentlichung eines Satire-Videos brandete heftige Kritik am Sender auf. Nicht nur Buhrow entschuldigte sich in der Folge.

Was als Satire gedacht war, entwickelte sich für den WDR zum handfesten Skandal: Nach Wellen der Kritik an einem umstrittenen Song des WDR-Kinderchors hat sich Tom Buhrow nun geäußert. Sogar das Deutsche Kinderhilfswerk meldete sich zu Wort.

Mit diesen Reaktionen hat wohl niemand beim WDR gerechnet: Nach dem Satiresong „Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau“ des WDR-Kinderchors schlug dem Sender am vergangenen Wochenende eine Welle der Entrüstung entgegen. Inzwischen hat sich auch der Intendant Tom Buhrow zu Wort gemeldet und sich für das Video entschuldigt, das in den sozialen Medien veröffentlicht wurde. In einer Sondersendung, die WDR 2 einberaumte, um den Eklat aufzuarbeiten, schaltete sich Buhrow telefonisch hinzu. „Das Video mit dem verunglückten Oma-Lied war ein Fehler“, räumte der 61-Jährige fernmündlich ein. „Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür.“

Zum Zeitpunkt des Anrufs war Buhrow zu Besuch bei seinem 92-jährigen Vater im Krankenhaus. „Er sitzt neben mir, und ich kann sagen: Er ist keine Umweltsau. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet“, stellte der WDR-Intendant klar. Zudem sagte er, es sei nicht die Intention des WDR, Menschen zu spalten, sondern man wolle einen „Beitrag zu einem besseren Klima in unserem Land“ leisten. Auch der Chef von WDR 2, Jochen Rausch, hatte sich bereits zuvor entschuldigt: „Ich kann den Ärger und die verletzten Gefühle vieler Menschen nachvollziehen und bedauere das.“

Kritik des Deutschen Kinderhilfswerk

Zeljo Davutovic, der Leiter des WDR-Kinderchors, meldete sich ebenfalls in einem Statement zu Wort und drückte sein Bedauern aus. Dennoch wehrte er sich gegen den vielfach im Netz geäußerten Vorwurf, die Kinder seien instrumentalisiert worden. „Es gab keinen Zwang“, stellte er klar. Und weiter: „Den teilnehmenden Kindern wurde erklärt, was die Parodie bezwecken soll: Mit Überspitzung und Humor den Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn nehmen.“ In dem umgedichteten Stück gehe es nicht um die Oma, „sondern um uns alle“, so Davutovic.

Von Seiten des Deutschen Kinderhilfswerks musste sich der WDR derweil wegen der Löschung des Videos Kritik gefallen lassen. „Das ist eine völlig überzogene Reaktion, ausgelöst durch einen Shitstorm im Netz“, meinte Sprecher Uwe Kamp gegenüber „watson.de“. An die Eltern der Kinder appellierte er: „Ganz wichtig ist, dass man den Kindern sagt, dass sie keinen Fehler gemacht haben.“

Auch Frank Überall, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), äußerte sich gegenüber dem Deutschlandfunk in diese Richtung. Der Vorwurf, der WDR habe Kinder instrumentalisiert, sei „absurd und bösartig“. Die Löschung des Videos bezeichnete der DJV-Vorsitzende als „nicht schlau“ und „unglücklich“, denn das Thema erhalte dadurch ja nur noch mehr Aufmerksamkeit.

Ob die Causa „Umweltsau“ den Medienwirbel rechtfertigt, ist in der Tat eine Frage, die am Ende mit Vernunft und Maß zu überdenken sein wird. In der satirischen Abwandlung des Kinderlied-Klassikers „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hatte es unter anderem geheißen: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau.“ Die Veröffentlichung des kurzen Clips am Freitagabend zog heftige Reaktionen im Netz nach sich. Vor dem WDR-Sitz in Köln kam es am Sonntagabend sogar zu einer spontanen Kundgebung mit einer Teilnehmerzahl im hohen dreistelligen Bereich, wie Beobachter berichteten.

teleschau

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