Film vom Bassist der Ärzte

„El Viaje - Ein Musikfilm“: Doku von Rodrigo „Rod“ González auf DVD und als Video-on-Demand erhältlich

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Musiker Macha (links) trägt weißen Rauschebart und eine Brille mit aufgeklebten Frauenaugen. Für Rod gräbt er halbvergessene südamerikanische Musik aus.

Auf Klangsuche in Chile: Der Bassist der Band Die Ärzte bringt in einer sehr persönlichen Dokumentation die musikalische Gegenwart und Vergangenheit des Landes zusammen.

Es ist eine Spurensuche musikalischer Art, auf die sich Rodrigo „Rod“ González begibt, Bassist, Sänger und Komponist der selbsterklärten besten Band der Welt: Die Ärzte. 1968 in der Hafenstadt Valparaíso geboren, musste er sechs Jahre später mit seinen Eltern vor Pinochets Militärregime nach Deutschland fliehen. Mehr als 40 Jahre später kehrt der Musiker in Nahuel Lopez' Dokumentarfilm „El Viaje - Ein Musikfilm“ (2016, jetzt auf DVD und als Video-on-Demand erhältlich) in sein Geburtsland zurück - auf der Suche nach den Protestsongs von damals.

González' Zugang ist sehr persönlich, ungeschminkt, neugierig. Ganz nah an ihm bewegt sich die Handkamera, zuerst in Hamburg beim Besuch des Vaters, am Flughafen, schließlich auf der Fahrt durch ein Chile, das er zum ersten Mal mit den Augen des professionellen Musikers sieht. Da wirkt der Punkrocker mit dem dunklen Bubikopf gleich selbst wieder wie ein staunendes Kind. Zur Authentizität trägt auch die Erzählstimme Rods bei, die etwas ungeschliffen, rotzig und doch hörbar begeistert die Begegnungen mit den Musikern kommentiert: „Erinnert mich an meine Punk-Zeit in den 80-ern in Barcelona. Überall so Zeug: Viecher, kaputte Sofas und anti-autoritäre Parolen. Wie geil, dass es so etwas auch hier in Chile noch gibt!“

„El Viaje“ unternimmt den Versuch, ein Land und seine wechsel- und leidvolle Vergangenheit durch Klänge und Melodien zu verstehen. Auf seiner Reise trifft González sehr unterschiedliche Menschen, die eines verbindet: ihre Leidenschaft zur Musik. Macha mit dem weißen Rauschebart etwa, der eine Brille mit aufgeklebten Frauenaugen trägt und halbvergessene südamerikanische Musik ausgräbt. Auch dabei sind Camila Moreno, ein junger Star der gegenwärtigen Latin-Szene Chiles, sowie Eduardo Yañez, ein Überlebender des Putsches, der im Nationalstadion die grässlichen Misshandlungen des Militärs schildert.

González ist als Protagonist zwar derjenige, der auf Selbstsuche geht, rückt sich selbst aber nie allzu sehr in den Vordergrund und gibt seinen Gesprächspartnern viel Raum. So kommen gegen Ende des Films auch Mitglieder der indigenen Bevölkerung Chiles, der Mapuche, zu Wort, die sonst selten Gehör finden. Sie kämpfen seit Jahren für die Rückgewinnung ihrer Gebiete und für den Stopp der dortigen Forstwirtschaft. Nicht nur diese Episode gewährt einen ersten Einblick in ein Land, das zu ergründen sich auch außerhalb der Bequemlichkeit des Fernsehsessels lohnt.

teleschau

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