Emma Stone und Jonah Hill können in der Netflix-Serie „Maniac“ (21.9.) bald nicht mehr zwischen Wahn und Wahrheit unterscheiden

Zum Verstand verlieren

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Eigentlich kennen sich Annie (Emma Stone) und Owen (Jonah Hill) nicht. Doch während einer Pharmastudie erleben die beiden in ihren Köpfen jede Menge Abenteuer gemeinsam.

Mit der ersten Staffel „True Detective“ drehte Cary Fukunaga ein Serienmeisterwerk für HBO. Kann er mit „Maniac“ Netflix den gleichen Dienst erweisen?

„Ausgefallen, anspruchsvoll, unkonventionell, absurd“: Das sind die Stichworte, unter denen Netflix seine neue Mini-Serie „Maniac“ einordnet, die am 21. September startet. Vier Adjektive, die den ambitionierten Zehnteiler tatsächlich sehr gut beschreiben. Was Cary Fukunaga („True Detective“) und Autor Patrick Somerville da inspiriert von einer gleichnamigen norwegischen Produktion auf die Bildschirme bringen, ist nicht einfach zu fassen - erst recht nicht in Worte. Futuristisch, altmodisch, witzig, traurig, opulent, minimalistisch, schrill, dezent: „Maniac“ ist alles auf einmal - und damit eine echte Herausforderung. Nicht nur für die Hauptdarsteller Emma Stone und Jonah Hill.

Elf Jahre, nachdem sich Emma Stone und Jonah Hill in der Komödie „Superbad“ küssen durften, stehen die heutige Oscarpreisträgerin („La La Land“) und der zweifache Oscaranwärter („Wolf of Wall Street“, „Moneyball“) erneut zusammen vor der Kamera. Er spielt Owen, den schizophrenen fünften Sohn wohlhabender Eltern, der immer wieder Dinge und Menschen sieht, die andere nicht sehen. Sie spielt Annie, die vorzugsweise gar nichts sieht - außer das, was ihr das ungetestete Medikament ihr vorgaukelt, nachdem sie bereits süchtig ist. Jenes Medikament, das Bestandteil einer komplizierten, gefährlichen Pharmastudie ist, für die sich die beiden Fremden aus unterschiedlichen Gründen eintragen. Die drei Pillen, die sie dort unter Aufsicht eines Forscherteams und eines Supercomputers verabreicht bekommen, sollen ihre Traumata hervorbringen und schließlich heilen. Doch die Behandlung nimmt für die Versuchskaninchen eins und neun, wie Owen und Annie fortan genannt werden, nicht den Verlauf, den sie nehmen sollte.

Von einem Szenario in das nächste werden die beiden zusammen geworfen - und mit ihnen das Publikum. Mal sind sie ein White-Trash-Ehepaar, das in einem wahnwitzigen Coup einen Lemuren vor einem Pelzhändler retten muss, mal ein entfremdetes Gangster-Pärchen, das im Jahr 1947 versucht, das verlorene letzte Kapitel von Cervantes' „Don Quijote“ zu stehlen. Es ist kein Zufall, dass der Name des wohl berühmtesten Traumtänzers der Literatur immer mal wieder auftaucht. So wie Don Quijote irgendwann Wahn und Wirklichkeit kaum noch unterscheiden konnte, verschwimmen auch in „Maniac“ die Grenzen zusehends.

Dass die Welt, in der Cary Fukunaga seine Handlung ansiedelt, unserer nur ähnlich sieht, macht es dem Publikum nicht leichter. Es ist eine Welt, in der es in New York zwar auch eine Freiheitsstatue gibt, diese aber völlig anders aussieht. In der man bezahlen kann, indem man einen „Ad Buddy“ erträgt, der einen überall hin begleitet und personalisierte Werbeanzeigen vorliest. In der Forschung betrieben wird, die für uns Zukunftsmusik zu sein scheint, aber auf Computern, die aus heutiger Sicht antik sind.

„Maniac“ ist eine Serie, die die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert. Wer hier nebenbei seine Mails checkt, verpasst Namen, die immer wieder auftauchen, dem entgehen Gesichter, die immer wieder zu sehen sind. „Maniac“ ist aber auch eine Serie, die sich diese Aufmerksamkeit durch ihre geschickte Erzählweise verdient. Man hat als Zuschauer zunächst keine Ahnung, worauf man sich hier einlässt, aber verdammt, man will es wissen. Bis zum Ende.

teleschau

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