„Ich breche gerne Tabus“

TV-Moderatorin Madita van Hülsen im Interview

+
Madita van Hülsen ist für jeden Spaß zu haben, aber sie hat auch eine äußerst professionelle Berufseinstellng: „Ich habe im Job in den letzten 15 Jahren keinen einzigen Tag krank gefehlt. Ist auch wichtig bei dieser Art von Arbeit: Wenn man gebucht ist, ein Set aufgebaut ist und zig-Leute auf einen warten, kann man nicht fehlen“, erklärt sie.

Manchmal fragt man sich, wie einer beim Fernsehen gelandet ist - in diesem Fall ist es ganz einfach: kabel eins-Moderatorin Madita van Hülsen ist empathisch, neugierig, humorvoll und hat kein Problem damit, mit der Kamera zu flirten, wie sie auch im neuen kabel eins-Format „Quiz mit Biss“ unter Beweis stellt.

Sie war Wetter-Ansagerin, hat Promis interviewt und eine Agentur für Trauerarbeit geleitet: Madita van Hülsens Vita liest sich abenteuerlich. Jetzt erfüllt sich die 38-jährige Hamburgerin einen - wieder mal Fernsehen. Bei kabel eins moderiert sie das neue Quiz „Quiz mit Biss“ (ab 2. September, montags bis freitags, 18.55 Uhr) rund ums Thema Essen. Ein Gespräch über ihre bisherige Karriere, den Wunsch nach mehr Offenheit in der Medienwelt und eine riesige Neugier auf die Lebenswege anderer Menschen.

nordbuzz: Madita van Hülsen, was gilt als giftigstes Lebensmittel der Welt?

Madita van Hülsen: (überlegt lange) Dieser eine Kugelfisch?

nordbuzz: Nein, nach Meinung vieler Experten ist es der Lachs.

van Hülsen: Wahnsinn. Schon wieder was dazugelernt. Solche Fragen stelle ich auch in „Quiz mit Biss“ - und wundere mich oft, wer so etwas weiß.

nordbuzz: Man hätten meinen können, Sie wüssten diese spezielle Antwort - da es heißt, Sie seien in ständiger Angst, sich irgendetwas einzufangen und krank zu werden. Als Hypochonder bezeichneten Sie sich sogar selbst schon.

van Hülsen: (lacht) Es stimmt, ich bin sehr vorsichtig. Ich herze und umarme Menschen sehr gerne, das ist schon mein Leben lang so. Aber seitdem ich mal ziemlich flach lag und zudem eine Bindehautentzündung hatte, frage ich vorher immer erst, ob alle gesund sind, auch am Set, wo wir oft mit 20 oder 30 Leuten zusammenarbeiten.

nordbuzz: Die Übervorsicht liegt nur an einer vergangenen Krankheitsphase?

van Hülsen: Vielleicht auch an meiner beruflichen Selbständigkeit. Ich habe im Job in den letzten 15 Jahren keinen einzigen Tag krank gefehlt. Ist auch wichtig bei dieser Art von Arbeit: Wenn man gebucht ist, ein Set aufgebaut ist und zig-Leute auf einen warten, kann man nicht fehlen.

nordbuzz: Vom Marketing übers Wetter bis zu Star-Interviews reichten ihre Tätigkeiten schon. Immer alles möglich in Ihrer Karriere, möchte man sagen - oder steckt ein konkreter Plan hinter den vielen verschiedenen Stationen?

van Hülsen: „Alles ist möglich“ finde ich schon sehr zutreffend. Oder auch: „Alles kann, nichts muss.“ Ich lebe und liebe die Vielseitigkeit. Es gibt viele, die mir sagen, ich solle mich mal auf etwas spezialisieren. Aber. Das tue ich doch eigentlich!

nordbuzz: Inwiefern?

van Hülsen: Mein Spezialgebiet sind Menschen. Ich liebe Menschen! Ich bin Raupe-Nimmersatt-mäßig fast menschensüchtig. Ich finde es unheimlich interessant, mir die Lebenswege von anderen anzuschauen, Interviews zu führen, zu erfahren, woher Leute ihr Wissen haben, wie sie privat sind, und, und, und. Ich hatte mal eine Sendung beim Lokalfernsehen: „Hafen TV“. Die hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, weil ich da vom Hausmeister über den Kapitän bis zum Bürgermeister total viele Menschen treffen konnte.

nordbuzz: Woher kommt diese große Neugier?

van Hülsen: Ich glaube, dass jeder jedem etwas beibringen kann, ganz altersunabhängig. Ich mag es, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, ob privat oder am Set, und immer offen für andere Sichtweisen bleibt. Wenn man jemandem wirklich aufmerksam zuhört, kommt es schnell mal zu einem Aha-Moment.

nordbuzz: Und wie kommen Sie mit der Neugier an Ihnen zurecht, zum Beispiel in Interviews?

van Hülsen: Darüber freue ich mich sehr! Ich war mal ein halbes Jahr in Amerika und habe dort vieles gelernt, zum Beispiel einen offenen Umgang miteinander. Es gibt dort ein freundliches Geben und Nehmen, auch in der Medienwelt wird nicht alles geheim gehalten. Will Smith zum Beispiel hat immer eine Geschichte parat, wenn er mit den Medien spricht, und sei es nur, dass seine Frau den Kindern gerade einen neuen Pool aufgebaut hat und dabei der Schlauch geplatzt ist. Ist doch toll, wenn Prominente anfassbar sind. In Deutschland stockt das ein bisschen, ich wüsste gerne mehr über manche Leute (lacht).

Von Trauer und Träumen

nordbuzz: Sie hingegen geben gerne Persönliches preis. Unter anderem sah man sie zuletzt in Unterwäsche neben ihrer Mutter auf Instagram.

van Hülsen: Genau (lacht). Was bei mir vielleicht anders ist, als bei anderen: Ich versuche, die Peinlichkeiten vorweg zu nehmen. Es gibt viele Dinge, von denen ich weiß, dass sie mir unangenehm sind, wenn ich sie anderen erzähle, ob Ernstes oder Lustiges. Aber ich weiß auch, dass je ehrlicher ich bin und je mehr Tabus ich breche, um so mehr bekomme ich auch zurück. Außerdem breche ich gerne Tabus (lacht).

nordbuzz: Welche zum Beispiel?

van Hülsen: Zusammen mit einer Kollegin habe ich fünf Jahre lang eine Agentur für Trauerberatung namens „Vergiss Mein Nie“ geleitet (bis vor einem Jahr; d. Red.). Trauer ist in der Gesellschaft ja nach wie vor ein sehr stiefmütterlich behandeltes Thema. Wir haben gemerkt: Wenn man anfängt, sich zu öffnen und darüber zu sprechen, kommen viele auf einen zu, die sich zuvor nicht getraut haben, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

nordbuzz: Wie genau haben Sie Trauerarbeit betrieben?

van Hülsen: Trauerarbeit und Trauer allgemein kennen keinen Alltag - weil jeder mit Trauer anders umgeht. Was aber meistens passierte, wenn jemand zu uns kam, war die Äußerung des Wunsches, irgendwie die Trauer nach dem Verlust eines lieben Menschen zu verlieren: „“acht irgendwie die Trauer weg!" Aber: Trauer kann man nicht einfach wegmachen, man kann sie verändern, wenn man gemeinsam daran arbeitet. Trauer ist wie ein dunkler Freund, der einen begleitet und der kleiner werden kann, aber niemals weggeht.

nordbuzz: Haben Sie hauptsächlich Gespräche geführt?

van Hülsen: Jein. Wir haben auch Erinnerungsstücke erschaffen. Menschen kamen zu uns mit persönlichen Dingen wie Fotos und Klamotten, und daraus haben wir versucht, etwas Neues entstehen zu lassen. Zum Beispiel haben wir mal aus dem Pullover einer verstorbenen Mutter einen Schal für die Tochter gestrickt.

nordbuzz: Vielleicht war „Vergiss Mein Nie“ auch ein Ausgleich für Sie - neben der oft als oberflächlich verschrienen Medienwelt.

van Hülsen: Ja, absolut. Diese Arbeit hat mich sehr geerdet. Kennt ja jeder: Wenn in der Familie oder einem selbst etwas Schlimmes passiert, spürt man, was wirklich wichtig ist im Leben. Und wenn man sich wie wir jeden Tag mit den Themen Tod und Sterben auseinandersetzt, merkt man auch, was die Medienarbeit bedeutet.

nordbuzz: Nämlich?

van Hülsen: Medienarbeit ist wichtig und schön, aber: Wir operieren als Medienmenschen auch nicht am offenen Herzen.

nordbuzz: Welchen Stellenwert hat denn ihr aktuelles Engagement bei „Quiz mit Biss“ für Sie?

van Hülsen: Für mich ist „Quiz mit Biss“ ein riesiger Traum, der in Erfüllung geht. Ich bin groß geworden mit Quiz-Sendungen wie „Familienduell“ und „Ruck Zuck“. Diese Shows haben mich sehr geprägt, und dass ich jetzt selbst so etwas moderieren darf, ist wirklich wie Konfetti im Herzen. Ich fühle mich davon selbst so gut unterhalten, dass ich mir sogar vorstellen könnte, damit alt zu werden. Ich mag auch den Kontakt zu den Kandidaten sehr.

nordbuzz: Schon vor einer Sendung?

van Hülsen: Ja, ich esse gerne schon mit ihnen zu Mittag und sage ihnen immer: „Ich weiß, ihr wollt gewinnen und 4.000 Euro mit nach Hause nehmen. Aber was noch wichtiger ist als das, ist dass wir eine Stunde richtig Spaß zusammen haben.“

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare