„ZDFzoom: Karte oder Cash - Schafft Corona das Bargeld ab?“

TV-Doku fragt: Wie gefährlich ist eine Zukunft ohne Bargeld?

Schützt Kartenzahlung wirklich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus? "ZDFzoom" geht dieser Frage auf den Grund.
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Schützt Kartenzahlung wirklich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus? „ZDFzoom“ geht dieser Frage auf den Grund.

Seit der Corona-Krise bezahlen immer mehr Menschen ihre Einkäufe mit der Karte. Doch schützt das kontaktlose Zahlen wirklich vor Infektionen? Und welchen Preis hinsichtlich des Datenschutzes müssen Verbraucher dafür zahlen? „ZDFzoom“ lotet das Thema aus.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit Beginn der Corona-Krise zahlen einer aktuellen Umfrage zufolge 26 Prozent der Deutschen mehr mit Karte als vorher. 54 Prozent wollen das Online-Banking stärker nutzen. Die Tendenz scheint ohnehin klar: Manche Banken haben schon jetzt keine Filialen und keine Geldautomaten mehr. Doch welche Risiken birgt der neue Trend? Und gibt es überhaupt schon ausreichend Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen? In der Reportage „ZDFzoom: Karte oder Cash - Schafft Corona das Bargeld ab?“ möchte Kersten Schüßler diesen Fragen auf den Grund gehen. Das ZDF zeigt den Film am heutigen Mittwoch, 5. August, um 22.45 Uhr.

Die Reise beginnt in Schweden. Hier ist Bargeld schon längst eine Seltenheit. Ob am Kiosk, beim Bäcker oder auf dem Markt: Überall werden nur noch Karten akzeptiert oder alternativ der Handy-Bezahldienst „Swish“. Dieser, so erklärt die Reportage, überweise die Summe nach Eingabe einer Nummer oder Scan eines QR-Codes automatisch an den Händler. Klingt praktisch, ist aber auch tückisch, denn die schwedischen Zahlungsabwickler bekommen nahezu alles vom Geldverkehr mit. Der Vorteil wiederum: Auch Eltern können die Ausgaben ihrer Kinder digital steuern und kontrollieren.

Das Infektionsrisiko über Bargeld ist gering

In anderen Ländern ist es noch drastischer: „Südkorea und China haben Quarantäne für Banknoten verordnet und sogar Banknoten zerstört“, erklärt die Havard-Professorin Marion Labouré im Film. Im Auftrag der Deutschen Bank hat sie eine Studie zum Bargeldgebrauch in Deutschland erstellt. Das Ergebnis: Obwohl immer mehr Menschen mit Karte bezahlen, steigt auch die Menge des zirkulierenden Bargelds. Denn dieses wird als sichere Aufbewahrung gesehen.

Die Gefahr einer möglichen Corona-Infektion über Bargeld ist jedoch gering. Grund dafür sei die besondere Beschichtung der Fünf- und Zehn-Euro-Scheine, wie Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, erklärt. Dass die Abschaffung des Bargelds der entscheidende Schlag gegen Schattenwirtschaft und Korruption sei, bezweifelt er. Die Professorin für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, Sarah Spiekermann, sieht bargeldlose Bezahlung aus anderen Gründen kritisch: Es sei allgemein bekannt, dass Kreditkartenunternehmen Daten an Dritte weitergeben. Im Normalfall spreche man dabei von 30.000 bis 40.000 Daten pro Person.

Die Gefahren beim Datenschutz

Noch problematischer sind Systeme wie das chinesische „Smile to pay“ („Lächle, um zu zahlen“): Per Gesichtsscan bekämen Kunden dadurch Zutritt zu Geschäften. Zusätzliche könnte Künstliche Intelligenz aber auch die Gefühlslage oder die soziale Einbindung der Kunden bestimmen. Und dennoch möchte Spiekermann das Bargeld nicht nur aus Datenschutzgründen behalten. Vielmehr sieht sie eine „absolute Sicherheitsgefahr“, falls der Strom oder die IT ausfallen.

Und dennoch: Bargeldloses Bezahlen ist weiterhin auch hierzulande auf dem Vormarsch. Das zeigt der Erfolg von rein digitalen Banken wie „N26“, die sich auf Kontenführung via Smartphone spezialisieren oder von Konzepten wie „Barzahlen.de“, wo man eine Mischform anbietet. Sebastian Seifert, Mitgründer von „Barzahlen.de“: „Wenn ich mir eine Welt überlege, in der es kein Bargeld mehr gibt, bin ich als Europa, als Deutschland abhängig von zwei großen amerikanischen Kreditkartenfirmen, die unseren gesamten Zahlungsverkehr kontrollieren. Möchte ich das?“ Seine Kunden bekämen stattdessen für jede Transaktion einen einmaligen Barcode aufs Handy, der an der Kasse gescannt wird. Eine Datenerfassung oder -weitergabe gibt es nicht.

Sieht so also die Zukunft unseres Zahlverkehrs aus? Oder bleiben wir am Ende doch beim guten alten Bargeld? Die schwedische Initiative „Kontantupprorer“ (Bargeld-Aufstand) setzt sich genau dafür ein. Mit Erfolg: Ab 2021 wolle Schweden Banken verpflichten, wieder mehr Bargeld vorzuhalten, heißt es am Ende.

teleschau

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