Tschechische Krimiserie „Wasteland“

True Detective im Ostblock

Für Fans von „The Killing“ und osteuropäischen Einöden: Die achtteilige tschechische Krimiserie „Wasteland - Verlorenes Land“ beschreibt die Suche nach einer vermissten 14-Jährigen in einer Gemeinde, die dem Tagebau geopfert werden soll (Szene mit Zuzana Stivínová und Jaroslav Du?ek).
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Für Fans von „The Killing“ und osteuropäischen Einöden: Die achtteilige tschechische Krimiserie „Wasteland - Verlorenes Land“ beschreibt die Suche nach einer vermissten 14-Jährigen in einer Gemeinde, die dem Tagebau geopfert werden soll (Szene mit Zuzana Stivínová und Jaroslav Du?ek).

Pan Tau und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ waren gestern: Heute werden auch im Tschechischen düstere Krimiserien über vermisste Teenager gedreht. Das achtteilige HBO Europe-Stück „Wasteland“ läuft exklusiv beim Streamingdienst Magenta TV.

Es ist schon eine verführerische Mischung, dieses Ambiente aus archaischen, irgendwie abgehängten Landstrichen samt tieftraurigen Bewohnern - und dazu ein verzwickter Kriminalfall. Was in Staffel eins und drei der famosen HBO-Serie „True Detective“ mit dem White Trash-Publikum der amerikanischen Südstaaten funktionierte, klappt stimmungsmäßig nun auch in Tschechien. HBO Europe produzierte die achtteilige Krimiserie „Wasteland - Verlorenes Land“, die in Deutschland ab Donnerstag, 5. Dezember, beim Streamingdienst Magenta TV zum Abruf bereitsteht.

Erzählt wird vom Städtchen Pustina, das - im Grenzland zu Polen gelegen - bessere Zeiten gesehen hat. Nun sind alle Fabriken dicht, für die letzten Bewohner gibt kaum noch Arbeit. Die verführerischsten Lebensangebote hier sind: Allohol, Sex und für die jungen Leute Stockcar-Rennen. Dazu ein Totalausverkauf der Heimat an ein Energieunternehmen, das den gesamten Landstrich dem Kohle-Tagebau opfern möchte.

Eines Tages verschwindet die 14-jährige Tochter der Erzieherin und ehrenamtlichen Bürgermeisterin Hana Sikorová (Zuzana Stivínová). Hana ist eine der letzten in Pustina, die sich gegen das Verschwinden ihrer Heimat wehren. Ihr Aktivismus wird von vielen, die lieber das Geld des Konzerns als die alten Bruchbuden ihrer Elternhäuser behalten wollen, nicht gern gesehen. Hana hat noch eine ältere Tochter sowie einen Ex-Ehemann (Jaroslav Du?ek), der wegen seiner bipolaren Störung von der Familie getrennt lebt.

Um weitere Tatverdächtige und noch ein wenig mehr Tristesse ins Pay TV-Bild zu rücken, existiert in Pustina auch ein Erziehungsheim, in dem „schwierige“ Jugendliche leben. Sollte Hanas Tochter einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein? Als Täter kommen viele Bewohner dieses tatsächlich sehr stimmungsvoll fotografierten „Wastelands“ infrage: Wollte die nimmersatte Industrie Hanas Leben zerstören, waren es die geldgierigen Mitbürger? Wollten sie, dass die Kämpferin endlich aufgibt? Oder handelt es sich um die Lust- oder Verzweiflungstat eines Einzelnen?

Magenta TV als Trüffelschwein für europäische Serien

Drehbuchautor ?t?pán Hulík, dem HBO Europe diese Geschichte mit viel ländlichem Kolorit des ehemaligen Ostblocks abgekauft hat, wurde zuvor durch die preisgekrönte Serie „Burning Bush -Die Helden von Prag“ bekannt. Die 46-jährige Hauptdarstellerin Zuzana Stivínová spielte auch schon international, zum Beispiel im fünften Teil der Filmreihe „Underworld“ oder der Biopic-Serie „Genius“ (Episode „Einstein“).

Offenbar ist es beim Streaminganbieter Magenta TV Politik, einen Schwerpunkt auf interessante europäische Serien aus bisher eher unentdeckten Filmländern zu legen. So bietet das Serienangebot des ehemaligen Telefonkonzerns auch Fiction-Produkte aus Italien „Il Cacciatore - The Hunter“, „Gigantes“ aus Spanien, „Banking District“ aus der Schweiz oder „Fenix“ aus den Niederlanden. „Wasteland“ dürfte sich an all jene wenden, denen Krimiserien wie „The Killing“ , „The Missing“ oder eben auch „True Detective“ gefallen. Menschen, die sich von viel Tristesse rund um suchende und ermittelnde Charaktere nicht abschrecken, sondern eher wie von einem guten Blues-Song anregen lassen. Wer so tickt, ist bei „Wasteland“ richtig. Und ein bisschen melancholisch - das konnten die Tschechen schon immer besonders gut. Früher mit einem sanft-traurigen Pan Tau-Lächeln, heute mit dem Schmerz einer Mutter, deren Leben unter ihren Füßen weggegraben wird.

teleschau

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