Der Kauz mit der Kröte

Trauer um „Catweazle“-Darsteller: Geoffrey Bayldon ist tot

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Baden? - War nicht so sein Ding: Catweazle knallte aus dem Jahr 1066 in die 1970er-Jahre.

Er war ein Held aus der Kindheit der heutigen Generation Ü-40: „Catweazle“-Darsteller Geoffrey Bayldon ist tot.

Sein Name wird heute nur noch eingefleischten Fans etwas sagen. Doch sie wissen: Schauspieler Geoffrey Bayldon hat eine Figur für die Ewigkeit erschaffen: Jetzt ist der 1924 in Leeds geborene Charakterdarsteller verstorben. Seine bekannteste Rolle war die des mittelalterlichen Zauberers „Catweazle“ in der gleichnamigen Comedyserie, die in den früheren 70er-Jahren die Menschen in aller Welt zum Lachen brachte.

Die Älteren werden sich an den verschrobenen Kauz bestimmt noch erinnern: „Elektrik-Trick!“, staunte der in eine kartoffelsackartige Kutte gehüllte Catweazle stets im Angesicht hochmoderner Technik - also etwa dann, wenn eine Glühbirne leuchtete, ein Telefon klingelte oder ein Toaster Brot röstete ... Magie, so vermutete Catweazle, der, warum auch immer, aus dem 11. Jahrhundert in die Neuzeit gebeamt worden war. Zusammen mit seiner Kröte Kühlwalda macht er es sich in einem alten Wasserturm gemütlich, um 26 Folgen lang mit Hilfe von Harold, Sohn eines ortsansässigen Lords, unentdeckt zu bleiben und den modernen Zeiten mit all ihren Unannehmlichkeiten zu trotzen ...

Als die beiden bis in die 80er-Jahre immer wieder ausgestrahlten „Catweazle“-Staffeln vor etwa einem Jahrzehnt auf DVD veröffentlicht wurden, offenbarte sich erst die ganze zeitloser Genialität dieser Story, die der blinden Fortschrittsgläubigkeit mit durchaus feinsinniger Kritik begegnete. Geoffrey Bayldon strahlte in der Rolle seines Leben jedenfalls auch mehr als 30 Jahre nach seiner Bildschirmgeburt eine Faszination aus, die sich aus Unbeholfenheit, Naivität und Neugier zusammensetzt. Seine uralter Zauberformel wurde damals von Millionen Kindern nachgesprochen: „Salmei, Dalmei, Adomei.“ Seine Botschaft hält bis heute: Köpfchen, Charakter und Herz zählen im Leben bestimmt nicht weniger als aller Hightech dieser Welt.

Das einfach gestrickte Grundgerüst taugt noch immer gleichermaßen für Erwachsene, die sich ja bisweilen selbst mit den Tücken der Zivilisation herumschlagen müssen, und für Kinder, denen auf schrullig-komische Art die Welt erklärt wird. Zum Beispiel wie Plattenspieler funktionieren, oder wo der Strom herkommt. Heute lohnt es sich definitiv, die alten Folgen noch einmal, zum Beispiel auf dem Tablet oder Smartphone, anzusehen. Catweazle käme im Angesicht eines solchen Wunders wohl nicht einmal mehr dazu, „Elektrik-Trick“ zu rufen. Er würde direkt aus seinen durchgelatschten Strohsandalen kippen.

Der in Leeds/Yorkshire geborene Schauspieler verstarb bereits am Mittwoch im Alter von 93 Jahren, wie die BBC und weitere Medien in der Nacht zum Freitag berichteten.

tsch

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