Clark Gregg

Totgeglaubte leben länger

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Doch nicht tot, zum Glück: Agent Coulson (Clark Gregg) leitet eine Einsatzgruppe der Regierungsbehörde S.H.I.E.L.D.

Er spielt den vielleicht sympathischsten Geheimagenten der Filmgeschichte: Clark Gregg (53) steht in der TV-Serie "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." plötzlich im Mittelpunkt. Dabei war seine Figur Agent Coulson im Marvel-Universum schon tot ...

Eine wundersame Auferstehung? Nicht doch! Im fantastischen Marvel-Universum der Superhelden ist die Rückkehr von vermeintlich Toten die kleinste anzunehmende Unmöglichkeit. Gut für den US-Schauspieler Clark Gregg (53): Als Agent Coulson unterstützte er in diversen Kinofilmen Captain America, Iron Man und Thor, bevor er im ersten "Avengers"-Film einen heldenhaften Filmtod starb. Sein Ausflug ins Jenseits sollte nicht von Dauer sein: In der US-Serie "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.", deren zweite Staffel am Dienstag, 10. Mai, 21.55 Uhr, als Free-TV-Premiere bei RTL II anläuft, ist Coulson putzmunter und mehr als nur der Steigbügelhalter für die Superhelden. Für den Nebenrollen-Titanen Clark Gregg ist das Rampenlicht eine ungewohnte Herausforderung, wie der Ehemann von "Dirty Dancing"-Star Jennifer Grey in entspannter Interview-Atmosphäre in London erzählt.

teleschau: Herzlichen Glückwunsch: Nachdem Sie jahrelang im Schatten der Superhelden standen, haben Sie nun eine eigene TV-Serie. Wie fühlt es sich an, im Mittelpunkt zu stehen?

Clark Gregg: Ich habe herausgefunden, dass Superhelden ziemlich hart arbeiten müssen. In ihrem Schatten war das Arbeitsleben recht bequem: Ich musste nicht für die ganzen Kampfszenen und Spezialeffekte am Set bleiben.

teleschau: Wie fanden Sie die Entscheidung, dass Ihre Figur Agent Coulson im ersten "Avengers"-Film sterben musste?

Gregg: Als ich zum ersten Mal hörte, dass es passieren wird, war ich nicht allzu glücklich. Dann las ich das Drehbuch und fand es ziemlich großartig. Nicht zuletzt, weil es der Tod Coulsons war, der aus den zankenden Einzelkämpfern eine Einheit machte. Zumindest wurde mir mein Abgang damit schmackhaft gemacht: Coulson wäre ein Held, nur durch seinen Tod könnten die Avengers zusammenfinden.

teleschau: Also hegen Sie keinen Groll mehr?

Gregg: Im Gegenteil. Die Idee gefiel mir recht schnell ganz gut. Es war ein würdiger Abschied - und nicht für immer. Als Joss (Whedon, Serienschöpfer, d. Red.) anrief, und mir sagte, dass es eine Möglichkeit gibt, Coulson von den Toten zurückzuholen, war ich natürlich begeistert. Auch wenn es ziemlich düster ist und Agent Coulson nicht mehr der Gleiche ist. Es hat etwas Mythologisches, wenn man den Fluss Styx überquert und zurückkommt.

teleschau: Vermissen Sie ihre Superhelden-Kumpel gar nicht? Sie könnten durch die Tahiti-Technologie ja auch im Kino ein Comeback feiern ...

Gregg: Ich konzentriere mich auf Marvels TV-Universum: Vor allem mit dem Start der zweiten Staffel hat "Agents of S.H.I.E.L.D." deutlich Fahrt aufgenommen und ist ziemlich aufregend geworden. Wenn es irgendwann im Kino eine Wiederauferstehung geben sollte, wäre mir das aber auch recht. Und: Hin und wieder taucht ja jemand von der alten Gang in der Serie auf ...

teleschau: Agent Coulson kümmert sich um die Probleme einer fiktiven Welt: Wie stark basieren diese auf dem, was in der echten Welt passiert?

Gregg: Das Gute an einer Comicverfilmung ist, dass wir Probleme und Wahrheiten zeigen können, mit denen sich in der Realität eigentlich niemand beschäftigen will. Aber weil unsere Show zunächst einmal Unterhaltung ist, schlucken die Leute die bitteren Pillen. Die Zuschauer werden in der echten Welt abgeholt und können sich in einer Fantasiewelt mit ihren Problemen beschäftigen, ohne dass sie durchdrehen. Genau das ist das Erfolgsgeheimnis der Superhelden-Filme: Sie verpacken aktuelle Missstände in unterhaltsame Metaphern. Wir werden also in der Show nicht gegen den Islamischen Staat kämpfen, aber ... Wissen Sie, was ich meine?

teleschau: Manchmal muss man sich fragen, ob die Probleme zuerst in der echten Welt oder als eine Art Prophezeiung im Marvel-Universum da sind.

Gregg: Witzig, dass Sie das ansprechen. Ich weiß es selber nicht so richtig. Irgendwie scheint es ein Hin und Her zu sein. Als wir mit den Dreharbeiten der Serie begannen, hat Edward Snowden der Welt gerade gezeigt, was die Geheimdienste wirklich tun. Und wir haben S.H.I.E.L.D. als Organisation gezeigt, die sich in die Handys der Leute einhackt, um sie zu überwachen. Als S.H.I.E.L.D. am Ende von "Captain America - The Return Of The First Avenger" zerschlagen wurde, war das irgendwie auch eine Art Erleichterung.

teleschau: Agent Coulson ist der bodenständigste und sympathischste Geheimagent der Welt: Was ist sein Geheimnis?

Gregg: (lacht) Naja! Danke für die Blumen. Aber Coulson macht auch Dinge, die überhaupt nicht sympathisch sind. Zum Beispiel, als er in "Thor" die ganze wissenschaftliche Ausrüstung von Natalie Portmans Figur konfisziert. Auch wenn Agent Coulson bisweilen die falschen Entscheidungen trifft, tut er das immer aus den richtigen Gründen. Aber die Leute verzeihen ihm immer wieder, weil er so normal ist, so menschlich und so fehlbar. In einer Welt voller Superhelden braucht man jemanden wie ihn, einen Alltagshelden, der einfach nur ein normaler Mensch ist.

teleschau: Das hört sich fast wie eine Liebeserklärung an und auf jeden Fall so, als würden Sie selbst auf keinen Fall Superkräfte besitzen wollen.

Gregg: Ganz ehrlich: Es gibt Tage, an denen ich mir nichts sehnlicher wünsche als Superkräfte. Nicht nur in der Serie, wo ich eine Menge einstecken muss. Ich würde zum Beispiel gerne telepathische Fähigkeiten besitzen und die wahren Absichten der Menschen lesen können.

teleschau: Haben Sie selbst viele Comicbücher gelesen?

Gregg: Es gab eine Zeit, in der ich mich ganz schön in den Comicwelten verlor und sogar Skizzen für eigene Szenen in meine Notizbücher malte. Aber nicht so stark, wie einige meiner Freunde, die sich darin fast schon zweites Leben eingerichtet hatten.

teleschau: Wie sehr hat sich die Wahrnehmung von Comics und Superhelden im Laufe der Zeit verändert?

Gregg: Als ich aufwuchs, schauten viele Leute ein bisschen verächtlich auf Comics herab. Das hat sich definitiv geändert, auch weil die Geschichten heutzutage über eine ganze Palette von Medien erzählt werden und dadurch ein viel breiteres Publikum erreichen. Leute, die wie ich mit Comics aufwuchsen, finden ihre Helden im Kino wieder. Andere wiederum kommen über das Kino überhaupt erst in Kontakt mit Comics. Natürlich gibt es in meiner Heimat Leute, die der Comickultur im Kino sehr ablehnend gegenüberstehen und denken, die ganzen Spezialeffektfilme sind der Untergang der Kinokultur. Ich sehe das anders: Es steckt viel mehr in den Filmen, als an der Oberfläche explodiert. Sie sind eine gute Gelegenheit, interessante Geschichten massentauglich zu erzählen - und sie sind der Realität viel mehr verbunden, als die Pessimisten zugeben wollen. Was in Staffel zwei passieren wird, steht heute in den Schlagzeilen!

teleschau: Liest Ihre 13-jährige Tochter Comics?

Gregg: Nein. Sie hat sich sogar eine ganze Weile geweigert, sich die Filme mit mir anzusehen. Ich habe sie dann aber zu ihrem Glück "gezwungen" und ihr "Thor" und die "Avengers" gezeigt. Sie war eben jung und eher an Prinzessinnen als an Superhelden interessiert. Jetzt schaut sie sich sogar die Serie an. Das Gute ist: Sie sieht in den Figuren Vorbilder. Jedenfalls sind ihre Mathe-Noten viel besser geworden. Anderseits hat sie immer auch ein bisschen Angst um mich, vor allem weil die Serie in der zweiten Staffel merklich düsterer geworden ist: Aber ich schaue mir die Folgen mit ihr zusammen an, damit sie weiß, dass mir nichts passiert.

teleschau: Bekommen Sie dann auch Kritik von Ihrer Tochter?

Gregg: Lassen Sie mich nachdenken: Sie kritisiert mich im wahren Leben recht häufig. Aber bei meiner Arbeit hält sie sich zurück. Noch.

teleschau: Sieht Sie ihren Vater denn häufig genug?

Gregg: Es ist besser geworden. Die erste Staffel war noch ziemlich hart. Danach wurden einige zusätzliche Figuren eingeführt, und das machte einen großen Unterschied in Sachen Arbeitsaufwand für mich aus. Früher war ich täglich am Set, jetzt habe ich auch mal den einen oder anderen drehfreien Tag. Da wir in Los Angeles unweit meines Hauses drehen, habe ich genug Zeit für mein Familienleben.

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