Carol

Törichte Herzen

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Die erste Begegnung zwischen Carol (Cate Blanchett, rechts) und Therese (Rooney Mara) im Kaufhaus: Es knistert!

Todd Haynes inszeniert mit "Carol" einen Gefühlsfilm jenseits des Kitsches mit zwei wunderbaren Hauptdarstellerinnen als Liebespaar.

Wenn Blicke und Gesten die Dialoge ersetzen, dann können Schauspieler wie hier die beiden Hauptdarstellerinnen ihre Kunst erst richtig zeigen. "Carol" (2015) heißt der Film von Todd Haynes, der sich um etwas im Amerika der 50er-Jahre Unaussprechliches dreht: die Liebe zwischen zwei Frauen, die es eigentlich nicht geben darf. Und die auch Carol (Cate Blanchett) und Therese (Rooney Mara) so unbegreiflich scheint, dass sie zunächst keine Worte dafür finden. Erst nach fast zwei Stunden wird er endlich gehaucht, der Satz: "Ich liebe Dich". Nun erscheint der sechsfach oscarnominierte, aber am Ende leer ausgegangene Film auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Was wäre wenn - diese Frage stellte sich 1948 eine noch unbekannte amerikanische Autorin in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses in Manhattan. Die Verkäuferin Patricia Highsmith jobbte dort, als es zu einer bedeutsamen Begegnung kam: Eine elegante Dame im Nerzmantel kauft eine Puppe und macht einen solchen Eindruck auf die junge Frau, dass sie Jahre später sagte, sie habe damals kurz vor einer Ohnmacht gestanden. In ihrem 1952 unter Pseudonym veröffentlichten Roman "Salz und sein Preis", auf dem Todd Haynes' Film beruht, träumt sie von einem Wiedersehen mit der Frau, das in Wirklichkeit nie stattfand.

Die Erscheinung heißt Carol und gehört zur besseren Gesellschaft New Yorks. Im Augenblick des Zusammentreffens im Kaufhaus befindet sie sich in einer schwierigen Phase. Sie will die Scheidung von ihrem Mann Harge (Kyle Chandler) und damit die Befreiung aus einer Ehe, die sie nicht erfüllt. Doch dann trifft sie Therese (Rooney Mara), und es knistert zwischen ihnen. Dieses unausgesprochene Etwas, das zumindest die unerfahrene Therese nicht einordnen kann, kostet Regisseur Todd Haynes genüsslich aus.

Therese mag zwar rund 20 Jahre jünger sein, doch ihr Einsatz in diesem Spiel der Gefühle ist lange nicht so hoch wie der von Carol. Denn deren Ehemann will seine Gattin so leicht nicht aufgeben. Und er hat ein As im Ärmel: die gemeinsame Tochter.

Independent-Regisseur Haynes ("Velvet Goldmine", "Dem Himmel so fern", "I'm Not There") hinterfragt in seinen Filmen immer wieder etablierte Ansichten von Identität und Sexualität. Mit "Carol" hat er ein Drama inszeniert, das sich rein optisch perfekt in die Geschichte der großen Hollywoodfilme der 50er-Jahre einreihen könnte - inhaltlich wäre es jedoch undenkbar gewesen. Haynes' größter Trumpf bei dieser wunderbaren Verfilmung sind die Darstellerinnen. Das Duo setzt Maßstäbe. Blanchett brilliert in ihrer Paraderolle, doch Mara lässt sich keineswegs von ihr an die Wand spielen. Das sorgt für Ausgewogenheit und hält die Geschichte über die Entdeckung und den Umgang mit den eigenen Gefühlen bis zum Ende spannend.

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