„Himmelstal“

Tiefe Schluchten, finstere Abgründe: Nach dieser Serie ist man reif fürs Sanatorium

Josefin Asplund weiß in ihrer Doppelrolle in "Himmelstal" sowohl als gute, als auch als böse Zwillingsschwester zu überzeugen.
+
Josefin Asplund weiß in ihrer Doppelrolle in „Himmelstal“ sowohl als gute, als auch als böse Zwillingsschwester zu überzeugen.

Im malerischen Südtirol gehen in einem Sanatorium düstere Dinge vor sich. Die düstere Psycho-Serie mit „Vikings“-Star Josefin Asplund, die eine Doppelrolle als Zwilling übernimmt, hat es in sich.

„Unser eigenes Stückchen Himmel“ - so nennt die Betreuerin ihren Arbeitsplatz. Und rein optisch macht das Sanatorium „Himmelstal“, nach dem die achtteilige schwedische Thriller-Serie (ab Sonntag, 19. Juli, 20.15 Uhr, TNT Serie) benannt ist, auch eine ganze Menge her. Die malerische Landschaft Südtirols bildet jedoch nur eine hübsche Kulisse für die tiefen Abgründe der Literatur-Adaption, mit denen nicht einmal die finstersten Schluchten der Alpen mithalten können. Mittendrin: Eine stark aufspielende Josefin Asplund („Verblendung“, „Vikings“) in einer Doppelrolle als vermeintlich gute und böse Zwillingsschwester.

Die eineiigen Zwillinge Helena und Siri (jeweils Josefin Asplund) haben schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr. Dann erreicht Helena eine Nachricht aus der Region des italienischen Trentino. Siri sagt, sie befände sich in einem Sanatorium in Südtirol, und sie würde sich sehr freuen, wenn ihre Schwester sie besuchen kommen würde. In der Hoffnung auf die große Versöhnung reist Helena ins sogenannte Himmelstal. Schnell merkt sie, dass ihre psychopathische Schwester sie aus einem ganz bestimmten Grund hergelockt hat - um für 24 Stunden die Rollen zu tauschen. Als Helena den Vorschlag ablehnt, sorgt Siri selbst für die Verwechslung und ergreift die Flucht. Helena bleibt also im Sanatorium zurück, wo jeder sie für ihre Zwillingsschwester hält.

Ein cleverer Schachzug im Drehbuch sorgt für eine tatsächlich glaubwürdige Verwechslung, die „Himmelstal“ fundamental von unzähligen Zwillings-Verwechslungs-Geschichten unterscheidet. Während man sich üblicherweise fragt, wieso das Umfeld so unglaublich naiv und blind agiert, macht die Ahnungslosigkeit in dieser Geschichte völlig Sinn. Denn natürlich hätte die echte Siri auch innerhalb des Sanatoriums ein Motiv, sich als Helena auszugeben, um unter diesem Vorwand in die Freiheit zu fliehen. Und ihre behandelnden Ärzte halten die Psychopathin einerseits für gerissen genug, ein Spielchen mit ihnen zu spielen, andererseits für krank genug, ihre Schwester unabsichtlich zu imitieren. Egal, wie sich Helena also verhält, die Psychologen haben eine Erklärung für „Siris“ Verhalten.

Nicht alles ist auf Anhieb logisch

Selbst für eine bewusst nebulöse Geschichte startet die Serie etwas diffus, nicht alles ist auf den ersten Blick nachvollziehbar oder gar logisch. Der Nebel löst sich nur äußerst langsam - dies gilt sowohl für Helena, die nach und nach herausfindet, in welchen Schwierigkeiten Siri steckt, als auch für den Zuschauer. Nach und nach gewinnt das Geschehen jedoch nicht nur an Kontur, sondern auch zunehmend an Spannung.

Dafür sorgen unter anderem die zunächst völlig undurchsichtigen Patienten - beispielsweise die dauerqualmende alte Nachbarin (Barbara Marten) und der unheimliche Koloss Ray (Felix Garcia Guyer). Das Bedrohungsszenario entsteht in erster Linie dadurch, dass Helena überhaupt keine Ahnung hat, in welcher Beziehung Siri zu den anderen Patienten stand, die wiederum aber natürlich erwarten, dass sie sich genau wie ihre Schwester verhält. Den Reiz der Serie macht also Helenas Zwiespalt aus, einerseits ihre wahre Identität zu beweisen und andererseits in ihrer zugeschriebenen Rolle als Siri zu überleben.

„Wir blicken hier in den Abgrund, und der Abgrund blickt uns auch an“, beschreibt Chefarzt Dr. Fisher (Matthew Modine) die Arbeit mit den psychisch Kranken. Dass dieser Abgrund nicht auf die Patienten beschränkt ist, weiß man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Möglicherweise verbindet man den Standort Südtirol eher weniger mit ernsten, düsteren Serien - „Himmelstal“ zeigt jedoch, wie schnell die Wucht der schönen Natur auch bedrückend wirken kann. Diesen Effekt machte sich kürzlich auch Netflix zunutze, welches das nördliche Italien ebenfalls als Drehort, jenseits von Heimatkitsch, entdeckte: für die übernatürliche Drama-Serie „Curon“.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare