Der Mann, der sich McDonald's nahm

„The Founder“ auf DVD: Nicht nur die McDonald‘s- sondern auch eine Gauner-Geschichte

+
Stadt um Stadt, Bundesstaat um Bundesstaat weitet Ray (Michael Keaton) sein „McDonald's-Land“ aus.

Die Geschichte von McDonald's ist nicht nur eine internationale Erfolgsstory, sondern auch eine fesselnde Gaunergeschichte.

McDonald's ist überall. In 120 Ländern, von Argentinien bis Zypern, kann man darauf vertrauen, dass sich irgendwo ein Big Mac, Pommes und Cola auftreiben lassen. Mit 25,4 Mililarden US-Dollar Umsatz im Jahr und rund 420.000 Mitarbeitern ist die Fast-Food-Kette eine wirtschaftliche Weltmacht. Verantwortlich dafür ist im Wesentlichen ein Mann: Ray Kroc, Sohn böhmischer Einwanderer, ehemaliger Milkshake-Mixer-Vertreter, Visionär, Stratege, gewiefter Geschäftsmann - und Hauptfigur in John Lee Hancocks Drama „The Founder“ (2016).

Der Mittlere Westen ist Anfang der 50er-Jahre kein gutes Pflaster für Milkshake-Mixer-Vertreter. Umso größer ist Krocs Überraschung, als ein kleines Lokal im kalifornischen San Bernardino sage und schreibe acht seiner Mixer ordert. Das muss er mit eigenen Augen sehen - und bekommt sie nach stundenlanger Fahrt vor Staunen kaum wieder zu.

Wie, das Essen kommt sofort nach der Bestellung? Wie ist das möglich? Man braucht keine Teller und kein Besteck? Man kann essen, wo man will? Nicht nur Ray wird augenblicklich klar, dass „McDonald's Bar-B-Q“ etwas ganz Außergewöhnliches ist. Auch das Publikum, das das System McDonald's seit Jahrzehnten kennt und womöglich belächelt oder gar verachtet, versteht dank Regisseur John Lee Hancocks Hinführung sehr gut, wie revolutionär es damals gewesen sein muss.

Ray will Teil dieser Idee sein, koste es, was es wolle. Und so getrieben, wie Michael Keaton ihn spielt, kann man ihn sogar verstehen. Tatsächlich gelingt es Kroc, die skeptischen Erfinder-Brüder Dick (Nick Offerman) und Mac McDonald (John Carroll Lynch) davon zu überzeugen, aus ihrem Familienunternehmen ein Franchise-Unternehmen zu machen. Ein penibler Vertrag wird aufgesetzt, der den Gründern Mitspracherecht garantieren soll. Doch wie wird es später im Film so schön formuliert: „Verträge sind wie Herzen. Sie brechen leicht.“

„The Founder“ ist nicht nur ein ebenso unterhaltsames wie erschreckendes Lehrstück darüber, wie amerikanischer Kapitalismus funktioniert. Das Drama ist vor allem auch eine große Show der kleinen Darsteller, jener Helden aus der zweiten Reihe, die man aus zahllosen Filmen kennt und die leider immer zu kurz kommen. Ob Carroll Lynch und Offerman als McDonald-Brüder oder Linda Cardellini als Ray Krocs zweite Ehefrau Joan - John Lee Hancock gibt ihnen Gelegenheit zu glänzen, und sie nutzen sie weise.

Erhältlich auf DVD, BD und als VoD.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare