Starke Charaktere

Ein Stararchitekt, fünf Frauen, zwei Leichen – Der Münchener Tatort in der Kritik

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Die Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl, r.) und Batic (Miroslav Nemec, l.) bekamen es mit dem Casanova Thomas Jacobi (Martin Feifel) zu tun.

Nach schweren Brocken betrieben die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) ihr Zusammenspiel mit schöner Leichtigkeit - und entwirrten das Beziehungsgestrüpp um einen seltsamen Casanova.

Auch im neuen Münchner „Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel“ (Drehbuch: Katrin Bühlig, Regie: Rainer Kaufmann), in dem es um einen Erfolgsarchitekten und dessen amouröses Frauenkränzchen ging, war mal wieder der Gärtner der Mörder, oder wenigstens der Hausmeister. Ein Stararchitekt, fünf Frauen, zwei Leichen. Naivität und Raffinesse kreuzten sich. Die Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) gerieten ob des verzwickten Love-Managements mit tödlichem Ausgang schwer ins Staunen.

Worum ging es?

In der Garageneinfahrt eines Betonsilos wird die Leiche einer Frau gefunden. Kurz zuvor hatte sie noch einen heftigen Streit mit dem erfolgreichen Architekten Thomas Jacobi (Martin Feifel). Die Tote war im dritten Monat schwanger, so stellt sich heraus. War das Kind von Jacobi und womöglich die Ursache des Streits? Doch der Architekt hatte ein Alibi - ein Schäferstündchen mit einer anderen Frau, ausgerechnet. Bald wurde auch sie tot aufgefunden. Klar, dass der nimmermüde Mann unter schärfsten Verdacht geriet. Doch so, wie der sich gerierte, so sensibel wie Martin Feifel diese Figur zelebrierte, war bald klar: Der konnte es nicht gewesen sein.

Wie spannend war's?

Die Kommissare hatten in Kalli (Ferdinand Hofer), ihrem Assistenten, einen zuverlässigen Anchorman auf dem Revier. Der fand am Computer immer wieder die weiterführenden Erkenntnisse heraus. So hatten Leitmayr und Batic viel Freiraum für Privates. Batic war in diesem Fall ganz schwer in eine verheiratete Frau verliebt, die ihn glücklicherweise am Ende rechtzeitig wieder verließ. Leitmayr dagegen hatte sich der Mutter Kallis zu erwehren, die ihm beim Möbelpacken gefährlich nahe kam. Andererseits brachten die Kommissare eigene Kenntnisse in diesen amourösen Krimi ein, die sie im Falle von Batic vor aller Augen erweiterten. So lebte dieser Tatort zugegeben mehr von ironischen Anspielungen und Neckereien, als dass er ein atemberaubender Thriller gewesen wäre. Aber es wurde auch mit Whodunit-Momenten gespielt, sie dienten als roter Faden.

Wie realistisch war das alles?

Man muss nicht zurückkommen auf Wettermoderatoren, die gelegentlich in die Schlagzeilen gerieten oder gar auf 68er-Gurus wegen des romantisch weißen Heldengewands der Architektenfigur. Im Zeitalter der Blind Dates und der sexuellen Clouds im Internet wurde einem ein Panoptikum der Paarbeziehungen vorgeführt, das sicher zu Teilen der Wirklichkeit entspricht. Mit scheinbarer Neutralität legten die Kommissare seltsame Verhältnisse bloß und gaben deren teils eheähnlichen Problematiken zum Schmunzeln frei.

Wie glaubhaft waren die Charaktere?

Die von Martin Feifel gespielte Architektenfigur war in jedem Falle sehr spannend. Das Geheimnis um das Warum seiner Vielweiberei gab er nicht preis. Ein Getriebener, der einen vollen Beziehungskalender verwalten muss. Ein Schmeichler in der Liebe, ein Gaukler in seinem Beruf. „Innen wird außen!“, so hilft er seiner Assitentin im Büro auf die Sprünge bei ihrem Modell, die „Illusion eines freien urbanen Raums“ werde mit einem Glasdach geweckt. Dass in einem Falle der deftige Münchner Hausmeister aus egoistischen Beweggründen gehandelt hatte, im anderen die treue Gesellin und innig zugetanen Schülerin des Baumeisters, in beiden Fällen also keine Affären Jacobis, bot eine Pointe von besonderem Reiz.

Gab es skurrile Szenen?

Es gab viele. Den Vogel schoss aber die Psychotherapeutin ab, die sich so fragwürdig wie selbstbewusst als Anhängerin des „polyamoren“ Beziehungsmodells bezeichnete: jeder mit jedem, und jeder soll es wissen. Der Vortrag der Selbstbewussten gipfelte in einem von ihr hervorgezogenen Metermaß. An dem durfte Batic ablesen, wieviel Lust ihm im Leben noch verblieb. Man messe das durchschnittliche Lebensalter des Mannes minus gelebter Zeit: Es kam, wie man schon ahnte, in Zentimetern eine mittlere Penislänge heraus.

Wie gut war dieser Tatort?

Für die Fans der Münchner Kommissare: ausgezeichnet. Martin Feifel als Casanova gab in der Gastrolle reichlich Rätsel auf: ein eitler Pfau und Frauenheld, der seines Berufs wegen „in verschiedenen Zeitzonen“ lebt, der „viele Baustellen“ hat, wie er sagte. Einer, der das Leben mit einer Bühne verwechselt. Dazu die pfiffigen Ermittler und ein paar einfach gestrickte Mörder. Witz und Recherche waren hier gut ausbalanciert. Wir vergeben die Note eins bis zwei.

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tsch

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