Klappe zu, „Tatort“ tot?

Kreativsatire mit Serienmörder-Groteske: So war der Tatort „Gott ist auch nur ein Mensch“

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Handlich, so ein „Tatort“-Team. Am Ende wurden Boerne (Jan Josef Liefers, am Steuer) und Thiel (Axel Prahl) einfach zugeklappt. Was will uns der Künstler damit sagen?

Ist es Kunst oder nur ein müder Gag? Boerne und Thiel schleppten sich durch eine seichte Kunstszene-Satire mit eingemeißelter Serienkiller-Groteske.

Skulptur-Tage in Münster - Kulturfex Boerne (Jan Josef Liefers) und Kunstmuffel Thiel (Axel Prahl) mittendrin im bunten Geschehen. Der Regisseur Lars Jessen modellierte um authentische Ausstellungsschauplätze herum eine Kreativensatire mit eingemeißelter Serienkiller-Groteske. Soll man den „Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch“ Kunst nennen? Und was war das für eine seltsame Pointe am Ende?

Was war los?

In Münster, so haben es sich die Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke ausgedacht, ging ein Serienmörder um, der seine Opfer in Form von Skulpturen in den Ausstellungsbetrieb einschmuggelt. Ein vor Jahren zu Unrecht freigesprochener Stadtrat und Pädophiler wurde mumifiziert aus einer Clownsfigur geschält. Alsdann fanden sich ein rechter Hetzer auf einem Flüchtlingsboot und noch später ein Steuerbetrüger im Sparschwein. Galliger Humor im Dienste der Weltverbesserung. Aber die Opfer waren leider echt.

Ergab die Story Sinn?

Nur sehr bedingt. Vor allem aber war die Tätersuche durchsichtig wie Butterbrotpapier. Wer steckte hinter den Wahnsinnstaten? Doch nicht etwa der berüchtigte „Jahrhundertkünstler“ (Aleksandar Jovanovic), der sich ganz unbescheiden „G.O.D.“ nennt, allzu gern mit Mordserien und menschlichem Blut kokettiert und es mit Tumor im Kopf vielleicht auf den letzten großen Paukenschlag seines irdischen Daseins abgesehen hatte? Allzu offensichtlich war dieser Verdächtige, dass nicht nur Professor Boerne ahnte, er könne es nicht gewesen sein. Auf den unscheinbaren Möchtegernkünstler und Hotelportier Roland Wenger (Matthias Bundschuh) wäre man als Wohnzimmerkommissar hingegen auch ohne dramatischen Showdown gekommen.

Wie waren die Ermittler in Form?

Gut, wie immer. Und solange das so ist, werden die streitlustigen Antipoden Boerne und Thiel wohl auch keinen Kredit beim Publikum verspielen. Boerne war im leicht versnobbten Kunstkenner-Milieu selbstredend voll im Element. „Manche große Vision vermag einen kleinen Geist zu sprengen“, schleimte sich der eingebildete Geistesverwandte beim „Jahrundertkünstler“ G.O.D. ein, derweil Thiel bereitwillig den erwartbaren Kulturmuffel gab.

Wer hatte den besten Auftritt?

Victoria Mayer! Die 41-jährige Schauspielerin, die zuletzt vor allem in dramatischen Rollen glänzte („Wunschkinder“, „Tatort: Goldbach“), brachte als Ausstellungskuratorin etwas sehr Herzliches und Frisches in den Film. Victoria Mayer ist übrigens gebürtige Münsteranerin, wuchs aber in der Nähe von Bremen sowie in Marburg auf.

Gibt es die „Internationalen Skulptur-Tage Münster“ wirklich?

Die gibt es! Wenn auch unter anderem Namen. Im Sommer fand die alle zehn Jahre neu aufgelegte „Skulptur.Projekte“-Ausstellung zum fünften Mal statt. Regisseur Lars Jessen und sein „Tatort“-Team konnten sich für die Dreharbeiten also an Originalkulissen tummeln. Die berühmtesten Exponate in der Geschichte der Ausstellungsreihe sind übrigens die „Giant Pool Balls“, also die „überdimensionierten Billardkugeln“ am Aasee. Sie wurden 1977 bei der Erstauflage installiert. Boerne und Thiel ermittelten in einer kuriosen Szene auch hier.

Was hatte es mit dem Koffer des Künstlers Jan Christowski auf sich?

Thiel musste herzhaft lachen, als er in das Innere des Koffers blickte, mit dem der Künstler Jan Christowski zu den Skulptur-Tagen angereist war. Dem Zuschauer wurde der Inhalt aber nicht gezeigt. Erst ganz am Ende, da zoomte die Kamera gleichsam aus dem Koffer-Inneren heraus, und zugeklappt wurden die „Tatort“-Ermittler selbst. Ein etwas eitler selbstreflexiver Gag, an den sich die Frage anschloss: War dieser „Tatort“ Kunst? Nebenbei: „Jan Christowski“ ist ein Anagramm seines Darstellers, des Aktions- und Konzeptkünstlers Christian Jankowski.

Wie gut war der „Tatort“?

Rhetorisch watete das seichte Satirestück knietief durchs Klischee, die Witze zündeten flach, und Spannung wollte auch nicht recht aufkommen. Immerhin eines aber lernte man am Ende: Was als Kunst anerkannt ist und was nicht, hängt nicht vom Kunstwerk ab, sondern vom Künstler. Wohl wahr. Die westfälischen Kunsthandwerker Prahl und Liefers sind zum Glück auch in einem schwachen Plot zu Unterhaltsamem fähig.

Wir vergeben eine Drei minus.

teleschau

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