Touristen in der eigenen Jugend

Drogen-Drama im Check: Trainspotting-Fortsetzung „T2“

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Als wären sie nie weg gewesen (von links): Spud (Ewen Bremner), Renton (Ewan McGregor), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle).

Mit „T2“ schafft Danny Boyle eine gelungene nostalgische Bewältigung der „Trainspotting“-Vergangenheit - für Protagonisten wie Zuschauer.

Das orange-weiße Poster mit dem dürren Heroin-Chic-Jüngling an der Wand; das begeisterte Nacherzählen der legendären Szene in der „dreckigsten Toilette Schottlands“: Jeder, der Mitte der 90-er im weitesten Sinne jung und filminteressiert war, verbindet derlei Erinnerungen mit „Trainspotting“. Danny Boyles schottisches Drogen-Drama nach dem gleichnamigen Irvine-Welsh-Roman revolutionierte 1996 das Kino mit surreal-grotesken Ausflügen in die sozial abgehängte Welt einer Edinburgher Heroin-Clique. Die Fortsetzung „T2“ (2016) lockte gerade mal 170.000 Kinozuschauer an. Jetzt erscheint der Film fürs Heimkino.

Eigentlich hatte sich Mark Renton (Ewan McGregor) inzwischen einer bürgerlichen Existenz verschrieben - in Amsterdam, weit abseits des tristen Edinburgher Stadtteils Leith. In die alte Heimat kehrt er zwei Jahrzehnte, nachdem er ihr den Rücken kehrte, zurück - weil er seine Ehe in den Sand setzte und auch weil ihn Schuldgefühle plagen. „Trainspottin“ endete schließlich damit, dass sich der junge Renton in London mit dem hart verdienten Drogengeld aus dem Staub machte.

Die Fortsetzung führt sie wieder zusammen: Begbie (Robert Carlyle), der die gesamte Zeit im Knast saß und nun ausbricht; Spud (Ewen Bremner), der noch immer an der Nadel hängt, und Sick Boy (Jonny Lee Miller), der von der Erpressung reicher Fetisch-Freier lebt. Doch auch alte Orte und Gedanken kehren wieder: sei es das verlassene Stamm-Pub, das Sick Boy nun in einen Puff umwandeln will, das berüchtigte Entzugs-Kinderzimmer oder der legendäre, hier reinszenierte Monolog über das „Sag ja zum Leben“. Überhaupt: In der Re-Inszenierung gefällt sich „T2“ gut. So werden gemeinsame Kumpel-Touren nun eben mit Snapchat-Quatsch begleitet.

Hin und wieder blitzen zudem szenische Erinnerungen auf, echte Ausschnitte aus dem Vorgänger. Dadurch, dass er das Original-„Trainspotting“ mit Bildern von Drogenräuschen, Fluchtszenen, Schlägereien ins Gedächtnis ruft, entzieht sich Boyle auf kluge Weise einem Vergleich, der nicht zu gewinnen ist. Und doch: Unnötig ist „T2“ keineswegs; als nostalgisches Drama gefällt es mit seinen nach wie vor grotesken Überzeichnungen bei gleichzeitiger Bloßstellung einer tragischen gesellschaftlichen Realität. Und auch wieder mit trockenem schottischen Witz, Mut zum künstlerischen Experiment und einem abermals herausragenden Soundtrack.

Erhältlich auf DVD, BD und als Video-on-Demand.

tsch

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