Das Geheimnis des britischen Pop-Erfolges

Der „Summer of Fish'n'Chips“ bei ARTE

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Die Doku „United Kingdom of Pop“ beitet am Freitag, 14. Juli, ab 21.50 Uhr, einen Überblick über die britische Popkultur, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ab den 50-ern auf der Insel entstand und längst einer der größten Exportschlager des Landes ist.

Der sommerliche Pop-Schwerpunkt bei ARTE widmet sich vom 14. Juli bis 20. August Phänomenen der britischen Popkultur.

„Das Vereinigte Königreich ist eines der wenigen Länder, das quasi fließbandartig und verlässlich Bands und Musiker zu produzieren vermag“, sagt Bernd Mütter. Der Mann ist stellvertretender Programmdirektor bei ARTE und verantwortlich für sechs britische Pop-Wochenenden zwischen 14. Juli und 20. August. In ebenso lehrreichen und unterhaltsamen eindreiviertel Stunden erklärt die Auftakt-Doku „United Kingdom of Pop“ (Freitag, 14. Juli, 21.50 Uhr) die Geschichte der britischen Popstile und Jugendkulturen. Neben Filmklassikern und Konzertmitschnitten sind es aber wie in jedem Jahr neue Dokumentationen, die den ARTE-Popsommer inhaltlich interessant machen. 2017 hat man eine Doku über das Entstehen des Beatles-Albums „Sgt. Pepper“ sowie neue Filme über Sting, Joe Cocker, Queen, Pulp oder die Kunst-Punker von Sleaford Mods im Programm.

Es passt, dass Johnny Rotten von den Sex Pistols durchs sommerliche ARTE-Programm führt. Schließlich war Punk als Jugendbewegung weltweit ebenso stilprägend, wie er ab 1977 mit den Sex Pistols als Mainstream-Act kommerziell ausgebeutet wurde. Mit „United Kingdom of Pop“, einer Doku der Filmemacher Thorsten Ernst, Stefanie Schäfer und Nicole Kraack, findet sich nur eine Doku im Programm, die versucht, die ganz großen Zusammenhänge zwischen den Popkulturen Großbritanniens herzustellen.

Viele sehenswerte Filme über Künstler und Einzelphänomene

Dennoch gibt es viele sehenswerte Filme über Künstler und Einzelphänomene. „Pulp - A Film About Life, Death And Supermarkets“ (Sa., 15.07., 22.40 Uhr) begleitet die einflussreiche Britpop-Band um Jarvis Cocker beim Abschiedskonzert in ihre Heimatstadt Sheffield. Jener Ort, den Pulp einst völlig erfolglos verließen, um in London Karriere zu machen. Florian Habichts Film ist das skurrile, tragikomische Porträt der Band, aber auch einer Stadt.

Und noch eine deutsche Erstausstrahlung: „Queen Behind The Rhapsody“ am Freitag, 28. Juni, 21.45 Uhr. Die Doku von Simon Lupton und Rhys Thomas stellt die Entstehung des Queen-Songs „Bohemian Rhapsody“ und die frühen Jahre der Gruppe in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Bunch of Kunst - Sleaford Mods: Die wütendste Band Englands“ (Fr., 28.07., 23.40 Uhr) porträtiert Christine Franz das Grantel-Rap Duo Sleaford Mods, das auch hierzulande die Feuilletons eroberte und als einzig zeitgemäße Version des alten Punk-Gedankens sowie neue Stimme der Working Class gefeiert wird. Eine frische Dokumentation über Joe Cocker gibt es am Freitag, 4. August, um 22.15 Uhr, zu sehen. Nach „Joe Cocker: Mad Dog with Soul“ folgt um 23.10 Uhr der lange verschollene und seit Jahrzehnten nicht mehr im TV gezeigte Konzertfilm „Message to Love: The Isle of Wight Festival 1970“. Beim europäischen Pendant zum legendären Woodstock-Festival traten unter anderem auf: Jimi Hendrix, The Who, The Doors, Leonard Cohen und Miles Davies.

Leckerbissen für Beatles-Fans

Über britische Filmkultur aus den Hammer-Studios informiert die Doku „Dark Glamour - Aufstieg und Fall der Hammer Studios“ (Sonntag, 6. August, 21.55 Uhr). Hier entstanden ab Mitte der 50-er Horrorschocker mit Peter Cushing und Christopher Lee wie die Filmreihe „Dracula“ - ohne Zweifel auch ein Stück britischer Popkultur. Im Anschluss daran ist die ausgezeichnete Zombiekomödie „Shaun of the Dead“ (22.45 Uhr) zu sehen. Ein besonderer Leckerbissen für Beatles-Fans folgt am Freitag, 11. August: Nach dem Filmklassiker „Yeah! Yeah! Yeah“ (21.45 Uhr) von Richard Lester sendet ARTE um 23.15 Uhr die Doku „Sgt. Pepper's Musical Revolution“ von Francis Hanly, über die Entstehung des vielleicht besten Popalbums der Welt. Vor 50 Jahren, am 26. Mai 1967,ist es erschienen. Die Beatles-Festspiele beschließt der Konzertfilm „John Lennon: Live in New York City“ um 0.15 Uhr.

Auch einen Sting-Abend nahm ARTE ins Programm. Der schlicht „Sting“ betitelten Doku folgt ein Konzert des ehemaligen Police-Masterminds im Pariser „Olympia“ von 2017. Auch diese beiden Filme sind Erstausstrahlungen. Neben der Frischware fanden jedoch auch Klassiker ihren Weg in den „Summer of Fish'n'Chips“, vor allem bei den Spielfilmen: „24 Hour Party People“ über das Entstehen der legendären Musikszene Manchesters (Fr., 21.07., 0.15 Uhr), „The Queen“ mit der Oscar-gekrönten Leistung Helen Mirrens (So., 23.07., 20.15 Uhr) oder „Highlander“ (So., 30.07., 20.15 Uhr) von 1986, der die laut Kritikern die Videoästhetik im Spielfilm populär machte. Auch einen selten gezeigten Meilenstein des Gruselfilms hat der „Summer of Fish'nChips“ zu bieten: Der verstörenden „Peeping Tom - Augen der Angst“ von 1960 zeigt Karlheinz Böhm als Kameramann, der Frauen tötet, um echte Todesangst mit seinem Arbeitsgerät einzufangen. „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant, eine der wohl erfolgreichsten britischen Komödien aller Zeiten, beschließt den Blick auf die britische Popkultur am Sonntag, 20. August, um 20.15 Uhr.

tsch

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