Ein gefährliches Angebot - Mo. 11.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Straßenköter und Höllenhunde

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"Was sind Sie? Ein Wolf oder ein Geißlein?", droht Auftraggeber Ronald Klostermeier (Anian Zollner). Sitzt Ina (Petra Schmidt-Schaller) nun endgültig in der Falle?

Ein packender Thriller mit Topbesetzung gewährt einen Blick in die Unterwelt der Überwachung. Vorbild ist die Realität.

Petra Schmidt-Schaller als zarte, aber harte Einzelkämpferin, Armin Rohde als diabolischer Strippenzieher und André Hennicke als scheinbar gewissenloser Soziopath, so tritt die namhafte Besetzung in einem Hochspannungsthriller des ZDF auf. "Ein gefährliches Angebot" öffnet den Blick in eine (Unter)welt, die man vielleicht lieber nicht gesehen hätte, vor der man aber auch die Augen nicht verschließen kann: das Geschäft mit der Überwachung in der freien Wirtschaft. Eine karrierebewusste Polizistin lässt sich für eine private Sicherheitsfirma anheuern und stellt bald fest, dass sie sich entscheiden muss: Geld oder Gewissen? Der Gedanke, "alles nur Fiktion", zur Selbstberuhigung des Zuschauers funktioniert hier nicht ganz: Die Story beruht auf realen Begebenheiten und Gegebenheiten.

"Betriebsspionage, Ankauf von Informationen, Bestechung, Diebstahl", die Unternehmen heutzutage befänden sich im "permanenten Krieg", erklärt der zwischen Mistkerl und Verführer changierende Thomas Theissen (Rohde) seinem Schützling Ina (Schmidt-Schaller). Dabei zeigt er über die Stadt Berlin, als stünde er auf einem Feldherrnhügel. "Wir sind die Kavallerie. Mit so 'nem kleinen bisschen Drecksarbeit rettest du unter Umständen Tausende von Arbeitsplätzen. Wir dienen unserem Land. Wir verteidigen den Wohlstand." Vielleicht glaubt er das sogar ein bisschen, vielleicht geht es aber auch einfach nur darum, selbst in dieser Wohlstands-Liga möglichst weit oben mitzumischen. Und diese Liga, die spielt offensichtlich nach ihren eigenen schmutzigen Regeln.

Als die ehrgeizige Polizistin Ina die Prüfung für den höheren Dienst vermasselt, springt ihr ausgerechnet ihr ehemaliger Ausbilder Theissen bei. "Ein harter Hund", das gefällt ihr. Er heuert Ina - einen "Straßenköter", wie er sie anerkennend bezeichnet - für seine private Sicherheitsfirma an. Cerberus heißt die, wie der dreiköpfige Höllenhund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. In dieser Rolle gefällt sich auch der skrupellose Lebemann Theissen. Ina, gebauchpinselt und angelockt vom Glamour, bekommt gleich ihren ersten Auftrag in Sachen "Informationsbeschaffung": Bei der Firma Ecotecs, einem börsennotierten Unternehmen aus dem Bereich grüne Technologien, gibt es ein Informationsleck. Durch gezielte Veröffentlichung von Betriebsinterna wird immer wieder ein Verkauf des Unternehmens an chinesische Partner vereitelt.

Mit allen Mitteln der Überwachung, legal oder auch nicht, machen Ina und ihr neuer wortkarger Kollege (André Hennicke) gleich den Schuldigen aus: Vorstandschef Michael Dithardt (Christian Berkel) persönlich. An der Spitze von Ecotecs wird ein Machtkampf ausgetragen. Als Dithart sich weigert zurückzutreten, stimmt sein Partner Roland Klostermeier (Anian Zollner) dem "Plan B" der Firma Cerberus zu. Das bedeutet, dass Ina bald mittendrin steckt in einer Riesenschweinerei, einem weit verzweigten Sumpf und einem Loyalitätskonflikt. Soll sie auf die Stimme der Moral in sich hören?

"Ein gefährliches Angebot" ist nicht nur ein richtig gut erzählter, packender Thriller. Die Handlung ist gar nicht so erfunden, wie man es sich wünschen würde. Sie basiert auf einer realen Affäre aus der Bankenwelt. Heike Voßler, die den Film gemeinsam mit Oliver Berben produzierte, war über einen Journalisten auf das Thema gestoßen: "Intrigen, Machtspiele und kriminelle Machenschaften. Die Realität schien hier die Fiction einzuholen. Und genau das hat mich gereizt. Einen Thriller zu erzählen, der an vielen Punkten auf realen Begebenheiten basiert." Der erfahrene Krimi-Regisseur Hannu Salonen, der gemeinsam mit Sven Poser das Drehbuch verfasst hat, fügte in seinem Statement zum Film hinzu: "Die Überwachungsbranche wächst unaufhaltsam. Nicht alles dient jedoch zur Aufklärung, im Gegenteil."

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