Spuren des Bösen - Liebe - Mo. 29.02 - ZDF: 20.15 Uhr

Liebe in düster

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Richard Brock (Heino Ferch) telefoniert mit einem alten Schulfreund, der sich in einem Haus verschanzt hat.

Auch der fünfte Film der "Spuren des Bösen"-Reihe ist düstere, spannende Krimikost made in Austria.

Dass Wien eine düstere, morbide Stadt ist, ist ein Klischee, das die Bewohner der Donau-Metropole nur zu gerne selbst nähren. Die hervorragende ZDF-Krimi-Reihe "Spuren des Bösen", vom ORF koproduziert, tut, wie auch der ORF-"Tatort", ihr Übriges, dieses Image zu unterfüttern. Mit Richard Brock (Heino Ferch) ermittelt hier ein dauerdepressiver, verschlossener Mann, an dem Sigmund Freud seine Freude gehabt hätte. "Liebe", so der Titel des fünften Films der Reihe von Regisseur Andreas Prochaska und Autor Martin Ambrosch, trifft man hier nur selten an. Und wenn, dann in einer düsteren, pervertierten Form.

Dieser Richard Brock ist eigentlich Professor für Psychologie, kein Ermittler. Er besitzt aber das Talent, immer wieder in Kriminalfälle verwickelt zu werden. Diesmal ist es ein Anruf, der ihn hineinkatapultiert in einen Abgrund aus Eifersucht und Sektenwahn. Klaus Willer (Hary Prinz), ein alter Schulfreund Brocks, ist am Apparat, den ihm ein Mann von der Wiener Polizei ans Ohr hält. Willer hat sich in einem unscheinbaren Reihenhaus verschanzt, nachdem er mit einem Polizisten aneinandergeraten war. Brock soll vermitteln und betritt das Haus, wo sich ihm eine grauenhafte Szenerie bietet: Eine blutverschmierte Leiche, Willers Frau, liegt am Boden, Willer selbst steht mit einer Waffe daneben. "Lange nicht gesehen", begrüßt er seinen Freund. "Bist älter geworden."

Doch es bleibt nicht bei belanglosem Smalltalk: Er habe seine Frau nicht getötet, sagt Willer, nur aufgefunden, anschließend aber berührt. Niemand werde ihm glauben. Brock schafft es dennoch, dass Willer sich stellt. Seine Frau, erzählt Willer auf dem Revier, sei schwanger gewesen, von einem anderen Mann. Dieser andere, findet Brock heraus, ist Konstantin Steinmann (Christoph Luser), ein wohlhabender Unternehmenserbe. Der junge Mann lebt in einer Kommune, dem "Eden". Freie Sexualität wird hier praktiziert, aber auch andere, weniger schöne Dinge lässt Anführer Michael Auer (Maximilian Brückner) hier geschehen. Von Liebe sprechen sie in der Kommune, haben aber ein seltsames Verständnis von ihr.

"Liebe" ist ein Film voller Fragezeichen, so undurchsichtig wie seine Figuren. Teils mit verwackelter Handkamera gefilmt, lässt er mehr Fragen offen, als er beantwortet. Heino Ferch spielt den depressiven Professor wie immer großartig. Sein Brock sagt nur, was wirklich nötig ist, Blicke genügen ihm. Als Verhörspezialist liegen seine Stärken sowieso auf anderem Gebiet, im Beobachten und genauen Zuhören. Fähigkeiten, die so manch anderer, hektisch gezeichneter TV-Ermittler vermissen lässt.

Brock - eine der stärksten Rollen von Heino Ferch - ist ein Einzelgänger, aber dennoch ein Mann mit Privatleben, das immer dann in den Fokus der Handlung gerät, wenn es nötig ist, nicht mehr. Ebenso wie Wien, das hier wirkt wie in einem Ulrich-Seidl-Film, nur grauer, ausgewaschener. "Der 'Tatort' ist meistens gut gemacht, der Rest verzichtbar", beschwerte sich Thomas Gottschalk kürzlich über das deutsche Krimi-Fernsehen. Zumindest "Spuren des Bösen" hat er damit Unrecht getan.

Name der Sendung Spuren des Bösen - Liebe
Sendedatum 29.02.2016
Sender ZDF
Sendezeit 20:15:00
Genre Kriminalfilm
Filmbewertung ausgezeichnet
Genre Kriminalfilm
Filmname Spuren des Bösen - Liebe
Originaltitel
Regisseur Andreas Prochaska
Schauspieler Heino Ferch
Schauspieler Hary Prinz
Schauspieler Maximilian Brückner
Entstehungszeitraum 2016
Land D

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