Verpatzter Neustart

Neuer Psychothriller vom „The Sixth Sense“-Regisseur: „Split“

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Anstelle von Papa sitzt plötzlich ein wildfremder Mann (James McAvoy) am Steuer des Wagens mit drei jungen Mädchen, die er entführen und mit seinen multiplen Identitäten verwirren wird.

Ein Psychothriller wie eine Bewährungsprobe für die Verwandlungskunst eines hoch begabten Schauspielers und für einen Regisseur, der nicht vergessen werden will.

Erinnert sich noch jemand an „The Sixth Sense“? Mit großer Wahrscheinlichkeit. Ebenso an „Unbreakable“. Bei „Signs - Zeichen“ und „The Village - Das Dorf“ wird's schon schwieriger, im Anschluss folgten viel gescholtene Flops. Seit 2015 besinnt sich der einst so gefeierte Regisseur und Autor M. Night Shyamalan wieder auf den subtilen Psychothriller und schickt nach „The Visit“ nun „Split“ (2017) in die Heimkinos. Eine überraschende Schlusspointe bietet er weiterhin, und das Spiel mit dem Blick beherrscht der Amerikaner nach wie vor. Aber dazwischen beutet er vor allem Klischees aus. Gut 1,2 Millionen Kinozuschauer in Deutschland konnten sich zumindest an den formidablen Hauptdarstellern erfreuen.

Der Einstieg präsentiert sich noch in bester Shyamalan-Manier: Nach einer unerquicklich verlaufenen Geburtstagsfeier in einem Restaurant steigen drei junge Mädchen in das Auto ein, das dem Vater eines jungen Partygängers gehört. Als Casey (Anya Taylor-Joy) auf dem Beifahrersitz langsam den Kopf dreht, um zu entdecken, dass ein Fremder am Steuer Platz genommen hat, ist er da: einer jener furchtbar gedehnten Horror-Momente, aus denen wahres Erschauern erwächst.

Noch ehe sie begreifen, wie ihnen geschieht, landen die drei Mädchen in einem fensterlosen Verlies. Ein und derselbe Mann (James McAvoy) hält sie als Dennis gefangen und will, dass sie nackt mit ihm tanzen. Als Jugendlicher Kevin zeigt er Casey sein Zimmer in einem Katakombenlabyrinth, er bereitet ihnen als Patricia Sandwiches zu und besucht als Barry seine Psychiaterin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley).

Diese doziert im Laufe des Films über Menschen, die parallel in verschiedenen Identitäten leben und kraft ihrer Gedanken sogar ihre äußere Gestalt verändern können. Geradezu erschütternd selbstverständlich und überzeugend vermag James McAvoy solchen Worten schauspielerisch zu entsprechen. Restlos schlüpft er von einer Identität in die andere. Und seine allerletzte Transformation wird zum gewaltigen Paukenschlag.

Der rüttelt einen noch mal wach, wenn der Streifen erzählerisch schon ins Beliebige abgedriftet ist. Denn wie die Mädels die meiste Zeit des Films schluchzend dasitzen, sich angesichts des lüsternen Dennis furchtsam ihrer kurzen Röcke gewahr werden und halbherzige Flucht- und Überwältigungsversuche starten, bedient bloß abgenutzte Muster des Teenie-Grusels und ermüdet über die Maßen.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc, Ultra HD Blu-ray und als Video-on-Demand.

tsch

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