„Artists Against Corona“ bietet hochwertige Online-Unterhaltung

„Solidarität ist ansteckender als jeder Virus“: Künstler schließen sich zu einzigartiger Initiative zusammen

„Gerade in Krisenzeiten ist unsere Kreativität gefragt“: Michael Starkl, der geschäftsführende Inhaber der Berliner Starkl Film Produktion, ist Mitinitiator der Plattform artistsagainstcorona.com, eine Art Netflix für Kleinkunst.
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„Gerade in Krisenzeiten ist unsere Kreativität gefragt“: Michael Starkl, der geschäftsführende Inhaber der Berliner Starkl Film Produktion, ist Mitinitiator der Plattform artistsagainstcorona.com, eine Art Netflix für Kleinkunst.

Auf der Plattform artistsagainstcorona.com bieten derzeit über 30 nationale Künstler kurze Beiträge als Stream an. User können virtuelles Tickets kaufen und so die Kleinkunst-Szene finanziell unterstützen.

Was macht ein Künstler in der Corona-Krise? - „Nichts“ lautete die simple wie traurige Antwort noch vor wenigen Wochen. Was sollten sie auch tun, als Theater und Kinos geschlossen, Dreharbeiten und Lesungen landesweit eingestellt wurden? Doch Künstler sind bekanntlich kreativ und fanden Mittel und Wege, ihr Opus auch während der Krise an den Mann zu bringen. Vor allem Musiker luden in den vergangenen Wochen zu zahlreichen virtuellen Konzerten, meist direkt aus dem eigenen Wohnzimmer, in den sozialen Netzwerken ein. Eigentlich eine schöne Sache, doch mit einem großen Haken: Die Urheber verdienen daran meist keinen Cent. Und auf staatliche Subventionen hoffen vor allem Kleinkünstler oft vergebens. Die Initiative „Artists Against Corona“ hat sich dieses Problems jetzt angenommen.

Es ist ein Projekt, das von der Berliner Starkl Film Produktion in Zusammenarbeit mit dem Berliner Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ von Dieter Hallervorden und weiteren Kooperationspartnern ins Leben gerufen wurde. Auf der Plattform artistsagainstcorona.com präsentieren nationale Künstler aus verschiedenen Sparten kurze Auftritte vor den leeren Rängen des Theaters der „Wühlmäuse“. Jeder Beitrag ist zwischen zehn und 20 Minuten lang und wird audiovisuell aufgezeichnet und anschließend über YouTube auf der Website zur Verfügung gestellt.

Virtuelle Tickets retten Künstler vor der Insolvenz

„Wir wollen uns nicht über die Situation beschweren, sondern das bestmögliche daraus machen. Gerade in Krisenzeiten ist unsere Kreativität gefragt“, erklärt Michael Starkl, der geschäftsführende Inhaber der Starkl Film Produktion. Als ehemaliger Schauspieler kennt er die Sorgen und Ängste seiner Kollegen: „In meiner Zeit als Schauspieler hatte ich Rücklagen für maximal einen Monat, und ich weiß, wie unerträglich es in der Corona Zeit sein muss.“

Statt dabei zuzusehen, wie reihenweise freischaffende Künstler ihre Lebensgrundlage verlieren, habe er sich deshalb ein besonderes System überlegt: Jeder User kann beim Besuch der Website von „Artists Against Corona“ virtuelle Tickets zu den gewünschten Beiträgen erwerben. Wie viel Geld er dabei investieren möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Der Großteil aller Einnahmen - 80 Prozent - kommt anschließend direkt dem Künstler zugute, der den Beitrag erstellt hat.

Was der einzelne mit dem Geld macht, bleibt dann jedem selbst überlassen: Er kann es für die Finanzierung seines eigenen Lebensunterhalts verwenden oder aber in die Produktion der nächsten Bühnenshow investieren, wie zum Beispiel der Magier Alexander Merk: „Das Erfinden von Zauberkunststücken benötigt viel Zeit und Geld. Die Zeit habe ich gerade aber die Einnahmen sind komplett ausgefallen. Daher helft Ihr mir durch den Kauf eines digitalen Tickets an meiner neuen Show weiterarbeiten zu können“, erklärt der 33-Jährige. Sein Kollege Marc Weide hingegen hat sich dafür entschieden, alle Einnahmen an das Kinder- und Jugendhospiz „Balthasar“ in Olpe zu spenden, für das er vor einem Jahr eine Patenschaft übernommen hat. Die A Capella Band Onair wiederum teilt die Einnahmen mit ihrem Team hinter den Kulissen, die wie „alle Künstler derzeit ohne Einnahmen dastehen“, heißt es.

Bunte Vielfalt mit aktuellen Bezügen

Seit Anfang Mai ist artistsagainstcorona.com online. Ein starker Auftritt, der wie ein kleines Netflix für Künstler schon jetzt mit einem stetig wachsenden Angebot und schier unbändiger Kreativität aufwartet: Aktuell sind auf dem Portal 33 Künstler aus sechs verschiedenen Kunstrichtungen (Comedy, Musik, Chanson, Poetry Slam, Pantomime und Magie) vertreten. Darunter auch einige aus dem Fernsehen bekannte Gesichter: Comedian Ingo Appelt beispielsweise ist regelmäßig in der RTL-Show „Mario Barth deckt auf!“ zu sehen. Bei „Artists Against Corona“ präsentiert er einen crund elfminütigen StandUp-Comedy-Auftritt, inklusive einiger zeitgeistgemäßer Klopapier-Witze. Comedy-Kollege Jörg Knör wiederum imitiert lebende und verstorbene Promi-Kollegen von Heinz Erhard bis Desirée Nick und lässt sie über die aktuelle Lage philosophieren. Beiträge ohne Medienbezug bieten Künstler wie die Pantomimen Duo Mimikry, die mit gleich drei Episoden an den Start gehen, in denen Alltagssituationen wie ein Restaurantbesuch humorvoll dargestellt werden.

Nicht ganz unwichtig in diesen Tagen: Alle Videos entstehen unter Einhaltung der aktuellen Hygienerichtlinien mit Atemschutzmasken und regelmäßigen Desinfektionen. Das Ergebnis überzeugt dabei so durch seine Professionalität, dass es sich kaum mit verpixelten Livestreams aus den Wohnzimmern der Stars vergleichen lässt. In Zukunft soll das „Artist Against Corona“-Portfolio auf weitere deutschsprachige Großstädte und deren Theater ausgeweitet werden: „Wir machen weiter, solange es dauert. Unermüdlich und konsequent“, erklärt Michael Starkl. Alles unter dem Motto: „Solidarität ist ansteckender als jeder Virus“.

teleschau

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