„Ma Rainey's Black Bottom“ bei Netflix

So gut ist der letzte Film mit „Black Panther“-Star Chadwick Boseman

"Ma Rainey's Black Bottom" ist der letzte Film mit dem unlängst verstorbenen Chadwick Boseman.
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„Ma Rainey's Black Bottom“ ist der letzte Film mit dem unlängst verstorbenen Chadwick Boseman.

„Ma Rainey's Black Bottom“ ist der letzte Film mit Chadwick Boseman. Der „Black Panther“-Star, der Ende November starb, war bereits während der Dreharbeiten schwer krank.

Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Kraft ihn diese letzte Rolle gekostet haben muss. Im Netflix-Film „Ma Rainey's Black Bottom“ spielt Chadwick Boseman einen jungen Mann, der so voller Lust auf das Leben ist, dass er schier zu platzen droht. Als der Film im vergangenen Jahr gedreht wurde, wusste Boseman bereits seit Längerem, dass er schwerkrank war. Während der Drehpausen unterzog er sich einer Chemotherapie, vielleicht ahnte er auch schon, dass er bald sterben würde. Gesprochen hatte der Schauspieler darüber mit fast niemandem. Und so kam die Nachricht Ende November, dass Boseman im Alter von nur 43 Jahren verstorben war, auch so überraschend für die Öffentlichkeit.

Ein gutes Dutzend Filme und ein paar Auftritte in TV-Serien, mehr hat es nicht gebraucht, um aus Chadwick Boseman einen der größten Stars seiner Generation zu machen. Es war vor allem seine Rolle als „Black Panther“ im gleichnamigen Superheldenfilm, die den Schauspieler aus South Carolina bekannt machte. „Black Panther“ war mehr als nur ein weiterer, sehr erfolgreicher Marvel-Film. Das Superheldenspektakel stand auch für ein neues Selbstbewusstsein des schwarzen Hollywood und machte Boseman zur Ikone.

In „Ma Rainey's Black Bottom“ (ab 18. Dezember) spielt Boseman nun einen Trompeter, der im Schatten einer weiteren schwarzen Legende steht, sich aber nichts sehnlicher wünscht, als selbst ins Rampenlicht zu rücken. Ma Rainey (1882 oder 1886 bis 1939) gilt als „Mutter des Blues“, als einer der ersten Stars dieser neuen Musik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die USA eroberte. Im Film von George C. Wolfe wird diese heute weitgehende vergessene Legende mit einer raumgreifenden Präsenz von Viola Davis („How To Get Away With Murder“) verkörpert.

„Die Weißen verstehen den Blues nicht“

Der gut anderthalbstündige Film spielt fast ausschließlich in einem Tonstudio in Chicago, in dem Rainey zusammen mir ihrer Band ein paar Songs aufnehmen soll. Viola Davis spielt die Musikerin als dauerwütende Wuchtbrumme, die ihre Band, zu der der von Boseman gespielte Trompeter Levee gehört, in einer Tour niederbügelt. Rainey liebt die Musik, das Aufnehmen aber hasst sie. Zumal ihr bewusst ist, dass es doch wieder nur Weiße sind, die sie mit ihrem Talent reich machen wird. „Die Weißen verstehen den Blues nicht. Sie hören ihn rauskommen, wissen aber nicht, wie er da rein kam“, sagt sie und klopft sich auf die Brust.

„Ma Rainey's Black Bottom“ (der Titel bezieht sich auf einen Hit der Sängerin, der wiederum einen populären Tanz der 1920-er aufgreift) basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von 1982. Das merkt man auch - im Guten wie im Schlechten. Einerseits fliegen in den Dialogen nur so die Fetzen, andererseits sorgt das kammerspielartige Setting auch für ein Gefühl der Eingeengtheit. Über Ma Rainey selbst erfährt man nicht viel mehr als das, was während der Aufnahmesessions passiert. Woher sie kommt, wie berühmt sie damals war - man kann es höchstens zwischen den Zeilen herauslesen. Das ist schade, lässt jedoch auch viel Platz für Chadwick Boseman. Die Figur, die er spielt, ist fiktiv; ihre Sehnsucht, als schwarzer Mann Ruhm und Anerkennung zu finden, ist es nicht. Das macht die fast einhundert Jahre alte Episode, die der Film erzählt, sehr zeitgemäß.

Ein Schwarzer, sagt sein altersweiser Bandkollege Toledo (Glynn Turman), müsse stets und vor allem kämpfen, gegen die Unterdrückung und für seine Rechte. Der von Boseman verkörperte Trompeter Levee sieht das anders. Nach allem, was weiße Männer seiner Familie angetan haben (in einer eindringlichen Szene erzählt er von den Schrecken seiner Kindheit), will er nur noch eines: das Leben bedingungslos genießen. Bei ihm ist das allerdings kein Eskapismus, sondern Subversion, ein stiller Protest gegen die Rolle, die die USA der 20er-Jahre ihm als Schwarzen zugewiesen haben. Es ist ein perfekter letzter Auftritt für Chadwick Boseman.

teleschau

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