Zum Geburtstag ein neues Studio: Das Politmagazin "Report Mainz" feiert Jubiläum (Dienstag, 26. April, 21.45 Uhr, ARD)

Die Sendung mit dem Fuchs

+
Seit 13 Jahren ist Birgitta Weber eines der Gesichter des "Report Mainz".

Zum Geburtstag gönnt sich der "Report Mainz" ein neues Studio. Ob das reicht, um in der heutigen Medienwelt zu bestehen?

Als im Oktober 1960 das Nachrichtenmagazin "Anno" erstmals auf Sendung ging, aus dem später der "Report Mainz" hervorgehen sollte, gab es in Westdeutschland nur einen Fernsehsender: "Deutsches Fernsehen" hieß der ganz unprätentiös, später "Das Erste". Konkurrenz durch andere Fernsehanstalten - oder gar das Internet - hatte man seinerzeit nicht zu fürchten. Das Format hatte also so etwas wie eine Deutungshoheit. Heute sieht das freilich ganz anders aus, zumal in Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Medien für viele die Verkörperung der "Lügenpresse" sind. "Wer gestern und heute solide und umfassend recherchiert hat, muss für morgen nichts grundlegend ändern", gibt sich Fritz Frey, seit 2003 im Wechsel mit Birgitta Weber Moderator des "Reports", dennoch überzeugt. Neuerungen wird es trotzdem geben zum Fünfzigsten.

Wenn am Dienstag, 26. April, 21.45 Uhr, die Jubiläumssendung beginnt, wird Fritz Frey in einem neuen Studio stehen. Das neue Design - Gelb und viel Beton - soll "das investigative Profil der Sendung unterstreichen", erläutert Redaktionsleiterin Brigitta Weber. Man darf gespannt sein, wie das funktioniert. Immerhin aber: Der Fuchs, das Markenzeichen des "Report Mainz", bleibt. Auch wenn er künftig "aufwendig animiert" durchs Studio schleichen wird.

Ob das reicht, im Meinungsdschungel zu bestehen? "Unverzichtbar ist die Sendung, weil sie sich wie ganz wenige auf anstrengende Wahrheitssuche begibt, nicht mit schnellen Antworten zufrieden ist und für einen Journalismus steht, dessen Kern die Frage nach Gerechtigkeit und Vernunft ist", gibt sich Frey überzeugt. "Gleichwohl sollten wir stärker mit erzählen, warum wir uns welchem Thema zuwenden und - im Sinne der Transparenz - darlegen, wie wir recherchieren."

Das war vielleicht noch nie so wichtig wie heute. Anfang des Jahres etwa versammelte sich ein wütendes Grüppchen vor dem SWR-Funkhaus, um gegen die vermeintlichen "Lügenjournalisten" zu demonstrieren. Die "Report Mainz"-Macher mischten sich unter die Demonstrierenden - und filmten sie genüsslich. "Leute wie Sie gehören Berufsverbot", ereiferte sich da der Blogger Michael Mannheimer sichtlich aufgebracht in holprigem Deutsch. Indes: Einen echten Skandal, das musste "Report Mainz" wenige Wochen zuvor feststellen, hat man heute schnell an der Backe.

Da berichtete das Magazin über rechte Internetmagazine, auf deren Seiten Werbung von namhaften Unternehmen aufploppte, ließ den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius dazu aufrufen, die Seiten zu boykottieren - und schon hagelte es Kritik. Er frage sich, schrieb etwa "Spiegel Online"-Kolumnist Jan Fleischhauer, "ob es die Aufgabe eines gebührenfinanzierten Fernsehmagazins ist, eine Umleitung von Werbegeldern in Gang zu bringen, weil einem die politische Ausrichtung einer Zeitschrift nicht gefällt". Deutliche Worte.

Missionarisch war der "Report" indes immer wieder unterwegs, vor allem unter seinem langjährigen Moderator Franz Alt. Alt, Journalist und CDU-Mitglied, wusste zu polarisieren. Als er sich in den 80-ern gegen Atomkraft und für Abrüstung engagierte, hagelte es nicht nur Kritik aus der Partei, sondern auch vom Sender. Willbald Hilf, Intendant des SWR-Vorgängers SWF, wollte Alt gar loswerden - ohne Erfolg. Zu sehr waren Franz Alt und mit ihm der "Report" zu einer Instanz des deutschen Fernsehens geworden.

Angefangen hatte alles vor 50 Jahren, als SWR und BR entschieden, das Gemeinschaftsprojekt "Anno" gegen zwei eigene Magazine zu tauschen: "Report München", eher konservativ geprägt, und eben den stets linkeren "Report Mainz", der bis 1998 noch aus Baden-Baden gesendet wurde. Neben Franz Alt waren damals Journalisten wie Günter Gaus und Peter von Zahn prägende Gestalten des Polit-Magazins.

Über Quoten mussten sich die "Report"-Macher damals keine Sorgen machen, und auch heute noch erreicht das Magazin Marktanteile von elf oder zwölf Prozent. Nur die jungen Zuschauer, sie schalten schon lange nicht mehr ein, wenn sich der "Report" alle drei Wochen aus Mainz meldet. Rund fünf Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen: Das ist mager. Da war es sicherlich nicht hilfreich, das Magazin vor rund zehn Jahren auf den späteren Abend zu verschieben und auf eine halbe Stunde Sendezeit zu kürzen.

Doch bei all der Kritik: Noch immer hat SWR-Intendant Peter Boudgoust durchaus recht, wenn er sagt: "Die Berichterstattung von 'Report Mainz' bereichert den gesellschaftlichen Diskurs um relevante Themen." Moderatorin Birgitta Weber fallen dazu die großen Skandale ein, die "Report Mainz" aufdeckte: "Der Fall Mollath', 'Das System Wiesenhof' oder der 'Diätenskandal im bayerischen Landtag'", nennt die 53-Jährige als herausragende Beispiele.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, verspricht SWR-Intendant Boudgoust "eine multimediale Rechercheeinheit, die noch mehr als bisher über Medien- und Formatgrenzen hinweg die investigative Kraft des SWR bündelt". Denn gerade die Jüngeren, das hat man auch in Mainz erkannt, erreicht man schon lange nicht mehr über die alten Kanäle. Aber wer sagt, dass man nicht auch im stattlichen Alter von 50 noch dazulernen kann?

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare