„Tatort: Rebland“

Schwarzwald-„Tatort“ über potenzielle Vergewaltiger: Was verrät eine DNA-Analyse wirklich?

Der gläserne Verdächtige - ein Fortschritt? Die "Tatort"-Kommissare Tobler (Eva Löbau, zweite von links) und Berg (Hans-Jochen Wagner) führen ein Vergewaltigungsopfer (Victoria Trauttmansdorff) noch einmal an den Tatort zurück.
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Der gläserne Verdächtige - ein Fortschritt? Die „Tatort“-Kommissare Tobler (Eva Löbau, zweite von links) und Berg (Hans-Jochen Wagner) führen ein Vergewaltigungsopfer (Victoria Trauttmansdorff) noch einmal an den Tatort zurück.

Der „Tatort“ mit den Schwarzwald-Kommissaren Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) erzählte davon, wie - in Deutschland seit 2020 erlaubte - DNA-Analysen mit den Leben dreier Verdächtiger kurzen Prozess machen. Was kann man mit der Methode über Menschen herausfinden?

Im klassisch gebauten Schwarzwald-„Tatort“ vom Sonntag reduzierte sich der Täterkreis durch eine DNA-Analyse auf drei Personen. Doch was kann man heutzutage durch „zurückgelassene“ DNA seriös über mögliche Täter sagen? Wie verändert die neue Art der Strafverfolgung Polizeiarbeit und unsere Gesellschaft. „Rebland“, ein in sommersatten Farben gedrehter Psychokrimi über drei Verdächtige, regte zum Nachdenken über diese Zusammenhänge an.

Worum ging es?

Radiomoderatorin Beate Schmidbauer (Victoria Trauttmansdorff) verlässt ein Weinfest angetrunken und zu Fuß in Richtung ihres Zuhauses. Der Weg durch die terrassenförmige Reblandschaft des Kaiserstuhls endet mit einem Schlag auf den Kopf und anschließender Vergewaltigung. Die DNA, welche der Täter am Opfers hinterlassen hat, passt auf keinen der üblichen Sexualstraftäter aus der Kartei. Allerdings kommt aus dem nahen Elsass die Nachricht, dass dort ein Mann mit identischer DNA seit Jahren wegen Vergewaltigung und Totschlags gesucht wird. Wider das - während der Drehbuchentstehung - noch geltende deutsche Gesetz (2020 wurde es dem französischen angepasst) besorgen sich die Schwarzwald-Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) aus Frankreich die genetischen Daten des Täters. Nun wissen sie in etwa über dessen Alter, aber auch Haut-, Augen- und Haarfarbe Bescheid. Drei Männer aus der Gegend kommen als Täter infrage ...

Worum ging es wirklich?

Man hätte aus „Rebland“ einen Biotech-Thriller oder eine Big Brother-Studie machen können. Drehbuchautorin Nicole Armbruster („Freistatt“) interessierte sich auf der Grundlage möglicher „erweiterter DNA-Analysen“ jedoch dafür, wie sich Verdächtige unter diesen Bedingungen fühlen. Drei mehr oder weniger angeschlagene Charaktere, deren Vorleben Hinweise auf sexuelle Straftaten gaben, werden verdächtigt. Wie ein Gift dringt der Verdacht in die Seelen und das Umfeld der Männer hinein. Bald scheinen sich die Leben eines skurrilen Einzelgänger-Polizisten (Marek Harloff), des krankhaft eifersüchtigen Friseurs (Roman Knizka) sowie eines alleinerziehenden Vaters und Kummertrinkers (Fabian Busch) wie von selbst zu demontieren. Wie viel Vorurteile erlauben wir uns - aufgrund technischer Datenanalysen? Auch darum ging es in diesem „Tatort“.

Was kann und darf die Polizei über DNA-Spuren analysieren?

Selbst geringste Mengen von am Tatort zurückgelassenem Blut, Speichel, Sperma, aber auch Haare oder Hautpartikel können per DNA-Analyse konkreten Personen zugeordnet werden - sofern deren DNA, zum Beispiel über einen früheren Test, erfasst wurde. „Mittlerweile findet zwischen vielen europäischen Staaten ein automatisierter Abgleich der DNA-Datenbanken statt, sodass auch bei grenzüberschreitender Kriminalität wertvolle Ermittlungshinweise gewonnen werden“, informiert das BKA auf seiner Webseite. Tatsächlich können mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Merkmale wie Geschlecht, Haarfarbe oder Augenfarbe des möglichen Täters identifiziert werden. Die Strafprozessordnung verbietet allerdings explizit eine DNA-Analyse, die auf die örtliche Herkunft eines „Spurenlegers“ gerichtet ist, also zum Beispiel also Mutmaßungen darüber, aus welchem Land oder Kulturkreis der oder die Verdächtige kommen könnte.

Warum ist das Gesetz umstritten?

Erst seit 2020 darf die deutsche Polizei mehr als nur das Geschlecht aus DNA-Daten „auslesen“. In Bayern ist die „erweiterte DNA-Analyse“ sogar schon seit 2018 erlaubt, wie auch in einigen europäischen Nachbarländern. Kritiker sehen in der Methodik die Gefahr eines Pauschalverdachts gegen Minderheiten. Zuvor wurden DNA-Spuren von Tatorten nur mit der DNA-Datenbank des Bundeskriminalamts abgeglichen. So wurde geklärt, ob die Spur von einer Person stammt, die bereits in der Datenbank erfasst war. Der sogenannte „genetische Fingerabdruck“ gilt als sehr treffsicher. Die „erweiterte DNA-Analyse“ ist weniger zuverlässig - und befindet sich deshalb weiter im Fokus der Kritik. „Laut Angaben von Forensikern“, schreibt die Journalisten-Plattform „Mediendienst Integration“, „lassen sich etwa blaue oder dunkelbraune Augen mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 98 Prozent vorhersagen. Bei blonden Haaren zum Beispiel jedoch nur mit 70 Prozent.“ Sehr hohe Wahrscheinlichkeiten erreicht die DNA-Analyse derzeit nur bei sehr hellen oder sehr dunklen Pigmentierungen. „Helle Haut, blaue Augen und helle Haare oder dunkle Haut, dunkle Augen und dunkle Haare, kann man gut vorhersagen“, sagt DNA-Expertin Veronika Lipphardt von der Universität Freiburg. „Alles dazwischen - grüne Augen, graue Augen, braune Haare, leicht gebräunte Haut - kann man mit keiner guten Wahrscheinlichkeit vorhersagen.“

Wer spielte die drei Verdächtigen?

Schauspieler lieben es, im „Tatort“ den Mörder oder Hauptverdächtigen zu geben - sind dies doch oft Rollen mit Abgründen, in denen facettenreiches Spiel gefragt ist. „Rebland“ ist insofern ein ungewöhnlicher „Tatort“, weil hier gleich drei Schauspieler ihr Können als Hauptverdächtige unter Beweis stellen dürfen: Den Berliner Fabian Busch (Jahrgang 1975, er spielte den „Vater auf der Flucht“) sah man zuletzt im ARD-Thriller „Spurlos in Marseille“ und an der Seite Bastian Pastewkas in „Der Sommer nach dem Abitur“. Auch in der Hitler-Satire „Er ist wieder da“ spielte der gut gebuchte Vater dreier Kinder eine tragende Rolle. Der getriebene Friseur Victor Baumann wurde von Roman Knizka verkörpert. Knizka, 50, kann wie Busch eine lange Liste mit Filmen verweisen, in denen er meist in tragenden Nebenrollen überzeugte. Darunter Arbeiten wie „Echte Bauern singen besser“ oder auch einige Episoden der deutschen Netflix-Serie „Dark“. Die skurrilste Rolle war vielleicht die des seltsamen Polizisten, die Marek Harloff mit viel tragischer Komik ausfüllte. Harloff, 1971 geboren, stammt aus einer Künstlerfamilie, sein Bruder Fabian ist ebenfalls Schauspieler. Im großartigen Impro-Film „Klassentreffen“ spielte Harloff zuletzt eine der eindrücklichsten Rollen. Alle drei Schauspieler wird man nach ihren starken Leistungen in diesem „Verdachtskrimi“ im Gedächtnis behalten.

teleschau

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