Britische TV-Doku „Prison“

Schockierende TV-Doku enthüllt: So brutal ist der Knast-Alltag

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Harter Alltag in Durham: Stellt ein gewalttätiger Häftling eine besonders große Gefahr für andere Insassen oder das Wachpersonal dar, wird er in einen anderen Gefängnistrakt oder sogar eine andere Anstalt zwangsverlegt.

Drogenschmuggel, psychisch kranke Inhaftierte, immer wieder Gewaltausbrüche: Eineunheilvolle Mixtur bestimmt den Knastalltag im Gefängnis von Durham. Die dreiteilige britische Doku „Prison“ liefert erschütternde Einblicke und sorgte schon für Schlagzeilen.

Das Gefängnis von Durham in der Nähe von Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands gehört zu den ältesten in Großbritannien. Die Mauern sind so dick wie alt und feucht. Vor mehr als 200 Jahren, 1810, wurde es errichtet. Rund 1.000 Häftlinge sind dort unter harten bis unwürdigen Bedingungen untergebracht. Wie eine gefährliche Mixtur aus Drogen, Psychosen und immer wieder Gewalt jederzeit explodieren kann, zeigt die dreiteilige britische Reportage „Prison“. Beim Nachrichten- und Doku-Sender Welt ist sie ab Sonntag, 17. März, 23.05 Uhr, in Erstausstrahlung zu sehen.

Der britische Dokufilmer Paddy Wivell und sein Team drehten über einen Zeitraum von sieben Monaten in Durham. Nach Aussage des Regisseurs hätten sie für ihren Film keinerlei Auflagen von der Gefängnisleitung oder dem englischen Justizministerium erhalten. Das überrascht umso mehr, da laut Wivell seit rund fünf Jahren kein Doku-Team mehr in einem englischen Gefängnis drehen durfte. „In dieser Zeit gab es immer wieder erschütternde Nachrichten über das Strafvollzugssystem. Ich wollte wissen, was in den Gefängnissen wirklich vor sich geht“, so der Filmemacher.

Selbsthass in kleinen Zellen

Durch wochenlange Vorarbeit mit vielen Gesprächen gewann Wivell sowohl das Vertrauen einiger Gefangener wie auch des Aufsichtspersonals. Erschüttert zeigt er sich über die psychische Verfassung der Inhaftierten. In Teil zwei der themengegliederten Dokumentation („Psycho“, Sonntag, 24. März, 23.05 Uhr) beispielsweise befindet er sich auf mit einer psychologischen Mitarbeiterin auf einem Rundgang durch den Knast. Sie sagt: „Wir haben hier rund 960 Inhaftierte. 600 von ihnen haben psychische Probleme. Ihr Selbsthass ist immer wieder schockierend.“

Wivells Kamera fängt sogar ein, wie dieser Selbsthass (zusätzlich befeuert durch in Körperöffnungen geschmuggelte Drogen) unmittelbar ausbricht. Er trifft den Aufseher John. Trotz massiver Attacken bleibt der Gefängnismitarbeiter überraschend abgeklärt.

„Hier werden Träume wahr“

In Durham ist es nicht nur das tägliche Katz-und-Mausspiel, das sich das Gefängnispersonal und die Insassen liefern, das erschüttert. Ebenso brutal gehen die Gefangenen auch miteinander um. Wivell weiß von einem labilen Straftäter der von seinen Mithäftlingen mit der Droge Spice vollgepumpt wurde. Er hatte gegen die internen Regeln verstoßen.

Drogen und auch Mobiltelefone kommen in den Knast durch mitunter lebensbedrohliche Aktionen. Ein Insasse schmuggelt sie in seinem Körper, obwohl er spindeldürr und ausgemergelt aussieht. Dafür bekam er auch schon Einzelhaft als Strafe. Einschüchtern lässt er sich dadurch nicht. Gegenüber Wivell erklärt er mit beißendem Sarkasmus: „Scheußlich? Hier werden Träume wahr.“

„Prison“, produziert von Spring Films für den britischen Sender Channel 4, wurde mit dem Broadcast Award 2019 als Beste Dokumentarserie ausgezeichnet und ist für den Programme Award der Royal Television Society nominiert, der am 19. März in London verliehen wird.

teleschau

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