Trauer um die „Goldene Stimme von Prag“

Schlagerstar Karel Gott ist gestorben

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Er wird für immer die „Goldene Stimme von Prag“ bleiben: Schlagerstar Karel Gott ist am Dienstag im Alter von 80 Jahren verstorben.

Über 50 Jahre lange stand er auf den Bühnen dieser Welt und begeisterte seine Fans. Jetzt ist Karel Gott, die legendäre „Goldene Stimme von Prag“, gestorben. Er wurde 80 Jahre alt.

Der tschechische Schlagerstar Karel Gott ist tot. Der Sänger, der als „Goldene Stimme von Prag“ berühmt wurde, verstarb am Dienstag kurz vor Mitternacht nach langer Krebserkrankung. Karel Gott, der in seiner Heimat den Beinamen „Meister“ hatte, wurde 80 Jahre alt.

Nach der erfolgreichen Behandlung eines Tumors vor vier Jahren ist der Krebs im Sommer 2019 zurückgekommen. Wie er vor wenigen Wochen in einem Interview mit der Tageszeitung „Blesk“ verriet, litt er an Leukämie. „Vor ungefähr anderthalb Jahren wurde bei mir eine Hämatopoese-Störung in Form eines myelodysplastischen Syndroms festgestellt. Trotz mehrerer Behandlungsmethoden ist diese Krankheit in den letzten Monaten leider in akute Leukämie übergegangen“, hat der Schlagerstar, der im vergangenen Juli seinen 80. Geburtstag feierte, dann auch via Facebook wissen lassen.

„Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld. Davon hab' ich schon als kleiner Bub' geträumt“, sang Karel Gott in seinem Hit „Einmal um die Welt“ aus dem Jahr 1967. Blickt man auf seine über 50 Jahre andauernde Bühnenkarriere, dann hat sich der Sänger seinen Traum erfüllt. Ob Auftritte in Dubai, Las Vegas, New York, China oder in seiner Heimatstadt Prag - der Tscheche war viel mehr als ein Schlagersänger, er war ein Weltstar. Dabei deutete zunächst wenig hin auf die schillernde Karriere des „Gott of Schlager“, wie ihn die „Süddeutsche Zeitung“ einst betitelte.

Geboren wurde Karel Gott am 14. Juli 1939 im westböhmischen Pilsen als einziges Kind von Karel und Marie Gott. Schon bald musste die junge Familie wegen der Unruhen des Krieges nach Prag ziehen. Bereits zu Schulzeiten am Gymnasium hatte es ihm die Musik angetan, und er trat mit Freunden in Tanzcafés auf. Nach der großen Musikkarriere sah es zunächst aber nicht aus. Weil Gott sich nach seinem Schulabschluss erfolglos um einen Platz an der Prager Kunstakademie bewarb, begann er 1959 stattdessen eine Ausbildung zum Elektrotechniker im Straßenbahnwerk CKD Stalingrad. Die Hoffnung auf eine Karriere abseits des Handwerks gab der junge Karel aber nicht auf. Mit einem Auftritt bei einem Gesangswettbewerb geriet er 1959 ins Visier des tschechischen Jazz-Sängers Karel Krautgartner, der ihn in seine Band aufnahm und ihm einen Studienplatz für Gesang am Prager Konservatorium verschaffte.

Der Beginn einer großen Karriere

Trotz der klassischen Ausbildung versuchte sich Karel Gott nach dem Abschluss als Jazzsänger und eiferte seinen Vorbildern Frank Sinatra und Dean Martin nach. 1963 veröffentlichte er mit einer tschechischen Version von Henry Mancinis „Moon River“ seine erste Single. Vier Jahre später ergab sich dann ein Engagement, das er selbst nie für möglich gehalten hätte - und zwar in Las Vegas. So hatte die schillernde Welt der Metropole eine neue Attraktion. „Sie suchten etwas Exotisches, etwas, das es noch nie dort gegeben hatte. Also sollte ein 'Ostblock'-Künstler her, ein Kommunist aus einem finsteren Land hinter dem 'Eisernen Vorhang'“, erinnerte sich Gott im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau.

Nach sechs Monaten beendete Karel Gott sein Abenteuer Amerika und kehrte in seine Heimat zurück. Endgültig öffnete sich die Tür zur Musikbranche schließlich 1968 mit der Teilnahme am Grand Prix Eurovision - und das, obwohl er mit dem Udo-Jürgens-Song „1000 Fenster“ nur den 13. Platz belegte. Fortan reihte sich Auftritt an Auftritt, etwa in der ersten Sendung der „ZDF Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck am 18. Januar 1969, wo er „Weißt du schon“ zum Besten gab. Für die Titelmelodie von „Dr. Schiwago“ erhielt der Künstler später seine erste goldene Schallplatte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Karel Gott ein Star. Er wurde „Sinatra des Ostens“ getauft und genoss das Leben in vollen Zügen - zahllose Romanzen inklusive. Mit dem Titelsong zu „Biene Maja“, eine von vielen erfolgreichen Zusammenarbeiten mit Komponist Karel Svoboda, setzte sich Gott 1976 schließlich ein Denkmal.

Spätberufener Ehemann

Voraussetzung für diese Erfolge war freilich die Reiseerlaubnis seitens der kommunistischen Regierung. In seiner Biografie „Zwischen zwei Welten: Mein Leben“ aus dem Jahr 2014 beschrieb Gott: „Ich versuchte stets, auch wenn das nicht wirklich möglich war, mich von allem Politischen abzuschotten und mir meine eigene Welt zu suchen, die der Melodie, der Töne, der positiven Nachrichten.“ Letztere gab es gerade während der Umbruchphase Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wenig. Stattdessen bestimmten Unterdrückung, politische Verfolgung und Berufsverbote das Leben in der Tschechoslowakei. Und auch Gott, obwohl betont unpolitisch, lernte die dunklen Seiten des Regimes kennen. Einige seiner Lieder wurden von der Regierung zensiert.

Dennoch: Mit 80 Jahren konnte Karel Gott auf eine Karriere zurückblicken, wie sie nur wenige Musiker erleben. Mehr als 900 Lieder, geschätzt 30 Millionen verkaufte Platten und scheinbar endlos viele Auszeichnungen zeichnen das musikalische Wirken des Tschechen aus. Und auch ihr privates Glück hatte die „Goldene Stimme aus Prag“ gefunden. Zu den erwachsenen Töchtern Dominika und Lucie kamen 2006 und 2008 noch Charlotte Ella und Nelly Sofie. Die beiden Letzteren brachte seine Ehefrau Ivana, die er 2008 in Las Vegas heiratete, auf die Welt. Sie haben den spät berufenen Vater jung gehalten, auch wenn er zuletzt immer wieder mit schweren Erkrankungen zu kämpfen hatte.

Nachdem er 2015 den Lymphdrüsenkrebs besiegte und 2017 einen Darmverschluss überstand, fand Karel Gott zunächst wieder den Weg zurück zur Arbeit und an die Öffentlichkeit. Im Märchenfilm „Das Geheimnis des zweiköpfigen Drachens“ spielte er an der Seite seiner 13-jährigen Tochter Charlotte Ella und lieferte auch den Titelsong.

Wie er bis zuletzt mit seiner schweren Erkrankung umging, sagte viel aus über den Menschen Karel Gott. „Ich wollte euch nicht mit meinen Problemen belästigen, ich bin nun mal keiner, der über sein Privatleben, besonders seine Gesundheit, öffentlich selbst spricht, und sich auf diese Weise bemitleiden lassen möchte“, zeigte er sich noch vor einigen Wochen auf Facebook seinen Fans gegenüber ehrlich.

teleschau

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