Es geht unter die Haut

Mordfall Mirco: Eltern bei ZDF-Vorpremiere mit Heino Ferch

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Heino Ferch und Johann von Bülow stehen im Kinopalast Vulkaneifel in Daun nach der Premiere des ZDF-Films "Ein Kind wird gesucht".

Das Schicksal von Mirco hat vor sieben Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Junge wurde entführt, ermordet und verscharrt. Jetzt ist der Fall Mirco wieder da: Als Krimidrama fürs Fernsehen.

Hunderte Polizisten durchkämmen Wiesen und Felder. Taucher suchen ­Bäche und Seen ab, ­Tornado-Jets mit Wärmebildkameras fliegen über Wälder. Alles vergebens. Sie finden keine Spur von Mirco. Sieben Jahre ist es her, dass das Verschwinden des zehnjährigen Jungen aus Grefrath am Niederrhein bundesweit für Aufsehen sorgte. Chefermittler Ingo Thiel und sein Team von der Kripo Mönchengladbach finden schließlich Mircos Leiche. Das Kind wurde missbraucht, ermordet und im Wald verscharrt. Das ZDF hat den Fall, der alle Beteiligten „für immer verändert hat“ ( so Thiel), verfilmt.

Am Freitagabend wurde Ein Kind wird gesucht erstmals beim Krimifestival „Tatort Eifel“ in Daun (Kreis Vulkaneifel) gezeigt. Im Publikum saßen auch Mircos Eltern und Geschwister. „Wir wollten gerne ­dabei sein“, sagt Mutter Sandra Schlitter. Der Film sei für sie ein Stück weit Aufarbeitung – wie auch das Buch, das die Eltern 2012 über Mirco veröffentlicht haben und das dem Drehbuch als Grundlage diente. „Der Film ist schon ziemlich realistisch“, sagt ­Sandra Schlitter nach der Vor­premiere.

Ein Drama, das unter die Haut geht, weil es pur und schnörkellos vom Unfassbaren erzählt. Auch wenn der Zuschauer weiß, wie der Fall ausgeht – es bleibt über 90 Minuten hochspannend. Das liegt auch an der hochkarätigen Besetzung mit ­Heino Ferch in der ­Rolle des Chefermittlers Thiel, der bei der Suche nach Mirco nie aufgeben will: „Wir lösen den Fall, wir finden den Jungen!“, sagt Ferch im Film. Für den Schauspieler war der Dreh im Frühjahr, in der Nähe der tatsächlichen Schauplätze, eine besondere Herausforderung: „Es ist schon was anderes, als wenn man fiktionale Rollen spielt.“

Er sei angetan davon, wie die Ermittler heute noch unter Strom stünden, wenn sie von dem Fall redeten. „Man merkt, wie das Adrenalin durch ihre Adern schießt.“

Heino Ferch beim Krimifestival „Tatort Eifel“. Der Schauspieler, der mit dem Roland-Preis ausgezeichnet wurde, spielt eine der Hauptrollen im ZDF-Drama, das den Fall Mirco aufrollt.

Packend auch der Part von Schauspieler Johann von Bülow, der Mircos Vater eindrucksvoll emotional umsetzt. Die Rolle sei „eine große Aufgabe“ gewesen. „Man hat das Gefühl, dass die Verantwortung größer ist, weil das eine lebende Person ist, mit der man sich im Vorfeld getroffen hat“, sagt er. Mircos Mutter wird von Silke Bodenbender gespielt, die das grausame Wechselspiel zwischen Hoffen und Bangen gelungen auf die Leinwand bringt.

Es sind zwei Ebenen, die im Film verwoben sind. Die Sicht der Familie – und die Suche der Ermittler nach der Wahrheit. Sie hatten im Herbst 2010 eine der bislang bundesweit größten Suchaktionen gestartet, mit einer 65-köpfigen Soko und rund 1000 Beamten im Einsatz. Der Zuschauer kann Schritt für Schritt verfolgen, wie die Soko nach etlichen Rückschlägen den Fall schließlich nach 145 Tagen löst und den Täter stellt. Ein Familienvater aus Schwalmtal, der beruflich unter enormem Druck gestanden haben soll, wird später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sehr beeindruckt ist das 30-köpfige Team, das den Film auf die Leinwand gebracht hat, von Familie Schlitter. Im Glauben tief verwurzelt hat sie dem Täter verziehen. Sie wolle nicht hassen, um weiterleben zu können, hat sie erklärt. „Wir haben die Schlitters als positive, lebensfrohe Familie kennengelernt, die uns das Recht gegeben hat, über Mirco einen Film zu machen – und ohne die es den Film nicht gegeben hätte“, sagt Nils Dünker von der Produktionsfirma Lailaps Pictures. Ein Kind wird gesucht wird Anfang 2018 bei Arte und im Frühjahr nächsten ­Jahres im ZDF gezeigt.

dpa

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