Schauspielerin im Interview

Ulrike Kriener: „Ich glaube wirklich an die Liebe“

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Ulrike Kriener spielt bereits seit 2003 die Titelrolle in der ZDF-Reihe „Kommissarin Lucas“.

Schauspielerin Ulrike Kriener erzählt im Interview, welche drei Dinge im Leben für sie essenziell sind, und sie verrät, wie ausgeprägt ihre anarchistische Ader ist.

Ulrike Kriener ist ein alter Hase im Schauspiel-Geschäft. Bereits seit 2003 hat sie ihre eigene ZDF-Reihe, „Kommissarin Lucas“, und die Episode „Familiengeheimnis“ (Samstag, 6. Mai, 20.15 Uhr) soll noch lange nicht der letzte Einsatz für die Schauspielerin als Ellen Lucas sein. Zwei weitere Filme mit ihr in der Hauptrolle stehen bereits fest. Ja, die 62-Jährige geht in Regensburg, wo „Kommissarin Lucas“ spielt, inzwischen beinahe als eine Touristenattraktion durch. Warum sie selbst sich mit den Folterkammern im Rathaus vergleicht, und ob sie manchmal auch privat in die Domstadt fährt, das verrät Ulrike Kriener im Interview.

nordbuzz: „Sie sind ein echter Regensburger, wenn Sie beginnen, 'Kommissarin Lucas' zu schauen!“, schreibt die „Mittelbayerische Zeitung“. Was sagen Sie dazu?

Ulrike Kriener: Wirklich (lacht)? Das ist doch schön.

nordbuzz: Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, und es gibt eine Statue von Ihnen vor dem Regensburger Dom ...

Kriener: Das wäre doch eine tolle Sache (lacht). Ich hatte vor ein paar Jahren einmal eine wirklich lustige Begegnung, als wir gerade für „Kommissarin Lucas“ gedreht haben. Ich bin morgens vom Hotel mit nassen Haaren, Kapuze auf dem Kopf und völlig ungeschminkt losgeschossen, um ins Masken-Mobil zu huschen. Ich musste dann auf dem Weg dorthin an einer Touristengruppe vorbei, der gerade von den Folterkammern im Rathaus erzählt wurde. Da drehte sich die Touristenführerin um, erkannte mich und meinte: „Ach ja, und hier da haben wir unsere Kommissarin Lucas.“ Da dachte ich so bei mir: Ja, ich bin wahrscheinlich schon so was Ähnliches wie die Folterkammer von Regensburg. Ich gehöre eben irgendwie dazu.

nordbuzz: Sie arbeiten jetzt seit 2003 in der Domstadt, freuen Sie sich noch auf die Dreharbeiten?

Kriener: Total. Ich fahre sogar privat immer mindestens einmal pro Jahr mit meinem Mann nach Regensburg. Ich finde es wirklich schön da, auch außerhalb meiner Arbeitszeit.

nordbuzz: Hätten Sie am Anfang gedacht, dass „Kommissarin Lucas“ so lange läuft?

Kriener: Nein, auf gar keinen Fall. Damit kann man ja gar nicht rechnen. Das hängt immer davon ab, ob so eine Reihe ihre Zuschauer findet.

nordbuzz: Und so hangelt man sich dann von einem Film zum anderen?.

Kriener: So war das tatsächlich in den ersten Jahren. Aber irgendwann hat sich die Lucas dann doch durchgesetzt.

nordbuzz: Im aktuellen Fall geht es unter anderem um das Treiben von Neonazis ...

Kriener: Unter anderem, aber hauptsächlich geht es in dem Film um diese „Gladio“ genannten Kampftruppen der Nato, die geheim waren und in der Zeit des Kalten Krieges entstanden sind. Das Brisante an der ganzen Geschichte ist, dass bei verschiedenen terroristischen Anschlägen in den 80er-Jahren Sprengstoff verwendet wurde, der aus einem solchen Gladio-Versteck kam.

nordbuzz: In dem Film versucht ein junger Neonazi dann auch mithilfe von Sprengstoff aus so einem Versteck, einen Anschlag auf eine Kirche zu verüben. Was denken Sie, im Angesicht solcher Unversöhnlichkeit und solchen Hasses?

Kriener: Ich denke, wenn man miteinander in Verbindung ist, miteinander redet, entsteht auch nicht so schnell Hass. Und ich hoffe, dass die Phase der Populisten dazu führt, dass die Gegenseite, die Demokraten wieder stärker werden und wir alle erkennen, was für ein großartiger Kontinent Europa ist.

nordbuzz: Es gibt einen Dialog im Film, in dem Kommissarin Lucas betont, froh zu sein, keine Kinder zu haben. Ihr wird geantwortet: „Ich glaube, deine Kinder wären keine Nazis geworden.“ Sie wiederum sagt: „Was macht dich da so sicher?“

Kriener: Ja, dieser Satz stand so nicht im Drehbuch, aber er war mir wichtig. Niemand kann vorhersagen, wie sich die eigenen Kinder entwickeln. Ich bin ganz sicher, dass die Eltern, deren Kinder sich vom sogenannten IS ausbilden lassen oder zum Kämpfen da runterfahren, keine Menschen sind, die alles falsch gemacht haben. Die haben auch ihre Kinder geliebt und versucht, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.

nordbuzz: Man kann als Eltern also nur hoffen, dass alles schon gut geht mit den Kindern?

Kriener: Genau. Glaube, Liebe, Hoffnung: Darum geht es doch im Leben.

nordbuzz: Und woran glauben sie?

Kriener: Ich glaube an das Leben, an Veränderung, und ich glaube wirklich an die Liebe.

nordbuzz: Ein weiterer Satz im Film lautet: „Es gibt Regeln, an die muss sich auch eine Kommissarin Lucas halten.“ Haben Sie diesbezüglich etwas mit Ihrer Rolle gemein?

Kriener: Ach ja, mein Mann sagt schon, ich hätte manchmal so 'ne anarchistische Ader. Aber ich finde die relativ human (lacht).

nordbuzz: Und wo sind Sie Ihrer Rolle überhaupt nicht ähnlich?

Kriener: Ich brauche mehr Verbindung mit anderen Menschen und ziehe mich nicht so zurück wie die Ellen Lucas. Und ich habe sicherlich mehr Humor. Den hat sie ja eher nicht so.

nordbuzz: Sie haben einmal gesagt, dass es ganz schön viel wird, mit den Krimis im deutschen Fernsehen: Finden Sie das immer noch?

Kriener: Ja, eindeutig. Wir haben die „Tatort“-Reihe, die „Polizeiruf“-Reihe, und viele viele mehr, ich würde mir manchmal einfach mehr Filme aus anderen Genres wünschen. Die gesellschaftlich relevanten Themen werden oft in Form eines Krimis behandelt. Damit unterliegen sie dem Diktat der Spannung, es gibt eine Geschichte um den Ermittler, und damit bleibt der Film thematisch oft an der Oberfläche.

nordbuzz: Welches Genre fehlt Ihnen in Deutschland besonders?

Kriener: Mir fehlt vor allem das politische Fernsehspiel. Von mir aus sollte es außerdem mehr Werke geben, die sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen lassen, wie Liebesfilme, Krimis oder Komödien. Ich wünsche mir mehr Filme, in denen einfach eine gute Geschichte erzählt wird.

nordbuzz: Von Ihren eigenen Krimis sind Sie aber wahrscheinlich noch überzeugt, sonst würden Sie die nicht mehr machen?

Kriener: Absolut. Ich sage ja nicht, dass alle Krimis schlecht sind, ich wünsche mir nur mehr andere Filme.

nordbuzz: Wie lange wollen Sie als Kommissarin Lucas noch weitermachen?

Kriener: Schauen wir mal. Solange meine Arbeit goutiert wird von den Zuschauern, solange die mich gerne sehen, kann ich mir vorstellen, das noch ein paar Jahre zu machen. Zwei weitere Filme stehen jetzt sowieso schon fest. Aber natürlich geht das auch irgendwann seinem Ende zu. Im öffentlichen Dienst gehen die Leute mit 60 in den Ruhestand.

nordbuzz: Können Sie sich etwa vorstellen, die Schauspielerei ganz sein zu lassen?

Kriener: Nö. Ich arbeite gerne. Das ist das Tolle an der Schauspielerei, dass man auch noch als Oma an den Start gehen kann. Wenn man gefragt ist, darf man weitermachen.

tsch

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