Shooting-Star im Portrait

Jannis Niewöhner: Ein Gesicht, an dem man derzeit nur schwer vorbeikommt

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Jungstar Jannis Niewöhner: ein Gesicht, an dem man derzeit nur schwer vorbeikommt. Dafür gibt es gute Gründe.

An Jannis Niewöhner führt momentan kein Weg vorbei, wenn es um die Besetzung großer Rollen geht. Dabei hatte der 25-jährige lange Zeit das Problem, dass er einfach zu gut aussah.

Wer wissen will, welcher junge Schauspieler gerade angesagt ist, muss sich nur das Fernsehprogramm vom 1. bis 4. Oktober anschauen. Mehr als eine halbe Woche lang füllt Jannis Niewöhner die Fernsehabende von ARD und ZDF. Von Sonntag bis Dienstag ist er am späteren Abend als Titelheld des österreichisch-deutschen Historien-Epos „Maximilian“ zu sehen, am Mittwoch dann zur besten Sendezeit an der Seite Edgar Selges und Franziska Walsers im ARD-Drama „So auf Erden“. Und dann wäre ja noch das Kino. Dort spielte Jannis Niewöhner neben seiner langjährigen Ex-Freundin Emilia Schüle gerade in „Jugend ohne Gott“ sowie in der Komödie „High Society“. Viel mehr geht nicht. Dass der zurzeit begehrteste Jungschauspieler Deutschlands dennoch auf dem Boden bleibt, hat er seinem besonderen Aufwachsen sowie einer frühen Lehrstunde über Schönheit zu verdanken.

Edgar Selge, der mit Jannis Niewöhner im sehr starken ARD-Drama „So auf Erden“ eine homoerotische Liebe teilt, lobt den jungen Kollegen in den höchsten Tönen. Er habe bisher kaum einen Schauspieler dieses Alters kennengelernt, der in seinem Spiel schon so weit ist. Aus dem Munde eines der anerkennt besten Mimen Deutschlands freut das den 25-jährigen Nachwuchsmann natürlich besonders. Der durchtrainierte, fast 1,90 Meter große Körper reckt sich noch ein bisschen weiter in die Höhe, um dann mit Blick auf Hafenkräne im Sonnenlicht wieder entspannt in einem der Konferenzstühle des ZDF-Landestudios Hamburgs zu versinken.

Jannis Niewöhner ist heute hier, um „Maximilian“ zu bewerben. Ein vor allem mit österreichischen Kreativen entstandener Historien-Dreiteiler über das späte 15. Jahrhundert. Niewöhner spielt den Titelhelden, einen Habsburger Thronfolger, der mit Maria von Burgund verheiratet werden soll. Eine erfreulich ernsthafte, eher dunkel inszenierte Geschichtslehrstunde. Noch beeindruckender ist seine Leistung jedoch in „So auf Erden“. Dort spielt Niewöhner einen drogensüchtigen Obdachlosen, der vom Pastoren-Ehepaar einer Freikirche wie ein Sohn aufgenommen wird. Bis der Pastor seine verdrängte Homosexualität entdeckt.

Dass der aus Krefeld stammende Jungschauspieler solche Rollen angeboten bekommt, war lange Zeit alles andere als selbstverständlich. Niewöhner war auf die Rolle des smarten Sonnyboy gebucht. So wie in der Teeniefilm-Reihe „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“. Auch heute noch besetzt man Niewöhner, der das große amerikanische Kino und vor allem Matt Damon liebt, für klassische Heldenrollen. Aber man denkt mittlerweile auch an ihn, wenn es um facettenreiche, fast quälend intensive Spielaufgaben wie in „So auf Erden“ geht.

Ist es schwierig, gute Rollen zu bekommen, wenn man zu gut aussieht? „Ich glaube“, antwortet Jannis Niewöhner, „es ist nur dann ein Hemmschuh, wenn man sich selbst darauf ausruht“. Wie viele schöne Menschen mit Grips im Kopf pflegt er nicht unbedingt das Selbstbild, ein besonders gut aussehender Typ zu sein. „Man kann gutes Aussehen als Ausgangspunkt nehmen, entsprechende Rollen zu spielen. Aber da will ich auf keinen Fall bleiben. Es war ganz klar, dass es weitergehen soll.“

Niewöhner wuchs als Einzelkind in einem WG-Haus auf. Seine Eltern arbeiteten als Lehrer, mit Freunden und Verwandten verfolgten sie ein offenes WG-Konzept. Jeder hatte seinen privaten Bereich, andere Räume hingegen wie Wohnzimmer oder Küche waren öffentlicher Raum, in dem man sich häufig traf. Mit zwei etwa gleichaltrigen Kindern, einem Cousin und einer Cousine, wuchs Jannis dort wie mit Geschwistern auf. Zu dritt spielte man den Erwachsenen früh kleine Stücke vor. Was auf fruchtbaren Boden fiel, weil Niewöhner senior Betreiber und Schauspieler des Krefelder Kinder- und Jugendtheaters „Komma“ war - und auch heute noch ist.

Damit war der frühe Weg des Sohnes in die Schauspielerei vorgeebnet. „Mein Vater bekam immer wieder Besuch von Castern, die Kinder und Jugendliche für Fernseh- und Kinorollen suchten. So kam ich mit zehn Jahren zu meiner ersten Rolle. Das war damals der zweite Münsteraner 'Tatort“. Weil der kleine Jannis seine Sache gut machte, blieb er wie andere „Filmkinder“ spielerisch begeistert am Ball. Drehen in den Schulferien oder auch mal in der Schulzeit - was die Eltern unterstützten, solange die Noten gut waren und der versäumte Stoff mit Nachhilfe aufgearbeitet werden konnte.

Irgendwann, etwa mit 15, kam der Moment, in dem klar wurde, dass hier ein Beruf an die Tür klopft. Einer, für den man Handwerkszeug, einen klugen, analytischen Kopf und eben nicht nur Instinkt braucht. Die Arbeit am Jugendfilm „Sommer“ öffnete Jannis Niewöhner damals diesen Horizont, weil ein Schauspiel-Coach zwei Wochen vor dem Dreh mit dem jungen Ensemble arbeitete, um es auf die Arbeit vorzubereiten. „Das war fast wie Schauspielschule und machte mir klar, dass es um mehr als nur um Instinkt geht. Diese zwei Wochen haben meinen Wunsch verfestigt, Schauspielerei wirklich als Beruf machen zu wollen.“

Bis 2015 erhielt Niewöhner trotzdem vorwiegend Rollenangebote, in denen er den jugendlich-attraktiven Helden zu geben hatte. Bis der viel gelobte Psychiatrie-Film „4 Könige“ der jungen Regisseurin Theresa von Eltz kam. „Beim Casting war der Höhepunkt meiner Frustration erreicht. Ich kam immer wieder in die Endrunde von interessanten Filmprojekten und habe die Rolle dann doch nicht bekommen, weil man mir sagte: Du bist zu glatt, die Kaputtheit glaubt man dir nicht. Da rasierte ich mir dann die Haare ab, zog eine Bomberjacke an und plötzlich ging es. Ich brauchte einfach mal eine Chance, mich anders beweisen zu dürfen.“

Dass er heute zwischen Maintream-Filmen, Arthouse und sogar ersten internationalen Projekten wie der Netflix-Serie „Berlin Station“ wechseln kann, findet Jannis Niewöhner gut. „Ich mag intensive, stille Dramen, die nah am Leben sind. Ich liebe allerdings auch die Größe und das Märchenhafte. Filme, die einen aus der Welt rausholen, einen andererseits aber auch wieder für die Welt motivieren. Nach dem Motto: Ich kann alles werden, alles schaffen. So etwas nimmt man als Zuschauer ins Leben mit.“

Jannis Niewöhner, der schöne, junge und reflektierte Mann mit ambitioniert-idealistischem Familienhintergrund, genießt sichtlich die Gunst der Stunde. Dennoch scheint er klug genug, sich nicht darauf ausruhen zu wollen. Schönheit ist ein Geschenk des Lebens, ebenso wie Talent. Während das eine vergeht, bleibt das andere einem erhalten. Die meisten Chancen bieten sich, wenn man gerade beides zur Hand hat. Jannis Niewöhner scheint dies trotz seines jungen Alters bereits verstanden zu haben - und seine Zeit zu genießen.

teleschau

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