Eimalige Sender-Konkurrenz am Samstag, 16. Mai

Sänger-Wettstreit zwischen ARD und ProSieben: Wer stellt den besseren ESC auf die Beine?

Späte ARD-Programmänderung für Samstag, 16. Mai: Nun wird es doch eine größere ARD-Show statt des abgesagten ESC-Wettbewerbs geben. Barbara Schöneberger moderiert aus der Hamburger Elbphilharmonie einen Wettbewerb der zehn besten Songs. Ben Dolic wird den deutschen Contest-Song „Violent Thing“ in der für Rotterdam geplanten Version aufführen.
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Späte ARD-Programmänderung für Samstag, 16. Mai: Nun wird es doch eine größere ARD-Show statt des abgesagten ESC-Wettbewerbs geben. Barbara Schöneberger moderiert aus der Hamburger Elbphilharmonie einen Wettbewerb der zehn besten Songs. Ben Dolic wird den deutschen Contest-Song „Violent Thing“ in der für Rotterdam geplanten Version aufführen.

Selbst aus dem Off schafft es Stefan Raab noch, die Unterhaltungsbranche durcheinanderzuwirbeln. Dreist organisierte er einen ESC-ähnlichen Länderwettkampf, der auf ProSieben zeitgleich zum Corona-„Notprogramm“ der ARD (Samstag, 16. Mai, 20.15 Uhr) ausgetragen wird. Welches Konzept ist das Bessere?

Klar, die offiziellen Markenrechte des Eurovision Song Contest liegen bei der ARD. Seit Menschengedenken ist das Erste die Heimat des europäischen Sängerwettstreits, der schon immer auch als völkerverbindende europäische Riesenparty gedacht war. Nur dass die richtige Party in diesem Jahr Pandemie-bedingt ausfällt. Als Ersatz fürs ESC-Spektakel aus Rotterdam glaubten die übertragenden Europa-Sender, sich mit einer jener derzeit üblichen Talk- und musikalischen Wohnzimmerkonzert-Schaltshows zufriedengeben zu können, wie sie am Samstagabend (16. Maui, ARD) unter dem Namen „Europe Shine A Light“ auch tatsächlich um 21.55 Uhr aus dem niederländischen Hilversum auf Sendung geht. Dieses Format, das eigentlich früher beginnt, wird in Deutschland zeitversetzt gesendet. Ursprünglich hätte man an jenem Abend von 20.15 Uhr bis 21 Uhr ein wenig aus Hamburg „vorgeglüht“, um dann zu den Kollegen in Holland abzugeben.

Weil Stefan Raab jedoch eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden stampfte („Free Eurovision Song Contest“, Samstag, 16. Mai, 20.15 Uhr, ProSieben), bei der bekannte Vetreter verschiedener Nationen tatsächlich live in einem Kölner Studio mit ihren Liedern um die Wette singen, reagierte die ARD und schob nun doch noch eine Art deutsche Abstimmung über die offiziellen ESC-Beiträge ins Programm. Barbara Schöneberger moderiert um 20.15 Uhr eine Show mit dem opulenten Titel „Eurovision Song Contest 2020 - Das deutsche Finale live aus der Elbphilharmonie“. Dabei stimmt die deutsche ESC-Jury über die zuvor in einem Halbfinale bestimmten beliebtesten zehn ESC-Beiträge des Jahres 2020 ab.

Einige Acts, so vermutet man, werden dabei dann doch „live“ in der Elbphilharmonie auf der Bühne stehen. Zumindest der deutsche Vertreter Ben Dolic soll dort - wegen der rein deutschen Jury außer Konkurrenz antretend - mit seiner für Rotterdam gedachten Original-Choreografie zum Song „Violent Thing“ zu sehen sein. Ein echter Pluspunkt des Originals.

Was „erlauben“ Stefan Raab?

Wer echte Musiker - wenn auch ohne Publikum - nacheinander auf derselben Bühne gegeneinander antreten sehen möchte, wird hingegen bei ProSieben besser aufgehoben sein. Um die Interpreten der Show, die allesamt mehr oder weniger bekannt sein dürften, wird wohl bis kurz vor der Sendung ein großes Geheimnis gemacht.

Immerhin hat die von Steven Gätjen und der ehemaligen ESC-Siegerin Conchita Wurst moderierte Show nun schon mal die Namen jener Nationen veröffentlicht, die bei Raabs Frontalangriff mit dabei sein sollen: Kroatien, Israel, Türkei, Dänemark, Schweiz, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Deutschland, Spanien, Polen, Bulgarien, Italien, Irland, Kasachstan. Für diese 15 - und wohl noch weitere - Länder treten prominente Musiker beim „Free European Song Contest“ live im Kölner Studio an, um mit den Songs für ihr jeweiliges Heimatland zu punkten. Dabei sollen Stimmung und der Geist des Formats in etwa jenem des „Bundesvision Song Contest“ entsprechen, den Raab über Jahre als innerdeutschen Länderwettkampf mit mal mehr, mal weniger prominenten Vertretern abhielt. Ohne Publikum könnte dies jedoch schwierig werden.

Auch die Punktevergabe in Raabs Show - über einen Auftritt des Show-Maestros im Rahmen des Formats wird nach wie vor spekuliert - richtet sich augenzwinkernd nach dem ESC Modell: Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen per SMS oder Telefonanruf abstimmen, während die anderen Länder durch „Sympathisanten“ des jeweiligen Künstlers vertreten werden. Auch sie geben per Schalte ihre Punkte ab, wobei niemand für das eigene Land beziehungsweise den eigenen „Star“ abstimmen darf. Das Punktesystem von ein bis acht, zehn und zwölf Punkten entspricht dem Modus des ESC.

Auch im Ersten greift man in Bezug auf die Punktevergabe an die „legitimen“ Länderkandidaten auf das offizielle Punktsystem zurück. Die zur Wahl stehenden zehn „Halbfinalsieger“ werden übrigens eine Woche zuvor in der Show „World Wide Wohnzimmer - das ESC Halbfinale 2020“ durch die Eurovisionsjury und Zuschauer-Votings ermittelt. Zu sehen war oder ist diese Auswahl „zehn aus 41“ am Samstag, 9. Mai, ab 20.15 Uhr, bei ONE, in der ARD-Mediathek und Online-Angeboten wie funk.de, eurovision.de und dem YouTube-Kanal von „World Wide Wohnzimmer“.

Welche Show nun die bessere sein wird, ist bei zwei noch ausstehenden Live-Sendungen natürlich reine Spekulation. Augenzwinkernder und überraschender - gerade was die Interpreten und ihre Songs betrifft - dürfte das ProSieben-Modell werden. Das offizielle Grand Prix-Gefühl samt Peter Urbans Stimme ist hingegen nur im Ersten zu haben, auch wenn dort wahrscheinlich mehr „live“ geschaltet als in der Elbphilharmonie am Stück gespielt wird. Trotzdem, das immer etwas altmodische, aber auch glamourös paneuropäische Original, ist eher hier zu finden. Selbst dann, wenn es bei Raab die bessere Show geben sollte.

teleschau

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