Brisanter Bericht

RTL-Reporter beim „Homo-Heiler“: So gefährlich sind „Konversionstherapien“

RTL-Reporter Dominique Fleckinger hat ein „Konversionstherapie“-Seminar besucht und dabei Erschreckendes zutage befördert.
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RTL-Reporter Dominique Fleckinger hat ein „Konversionstherapie“-Seminar besucht und dabei Erschreckendes zutage befördert.

„Es ist ok, so wie du bist“ - unter diesem Motto wirbt das Bundesgesundheitsministerium derzeit für ein Verbot sogenannter „Konversionstherapien“.

Die Befürworter dieser unwissenschaftlichen und gefährlichen Pseudo-Therapien glauben, dass jeder Mensch heterosexuell sei. Schwule oder Lesben müssten sich ihr Verhalten lediglich abtrainieren, um eine heterosexuelle Beziehung führen zu können. Möglich sei das mit Gebeten, aber auch mit Psychotherapie. Noch finden solche „Angebote“ auch in Deutschland statt, wie RTL-Reporter Dominique Fleckinger mit versteckter Kamera ermittelt hat. In einem Dorf an der polnischen Grenze hat er - gegen Zahlung einer Gebühr von 240 Euro - an einem Seminar des Vereins LeO e.V. teilgenommen. Man habe ihm dort eingeredet, er wäre „krank“ und könne seine Homosexualität mit Gesundbeten heilen, berichtet Fleckinger in seinem Beitrag, der jetzt auch auf rtl.de veröffentlicht wurde.

Laut einer 2018 veröffentlichten Studie der University of California haben sich rund 700.000 US-Amerikaner bereits einer „Konversionstherapie“ unterzogen. Vor allem christliche Organisationen bieten die angeblichen „Heilungen“ an. Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland an derartigen Programmen teilnehmen, gibt es nicht. Anwältin Gabriela Lünsmann vom Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) berichtet im RTL-Beitrag, dass hierzulande viele dieser „Therapien“ in geschlossenen Kirchengemeinden stattfinden und nur selten zur Anzeige gebracht würden. „Das ist der Punkt, wo Aufklärung greifen muss“, sagt sie.

Experten sind sich einig: Homosexualität kann nicht „therapiert“ werden - und sollte es auch nicht. Denn sie ist etwas ganz Normales. Sogenannte „Konversionstherapien“ können also nur scheitern. Und nicht selten hinterlassen sie bei den Betroffenen bleibende Schäden. So steigt das Risiko für Depressionen und sogar für Suizid, sagen Experten.

Auch deshalb will Gesundheitsminister Jens Spahn „Homo-Heilungen“ verbieten. „Homosexualität ist keine Krankheit“, so Spahn auf der Internetseite seines Ministeriums. „Ein Verbot ist auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen an alle, die mit ihrer Homosexualität hadern: es ist ok, so wie du bist.“ Ein Gesetzesentwurf aus seinem Haus sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder ein hohes Bußgeld für Anbieter von „Konversionstherapien“ vor. Voraussichtlich im kommenden Jahr soll das Gesetz in Kraft treten.

teleschau

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