Ein Raum, viele Schicksale: Zu Besuch im Halbstundenhotel

Room 104

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Ex-„Dawson's Creek“-Star James van der Beek ist eines der bekannteren Gesichter, die im „Room 104“ einchecken. Er ist in der Episode „Pizza Boy“ zu sehen.

Die HBO-Serie „Room 104“ erzählt in abgeschlossenen Episoden jeweils eine Kurzgeschichte über die sehr unterschiedlichen Bewohner eines nur einzigen Hotelzimmers.

Irgendein Hotelzimmer in irgendeiner Gegend, irgendwo in Amerika: Wie viele Menschen mögen dort im Laufe der Zeit wohl schon genächtigt haben? Und was könnte da möglicherweise passiert sein? Es ist ja schon so, wenn ein Gast ein Hotelzimmer betritt, findet er es stets akkurat und aufgeräumt vor. Nichts soll auf frühere Bewohner hindeuten. Doch bereits ein kleiner Fleck auf dem Teppich könnte auf ein womöglich dramatisches Schicksal hinweisen. Und was so manche in den Betten getrieben hatten, wollen wohl auch nur die wenigsten wissen. Oder ist es vielleicht doch interessant? Mit solchen Grundgedanken haben die Brüder Jay und Mark Duplass jongliert und daraus eine Serie kreiert, in der es um nur ein einziges Hotelzimmer geht: jenem titelgebenden „Room 104“. Das Besondere: Die HBO-Serie besteht aus zwölf jeweils abgeschlossenen, 30-minütigen Episoden. Bei Sky Go ist sie ab Donnerstag, 21. September, wahlweise auf Deutsch oder im Original zu sehen.

Es ist immer wieder das gleiche. Zu Beginn jeder einzelnen Folge betritt irgendwer den „Room 104“. Das kann ein widerwilliger Vater mit seinem elfjährigen Sohn sein, eine Tänzerin, ein Geschäftsmann oder ein alterndes Paar, das sich noch einmal einen wunderschönen zweiten Flitterabend machen will. In jeder der insgesamt zwölf Episoden der ersten Staffel der HBO-Serie hatte niemand der Genannten jemals etwas mit dem anderen zu schaffen oder weiß von dessen Existenz. Zugleich ist ihnen nur, dass sie eben in jenem besagten Zimmer übernachten.

„Wir reisen viel. Und oft kann man doch in einem Hotelzimmer denjenigen, der dort zuvor übernachtet hat, noch riechen und spüren“, sagt Serienschöpfer Mark Duplass. Aus dieser Grundidee habe er gemeinsam mit seinem Bruder eine Sammlung von Kurzgeschichten entwickelt. Für einen ganzen Film hätte keine von diesen gereicht, so Duplass weiter. Die Lösung also: kurze knackige Storys, erzählt in nur 30 Minuten. Bei den einzelnen Kammerspielen sollte der Zuschauer niemals wissen, was ihn erwarten könnte. Vorgaben an die vornehmlich jungen Regisseure war: Jede Episode muss binnen drei Tagen abgedreht sein, die gesamte Handlung muss in dem Hotelzimmer stattfinden.

Tatsächlich gelang durch diese Begrenzung ein beinahe schon wildes Potpourri durch die Genres. Regisseurin Sarah Adina Smith, die die Pilotfolge „Ralphie“ inszenierte, erklärte: „Wenn einem zu viel Freiheit gegeben ist, kann das schließlich für die Kreativität toxisch sein.“ Sie beispielsweise fand in dem kleinen „Room 104“ eine Horrorgeschichte. Darin soll eine Babysitterin auf einen elfjährigen Jungen aufpassen. Doch das Kind, das sich zunächst im Bad versteckt, scheint nicht allein zu sein.

In einer anderen Folge dagegen geht es alltäglicher zu. Die meiste Zeit der verfügbaren 30 Minuten telefoniert ein Mann nur mit seiner Mutter. Verzweifelt versucht er ihr zu erklären, wie sie ihm ein wichtiges Manuskript per E-Mail senden kann.

Die Sprünge von einem Schicksal zum nächsten im „Room 104“ erfreute zum Start der Serie Ende Juli bei HBO wohl sehr viele Voyeure. Diese Freude am Zuschauen eines Lebens anderer veranlasste den Sender, die Reihe bereits frühzeitig zu verlängern. Eine zweite Staffel wurde bereits bestellt.

teleschau

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