„Ich habe mir wegen Britney Spears eine Glatze rasiert!“

Riccardo Simonetti im Interview

Die langen Haare sind eines seiner Markenzeichen. Kaum zu glauben, dass sich Riccardo Simonetti einst eine Glatze rasierte - weil es sein Idol Britney Spears auch tat!
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Die langen Haare sind eines seiner Markenzeichen. Kaum zu glauben, dass sich Riccardo Simonetti einst eine Glatze rasierte - weil es sein Idol Britney Spears auch tat!

Riccardo Simonetti (26) hatte von klein auf einen Traum: Er wollte ein Star werden! Das hat er geschafft, er ist einer der schillerndsten Entertainer Deutschlands. Aber der Weg dahin war hart.

Gemobbt, bespuckt, verprügelt, beleidigt: Riccardo Simonetti (26) hat auch die krassesten Formen von Mobbing am eigenen Leib erfahren. Kaum zu fassen, aber leider wahr: Als er 16 Jahre alt war, wurde er sogar im Schulbus angezündet. Er kämpfte sich dennoch durch. Heute setzt Simonetti seine Popularität zum Kampf gegen Mobbing und für Toleranz ein - an vielen Fronten, unter anderem bei einer Aktion des Senders Cartoon Network.

nordbuzz: Sie sind Botschafter des Anti-Mobbing-Projektes „Team Buddy“ des Kindersenders Cartoon Network. Sie haben mit „Raffi und sein pinkes Tutu“ ein Kinderbuch geschrieben, das für Toleranz wirbt. Woher kommt dieser Einsatz gegen Mobbing und für Toleranz?

Riccardo Simonetti: Ich bin schon immer offen mit dem Thema Mobbing umgegangen und habe selbst Initiativen gestartet. Cartoon Network hat mich sehr schnell überzeugt, die haben eine tolle Website (https://teambuddy.cartoonnetwork.de , d. Red.) am Start mit Tipps und Tricks und Informationen und Hilfsmitteln. Das hat mir total gefallen, weil sie den Einfluss nutzen wollen, den sie auf junge Menschen haben und wirkliche Hilfe anbieten wollen. Und zu meinem Kinderbuch: Ich glaube, dass man Themen wie Mobbing vielleicht nicht komplett aus der Welt schaffen, aber zumindest dafür sensibilisieren kann, wenn man Kindern früh genug beibringt, dass es okay ist, wenn man anders ist und mal nicht so, wie alle anderen. Ich versuche auch, allen jungen Menschen beizubringen, dass sie sich nicht schämen sollen, wenn sie merken, dass sie anders sind. Wer gemobbt wird, schämt sich. Heute rate ich deshalb immer allen, die sich anders fühlen: „Akzeptiere dich so wie du bist. Je früher du verstanden hast, wer du bist, umso besser wird dein Leben.“

„Ich lebte wie ein Star! Der Schulbus war mein Privatjet!“

nordbuzz: Sie haben selbst reichlich Erfahrung mit Mobbing und „anders sein“...

Simonetti: Ich wollte mit vier schon Schauspieler werden. Ich spielte als Kind mit Puppen und Autos. Ich trug in der Grundschule Klamotten mit Pailletten. Damit war man im oberbayerischen Bad Reichenhall eindeutig „anders“. Und deshalb wurde ich ausgegrenzt, gemobbt, attackiert, bespuckt, geschlagen. Als ich 16 war, hat einer versucht, mich im Schulbus anzuzünden.

nordbuzz: Wie haben Sie diese Phase überstanden?

Simonetti: Es war keine Phase, es war mein Alltag. Jahrelang. Ich bin da rausgekommen, weil ich Träume hatte. Wenn du Träume hast, glaubst du automatisch daran, dass du eine Zukunft hast, die es wert ist, erlebt zu werden. Einer meiner Lieblingsfilme ist „Arielle, die Meerjungfrau“. Arielle ist als Fantasiefigur eine große Inspirationsquelle in meinem Leben, nicht nur das ewige Haarvorbild. Die hat auch das Unmögliche wahr werden lassen und sich gegen ihre Gesellschaft gestellt und ihre Träume verwirklicht - das fand ich immer inspirierend. Von Arielle kann man, glaub' ich, ganz viel lernen. Mich hat jedenfalls meine Fantasie gerettet.

nordbuzz: In dieser Fantasie waren Sie ein Superstar?!

Simonetti: Ja. Ich habe mich damals auch entschlossen, wie ein Star zu leben. Mein Schulbus war für mich mein Privatjet. Wenn ich aus dem Haus ging, habe ich meine Hand vors Gesicht gehalten wie das Stars wie Lindsay Lohan wegen der Paparazzi-Fotografen gemacht haben. Ich habe das einfach imitiert. Und habe mich auch so angezogen, als würde ich nicht in die Schule sondern zur Fashion Week gehen. Ich habe mich entschlossen, so zu leben und das so vom Universum einzufordern. Und genauso ist es ja auch gekommen.

„Mit 14 habe ich mir eine Glatze rasiert. Wegen Britney!“

nordbuzz: Britney Spears ist eine Ihrer großen Ikonen?

Simonetti: Ja. Neben Lindsay Lohan und Marilyn Monroe. Mein Tattoo „All I ask for is my right to twinkle“ („Alles was ich will, ist mein Recht zu funkeln“, d. Red.) beruht auf einer Marilyn-Aussage. Deshalb habe ich auch mein erstes Buch 2018 so - „Mein Recht zu funkeln“ - genannt. Und Britney verehre ich. Als sie sich damals eine Glatze rasierte, habe ich das auch getan - mit 14 Jahren!

nordbuzz: Ist das Marilyn-Tattoo Ihr wichtigstes?

Simonetti: Ich habe insgesamt 13 Stück. Aber das wichtigste ist das, das keiner sieht. Ich habe mir „Superstar“ mit weißer Tinte über das innere Handgelenk stechen lassen. Das ist für mich ein Mantrawort, das mir gute Gedanken schickt, wenn ich mal unsicher bin und grade nicht weiß, wer ich bin.

nordbuzz: Sie sind berühmt, beliebt, omnipräsent auf den roten Teppichen zwischen Bambi- und AIDS-Gala und Beauty-Events oder im TV bei „Genial daneben“ und Quizshows. Sie wurden von „Forbes“ unter die „30 einflussreichsten Menschen unter 30“ gewählt. Ist so ein Star wirklich auch mal unsicher?

Simonetti: Absolut! Die „Forbes“-Auszeichnung war eine große Ehre, für die ich dankbar bin. Ebenso dafür, dass meine Fans mich so unterstützen. Aber mit all dem kommt auch eine größere Verantwortung. Plötzlich nimmt man mich als Vorbild wahr - und daran werde ich gemessen. Aber ich bin ja in erster Linie Entertainer und vor allem auch nur ein 26-jähriger Junge.

„Fans zu treffen, ist das Allertollste für mich!“

nordbuzz: Also hat das Star sein doch auch Nachteile?

Simonetti: Ich habe mir früher immer ausgemalt, wenn du ein Star bist, dann bewundern dich die Leute, respektieren dich und fassen dich mit Samthandschuhen an. Die Realität sieht aber einfach ganz anders aus. Ich werde immer erkannt. Täglich. Mich stört das ja gar nicht. Es stört mich auch nicht, wenn jemand fragt, ob er ein Foto machen kann. Im Gegenteil die Leute machen dir damit ja ein Kompliment. Es ist für mich das Allertollste an wirklich jedem Tag, Fans zu treffen, denen gefällt, was ich tu'.

nordbuzz: Aber?

Simonetti: Schwierig wird es, wenn die Leute gar keine Grenzen kennen. Manche Leute denken, du gehörst ihnen und sie haben das Recht, alles mit dir zu machen, was sie wollen, dich überall anzufassen. Wie oft saß ich schon irgendwo, und es kommt jemand - und zwar kein Teenager - und wuschelt mir von hinten durch die Haare. Erwachsene Menschen, und die dann so: „Och, du bist ja so süß, du hast so schöne, lustige Haare.“ Ich denk' mir dann: „Ja, diese Haare wurden zwei Stunden frisiert, damit sie so aussehen, wie sie eben noch aussahen!“ Ich meine, zu Sylvie Meis würde doch auch keiner hingehen und ihr eben mal durch die Haare wuscheln. Ich habe noch nie nein zu jemandem gesagt, aber es ist einfach komisch, wenn dir eine völlig fremde Person einfach unter dein T-Shirt greift, um deine Brustmuskeln zu fühlen. Das ist passiert. Auch, dass mich jemand verklagt hat, nur um meine Aufmerksamkeit zu kriegen, um mir dann zu beichten, dass er ein riesengroßer Fan ist. Also, das ist dann doch schon verrückt, oder?

nordbuzz: Die Geister, die man rief?

Simonetti: Ich habe einfach gemerkt, dass es auch schon schwierig wird, wenn sich alle für deinen besten Freund halten. Und das hat jetzt nichts mit Undankbarkeit zu tun, denn ich nehme mir jeden Tag unheimlich viel Zeit für Fans - und es sind viele. Ich glaube, ich versuche gerade, ganz viele Dinge zu lernen. Auch um mich nicht zu verlieren.

nordbuzz: Was meinen Sie konkret?

Simonetti: Ich denke zum Beispiel oft drüber nach, wegzuziehen. Einfach in ein Land, wo man ein bisschen befreiter auf die Straße gehen kann. Nicht, weil mich die Fans stören, gar nicht. Aber weil ich gar nicht mehr weiß, wie das ist: ein Leben zu führen, ohne von irgendwem be- oder verurteilt zu werden. Ich merke, dass ich so viel über Dinge nachdenke - und das sollte ich vielleicht gar nicht. Also überlege ich, ob meine Zukunft nicht auch in einer anderen Stadt liegen könnte. Ich will Leute unterhalten, das ist das einzige, was ich richtig gut kann. Deshalb denke ich mir dann aber auch wieder: Ich kann Deutschland gar nicht verlassen, weil: Deutschland braucht mich!

teleschau

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