Auf ARD und ZDF

Relevant frühstücken: „MoMa“ wird 25

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Dunja Hayali moderiert mit ihrem Kollegen Mitri Sirin das ZDF-Morgenmagazin. In diesem Jahr feiert die Sendung ihr Jubiläum.

Entgegen aller Frühstückfernsehen-Klischees und trotz der digitalen Revolution etablierte sich das Morgenmagazin in 25 Jahren als Info-Medium von größter Relevanz.

Wenn sich ein Großteil der Deutschen wochentags aus dem Bett quält, stehen sie schon lange frisch und informiert im Studio: Seit 25 Jahren wissen die Moderatoren und Mitarbeiter des Morgenmagazins früher als alle anderen um die Themen des Tages. Dass das von ARD und ZDF im Wochenrhythmus abwechselnd produzierte und ausgestrahlte Format in diesem Jahr bereits ein Vierteljahrhundert lang auf Sendung geht, ist indes keine Selbstverständlichkeit: Galt es Anfang der 90er-Jahre zunächst, die hiesige Skepsis gegenüber dem genuin US-amerikanischen Frühstücksfernsehen zu überwinden, stand mit dem Internet bald ein Riesenkonkurrent ins Haus - hatte man das Morgenmagazin 1992 doch ins Leben gerufen, um die Zuschauer bereits morgens über den damaligen Irak-Krieg zu informieren. 25 Jahre, eine digitale Revolution und einige politische Aufreger später existiert das „MoMa“ noch immer - lebendiger, frischer und auch relevanter denn je.

Online konnte man sich noch nicht informieren

Es waren die, mancher würde sagen: seligen Zeiten in einer Welt ohne Twitter, Facebook und Co., als das Morgenmagazin am 13. Juli 1992 erstmals in der ARD ausgestrahlt wurde. Aber so selig waren sie gar nicht, jene Zeiten: Der Zweite Golfkrieg tobte, der Informationsdurst war riesig - doch online konnte man sich noch nicht informieren.

In unscharfen, grün-schwarzen Bildern verbreitete Neuigkeiten über einen Krieg: der Anlass zur Gründung des „MoMa“ war ernst. Während RTL und SAT.1 bereits zuvor mit den boulevardeskeren Spielarten des typischen US-Frühstücksfernsehens experimentiert hatten, setzten ARD und ZDF auf journalistische Information. Ein Standard, der im Laufe der Jahrzehnte beibehalten wurde - wenn auch ergänzt durch mehr von dem, was man früher „Buntes“ nannte.

Die Mischung, die das „MoMa“ einzigartig machte

Der Sport erhielt eine größere Aufmerksamkeit, ebenso das ausführliche Wetter, es gab immer mehr lockere Alltagsbeiträge sowie Berichte aus Kunst und Kultur. Es war stets die Mischung, die das „MoMa“ einzigartig machte: Wo sonst gibt es erst einen Beitrag zu fettarmer Ernährung, dann ein Interview mit Kanzleramtsminister Altmaier und schließlich einen Nickelback-Auftritt zu erleben? Ein „MoMa“, das soll vor allem auch unterhalten.

Im Kern jedoch blieb die seit Jahren wachsende Sendung, die heute durchschnittlich vier Millionen Zuschauer lockt (1992: 1,76 Mio.), ein politisches Magazin zum Tages- und Wochengeschehen. Berichte, Reportagen und vor allem Interviews mit Politikern und Experten setzen auf denjenigen Teil der Zuschauer, der vor dem Arbeitsbeginn schon mit Nachrichten und Einschätzungen versorgt sein will. Ohne dabei auf Smartphone oder Laptop schauen zu müssen, muss man heute hinzufügen.

Von Maybritt Illner über Gundula Gause bis Steffen Seibert

20,1 Prozent Marktanteil 2016 sowie 1,09 Millionen Zuschauer bei den 14- bis 49-Jährigen sprechen eine deutliche Sprache: Das „MoMa“ hat den gesellschaftlichen Wandel hin zur partikularen Informationsbeschaffung im Netz gut überstanden. Zu einem nicht geringen Teil liegt das daran, dass sich das aus Köln (ARD) und Berlin (ZDF) sendende Magazin vom Klischee des Happy-People-Kaffeeklatsches immer zu distanzieren verstand. Insbesondere mit den politischen Krisen und gesellschaftlichen Debatten der vergangenen Jahre etablierte sich das „MoMa“ nicht nur weiterhin als seriöses Diskussions-Medium, sondern setzte die Schwerpunkte und Relevanz im deutschen Journalismus einfach selbst. Davon zeugen auch die großen Namen, die das Morgenmagazin in jungen Jahren durchliefen, und später ganz oben landeten - von Maybritt Illner über Gundula Gause bis Steffen Seibert.

Aufklärungsanspruch in von Internet-Hasspostings und Fake-News geprägten Zeiten

Dass das Morgenmagazin bisweilen als Leitmedium und Agenda-Primus wahrgenommen wird, liegt heute natürlich auch an ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die mit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 vieles wagte: Ihr Versuch, mit AfD-Anhängern auf einer Demo in Erfurt zu sprechen, wird ebenso im medial-politischen kollektiven Gedächtnis bleiben, wie die Farce um den (letztlich geplatzten) „MoMa“-Besuch von Frauke Petry, die Hayali kürzlich „mehr Aktivistin denn professionell arbeitende Journalistin“ schimpfte. Vielleicht kann es für eine Moderatorin mit Haltung und für ein 25-jähriges Magazin mit Aufklärungsanspruch in von Internet-Hasspostings und Fake-News geprägten Zeiten keine passendere Bestätigung geben.

Gefeiert wird das Vierteljahrhundert natürlich vor allem im Morgenmagazin selbst: Das ZDF begeht die Geburtstagssendung am 20. Juli. Dann sollen die 25 besten „MoMa“-Momente aus 25 Jahren gezeigt werden. Eine große Geburtstagsfeier mit allen aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern steht selbstverständlich auch an - allerdings ohne Kameras.

tsch

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