Ab Freitag, 11. August

Darum gehen Shows wie „Promi Big Brother“ nie Kandidaten und Zuschauer aus

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Willkommen in „Deutschlands ungerechtester Herberge“, heißt es ab 11. August wieder bei SAT.1: Zwölf Prominente tauschen ihr Leben auf dem roten Teppich gegen ein Leben unter 24-stündiger Kamerabeobachtung im „Promi Big Brother“-Haus ein.

Ring frei: „Promi Big Brother“ geht bei SAT.1 in die fünfte Runde. Reden wir nicht drumherum: Natürlich geht es hier ums Geld.

Wer bei einer Show wie „Promi Big Brother“ (ab Freitag, 11. August, 20.15 Uhr, bei SAT.1) antritt, darf sich über eine satte Gage freuen. Allerdings versichern die Kandidaten von sogenannten Promi-Reality-Formaten stets vehement, dass der schnöde Mammon nicht der einzige Anreiz ist. Bei Weitem nicht. Die meisten der Stars haben die großen Zeiten auf den Roten Teppichen hinter sich. Sie hoffen auf einen Neuanfang, die Jüngeren spekulieren auf die Initialzündung zum Karrierestart. Und das nicht mal ganz zu Unrecht.

Schließlich wird das Treiben im Haus nicht nur von den unzähligen SAT.1-Kameras begleitet und in diversen einschlägigen Formaten des Senders kommentiert. Auch der Medienhype ist enorm. Immer mehr Online-Portale springen auf den Reality-TV-Zug auf, berichten in hoher Frequenz über Pseudoskandale, stürzen sich wie ausgehungerte Wölfe auf angebliche Affären, jazzen jeden dadaistischen Dialog und Versprecher hoch, analysieren auch die randständigsten Details. Warum? Natürlich weil es geklickt wird.

Und, siehe da, dank manigfaltigen Reaktionen in den Sozialen Medien sind die vermeintlichen oder in Vergessenheit geratenen Stars und Sternchen plötzlich gefühlt omnipräsent. Man kennt diese Wechselwirkung ja schon lange vom RTL-Dschungel: Der Medienrummel schießt mit sicherem Reflex weit übers Ziel hinaus und überhöht so ein an sich banales Format zu einem bedeutsamen Ereignis.

So geschah es zuletzt immer wieder bei einschlägigen Abenteuer-, Container-, Wettkampf- oder Reise-Shows mit sogenannten „C-Promis“, die als miteinander interagierende und kommunizierende Teilnehmer das Ganze tragen müssen. Eigentlich hat man alles gesehen, und sowohl der Zuschauer als auch der Kandidat ist längst von der letzten Illusion befreit: Diese gnadenlos transparenten Shows haben auch noch den letzten Hauch des Mysteriums pulverisiert, welches das Fernsehen einmal war. Sie zeigen alles, bedienen unverhohlen den Voyeurismus, und jeder weiß, wie viel hier echt ist und wie viel vom Sender kommt, um der Dramaturgie auf de Sprünge zu helfen. Jedem Kind ist klar, dass die Formate vonseiten seiner Macher nach dem inzwischen bekannten Schema-F besetzt und mit sogenannten „Challenges“ und allerhand weiteren Vorgaben choreografiert und auf Temperatur gebracht werden.

Für die Kandidaten ist das Ganze fraglos eine knüppelharte Angelegenheit. Aber der steinige Weg durch eine solche Ochsentour könnte sich lohnen. Denn es gibt kaum ein besseres Schaufenster und keine geeignetere Stellschraube für die eigene Reputation. Wer es schafft, sich in dem zwischen inszeniertem Schmierentheater und authentischer Alltagsstudie oszillierendem TV-Format halbwegs integer aus der Affäre zu ziehen, darf sich über neue Popularität, Impulse für die Karriere und nicht zuletzt ein gesteigertes Selbstbewusstsein freuen. Ben Tewaag, der „Promi Big Brother“ 2016 gewann, brachte es jubelnd auf den Punkt: „Ich stehe vor neuen Tatsachen. Vielen Dank!“

Dafür dass auch das Publikum auf seine Kosten kommt, sorgt in erster Linie das Prinzip Fallhöhe: Den bekannten Gesichtern aus dem Fernsehen aus der Couch-Perspektive beim Maden kauen zuzusehen oder schadenfroh die Schmach mitzuerleben, wie sie von der Schampus-Etage in den staubigen Keller degradiert werden, ist für erstaunlich viele alltagsgeplagte Menschen offenbar genau die richtige Dosis Eskapismus. Neben dieser von Neid und Missgunst gespeisten Zuschauerlust spielt aber andererseits wohl auch die Freude am Gönnen eine Rolle: Man fiebert einfach gerne mit dem authentischen Kandidatentypus. Mit jenen Promis, denen es gelingt, ihren öffentlichen Stempel abzulegen und die Schublade, in der sie oft seit Jahren festsitzen, zu überwinden - siehe Tewaag, der sich bei „Promi Big Brother“ als netter, patenter Kerl entpuppte.

Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 12,89 Prozent in der klassischen Zielgruppe (Zuschauer 14- bis 49 Jahre) und 10,36 Prozent beim Gesamtpublikum schnitt die vergangene Staffel schlechter ab als alle anderen, war aber trotzdem kein Flop für den Sender, der am Ende des Jahres 2016 auf eine durchschnittliche Quote von 8,7 Prozent in der Zielgruppe kam.

Was bleibt SAT.1 also, außer wieder jede Menge „Zicken-Zoff“, „heiße Dusch-Szenen“ und „Macho-Gehabe“ anzukündigen und die durchaus wichtige Frage aufzuwerfen: „Was geht im Whirlpool?“ - Sobald „die ungerechteste Herberge Deutschlands“ mit Leben gefüllt ist, werden wir es miterleben. Allerdings bleibt auch vor der fünften Saffel geheim, welche zwölf Kandidaten im Kulissenhaus in Köln mit von der Partie sein werden. Natürlich sickerten wie immer Namen durch, die es aber sowieso nur beim Boulevard-interessierten Publikum klingeln lassen. Von „Lindenstraße“-Tunichtgut Willi Herren bis Ex-„DSDS“-Kandidatin Monique Simon reicht das Spektrum der Charaktere, die sich in den Ring stellen sollen. Auch Mode-Designerin und Society-Lady Sarah Kern und Mister Germany Dominik Brunter werden vorab hochgehandelt.

Feststeht indes die Besetzung, mit der SAT.1 auf Sendung geht. Jochen Schropp (38) und Jochen Bendel (49) präsentieren die täglichen Hauptsendungen zwei Wochen lang. Los geht's zunächst um 20.15 Uhr, ab Samstag, 12. August, beginnt ihre Show um 22.15 Uhr. Sicher ist auch, dass Melissa Khalaj (28) und Aaron Troschke (27) die „Promi Big Brother - Late Show“ täglich live auf PromiBigBrother.de präsentieren. Melissa Khalaj meldete sich bereits letztes Jahr zusammen mit Jochen Bendel täglich live in der nächtlichen Sendung auf Sixx, um die Geschehnisse aus dem „Promi Big Brother“-Haus zu kommentieren. Nun gibt es die „Late Show“ allerdings nur noch online zu sehen.

Aaron Troschke wiederum, „Promi Big Brother“-Gewinner von 2014, präsentierte schon 2016 täglich auf promibigbrother.de seine „Newsshow“, in der er aktuelle Diskussionen zu „Promi Big Brother“ aufgriff. Der 27-Jährige freut sich darüber, nun bei der „Promi Big Brother - Late Show“ dabei zu sein: „Ich bin scharf auf die neue Staffel 'Promi Big Brother' - das Ding wird abgehen, als ob man zu scharf gegessen hat.“ Ein prächtiges Musterbeispiele des Nutznießers des Prinzips Reality-Show.

Fast noch besser passt aber Jenny Elvers in das Schema: Vor vier Jahren lebte auch sie überaus erfolgreich im „Big Brother“-Haus: Sie wurde 2013 im Finale mit über 70 Prozent der Zuschauerstimmen zur ersten „Promi Big Brother“-Gewinnerin gewählt. Erfahrung genug also, um sich nun dem Trubel von der anderen Seite zu stellen. Für die fünfte Staffel fungiert die 45-Jährige als Expertin im „SAT.1-Frühstücksfernsehen“, das wochentags täglich ab 5.30 sendet. Zwei Wochen lang soll die Schauspielerin jeden Morgen die Ereignisse im Haus kommentieren und einordnen; los geht es auch für sie am Freitag, 11. August. Besonders brisant: Laut Informationen der „Bild“ soll auch Elvers Ex-Freund Steffen van der Beeck ins Haus einziehen ... - Wie war das noch gleicht mit den Wechselwirkungen von Format, Kandidat und Medien? Mögen die Spiele beginnen!

teleschau

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