Das sympathischste Gesicht des Schlagers

Portrait zum Tod von Chris Roberts

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Im Dezember 2007, bei der TV-Gala „Danke Dieter Thomas Heck“ zum 70. Geburtstag des „Hitparaden“-Gastgebers, hatte Chris Roberts einen großen Auftritt.

Die Schlagerszene trauert um einen ihrer ganz Großen: Chris Roberts ist tot.

Er war einer der ganz großen Stars der „Hitparaden“-Ära. In den 70er-Jahren, als Dieter Thomas Hecks Kultsendung ihre ganz große Zeit hatte, gehörte Chris Roberts zu deren wichtigsten Protagonisten. Mit Schlaghosen, welligem Haar und dem Charme eines Musterschwiegersohns sang sich der aus München-Schwabing stammende Künstler in die Herzen vor allem des weiblichen Publikums. Wie am späten Montagabend bekannt wurde, starb der Schlagerstar am 2. Juli in der Berliner Charité an den Folgen seiner Lungenkrebserkrankung, die er lange vor der Öffentlichkeit geheim hielt.

Chris Roberts, der einst durch Hits wie „Du kannst nicht immer 17 sein“ bekannt geworden ist, mag in den vergangenen Jahren nicht mehr an die frühen Erfolge angeknüpft haben, aber Auftritte absolvierte er bis zuletzt. Sein Name stand über fünfeinhalb Jahrzehnte lang für den deutschen Schlager. Er blieb immer der untadelige Schlager-Liebling der Nation.

Ein Geheimnis seines Erfolges: Trotz des lange andauernden Hypes um seine Person blieb Chris Roberts in all den Jahren erstaunlich gefestigt auf dem Boden der Realität. Der zuletzt in Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen lebende Sänger wirkte nicht abgehoben, sondern, wo immer man ihn antraf, kam er herzlich, ruhig, entspannt und verdammt glücklich rüber. „Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, und vier junge Katzen springen mit ihrer Mutter um mich herum und stolpern über ihre eigenen Vorderpfoten. Mir geht es richtig gut“, strahlte er vor einigen Jahren im Interview.

Seit Ende der 60er hatte sich Roberts dem Schlager verschrieben

Chris Roberts, der gebürtig eigentlich Christian Klusacek heißt, liebte seine Anhänger. Genauso liebte er es, mit seinen Kollegen Zeit zu verbringen. Die ausgedehnten „Kult-Hitparade“-Tourneen, die in den 2000er-Jahren den Schlager zelebrierten, genoss er. „Ich ließ mich für die 'Kult-Hitparade' nicht lange überreden, denn ich betrachte alle, die mit auf Tour gehen, als eine große Familie“, gab er damals zu Protokoll. Immer mit dabei: Sein Freund und Moderator Dieter Thomas Heck, „mit dem ich im Laufe meiner Karriere sicherlich ein Jahr meines Leben verbrachte“. Hecks ZDF-Hitparade erlangte in all ihren Jahren von 1969 bis 2000 einen derartigen Kultstatus, dass er kurzerhand beschloss, alte Hasen des Showgeschäfts zusammenzutrommeln, um diese Zeiten wieder aufleben zu lassen. „Wir alle erlebten zusammen jubelnde Menschen, Erfolge, aber auch Misserfolge. Teilweise kennen wir uns ja seit 30, 40 Jahren“, schwärmte der Musiker.

Seit Ende der 60-er hatte sich Roberts dem Schlager verschrieben. Vielen gilt er noch heute als unangefochtener Spitzenreiter der „Hitparade“. Über zehn Jahre arbeitete er mit seinem damaligen Produzenten Ralph Siegel und konnte bei insgesamt 65 Auftritten in der „Hitparade“ 13-mal den ersten Platz belegen. Mit Hits wie „Ich bin verliebt in die Liebe“ (1970), „Hab' ich Dir heute schon gesagt, dass ich Dich liebe“ (1971) oder „Du kannst nicht immer 17 sein“ (1974) eroberte der langhaarige Frauenschwarm die Herzen der Fans im Sturm. Chris Roberts verkaufte rund elf Millionen Schallplatten. Mehr als 20 seiner Titel landeten in den Charts.

„Naheliegend, dass Chris Roberts auch fürs Musical, vor allem auch für den Film entdeckt wurde“, heißt es nun in einem Nachruf seiner Agentur CR Promotion + Management. Sein erster Kinofilm „Wenn Die Tollen Tanten Kommen“ lockte Millionen Besucher in die Kinos. Von 14 Filmen wurden drei mit der „Goldenen Leinwand“ ausgezeichnet. Als Kultfilm der 80-er gilt die Kino-Komödie „Sunshine Reggae auf Ibiza“ mit Karl Dall. Noch in den 90er-Jahren spielte Chris Roberts die Hauptrolle in der RTL-Serie „Almenrausch und Pulverschnee“.

Bis zuletzt absolvierte Chris Roberts TV-Auftritte, Tourneen und Galas

Bis zuletzt absolvierte Chris Roberts TV-Auftritte, Tourneen und Galas. Anlässlich seines 40jährigen Plattenjubiläums wurde er beispielsweise mit dem Schlagerpreis des NDR für sein Lebenswerk ausgezeichnet, 2011 bei der „Goldenen Künstlergala“ als „Künstler des Jahres“ für Deutschland und die Schweiz geehrt. In wenigen Wochen, am 29. Juli, sollte Chris Roberts im Rahmen der TV-Aufzeichnung, des Sommerspecials der Musikshow „Star-Treff“, die in sieben europäische Länder ausgestrahlt wird, als „erfolgreichster Schlagersänger aller Zeiten“ mit der „Star Trophy 2017“ ausgezeichnet werden.

Dieser Ehrung kann Chris Roberts nicht mehr entgegennehmen. „Sein größter Herzenswunsch wurde noch kurz vor seinem Tod erfüllt“, teilt sein Management mit: „Am 20. April erhielt Chris Roberts die Deutsche Einbürgerungsurkunde, vier Tage später den Deutschen Pass.“ Roberts war der Sohn einer Deutschen und eines Jugoslawen. Da es seiner Mutter in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war, einen Jugoslawen zu heiraten, bekam Chris Roberts keine deutsche Staatsangehörigkeit. Seitdem war er 72 Jahre lang staatenlos, erst im April 2016 hatte er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.

Chris Roberts, der von 1985 bis 2010 mit der Schlagersängerin Claudia Roberts verheiratet war, war ein Familienmensch. Er liebte seine Kinder und die Natur. Er hinterlässt zwei Söhne und eine Tochter.

tsch

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