Lust und Lüge: Die Deutschen und der Sex - Mo. 18.04 - 3sat: 20.15 Uhr

Nichts als die nackte Wahrheit

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So oft man auf ein Bett im Kornfeld trifft, so oft herrscht unter der Decke auch die pure Wahrheit.

3sat beackert eine Woche lang das Thema Sex - mit zahlreichen Spielfilmen und Dokumentationen. Die Reihe von schlüpfrig über kontrovers bis wissenschaftlich fundiert unter dem Dachtitel "Sex & Love" wiederholt zunächst den Dokufilm "Lust und Lüge - Die Deutschen und der Sex" von Autorin Carolin Reiher.

Na, gestern mal wieder den Orgasmus nur vorgetäuscht? Schließlich wird "nirgends so viel gelogen wie beim Sex", behauptet Filmautorin Caroline Reiher. Anonyme Umfragen belegen immer wieder aufs Neue, dass in erstaunlich vielen Beziehungen nichts ist, wie es scheint. Doch stimmen die ermittelten Zahlen und Angaben auch? Genau das wollte Reiher herausfinden. Und siehe da: Nur vermeintlich an einen Lügendetektor angeschlossen, gaben Freiwillige urplötzlich ganz andere Antworten als zuvor noch schriftlich. In der Doku "Lust und Lüge" fasste sie ihre mithin kuriosen Recherchen zusammen. Der Film, der bereits als "ZDFzeit"-Doku lief, wird nun auf 3sat wiederholt. Der Sender kümmert sich eine Woche lang jeden Abend ausgiebig um den Themenkomplex "Sex & Love" - gezeigt werden neben Dokus und Reportagen auch zahlreiche diverse erotische Spielfilme.

Um an ungeschönte Antworten zu kommen, hat sich Filmautorin Carolin Reiher mit Hilfe des Evolutionsbiologen Bernhard Fink, der Sexualwissenschaftlerin Ingeborg Ebberfeld und des Medienwissenschaftlers Matthias Uhl eines Tricks bedient. 100 Freiwillige, die zuvor Fragen nur schriftlich beantwortet hatten, wurden wenige Wochen danach an einen Lügendetektor angeschlossen und erneut befragt. In Wahrheit war das Gerät aber gar nicht funktionstüchtig. "Das ist in der Sozialforschung eine bewährte Methode, um verlässliche Fragen auf intime Antworten zu bekommen", erklärt Reiher.

Tatsächlich stellten Reiher und ihr Team signifikante Unterschiede bei vier von 15 Fragen fest. Aus Furcht, der Lüge überführt werden zu können, gaben die Befragten urplötzlich ganz andere Antworten als zuvor noch schriftlich. Das Ergebnis: Offenbar neigen viele dazu, die persönliche Sexstatistik nach unten zu frisieren, wenn es sich um Pornos und Seitensprünge dreht. Dagegen legen viele eine Schippe drauf, wenn es darum geht, wie oft sie Sex haben. Reiher: "Wir stellen uns treuer und gleichzeitig sexuell aktiver dar als wir sind."

Der Sex-Check bleibt in vielen Punkten amüsant. Schließlich: Man müsse nicht alles für die nackte Wahrheit nehmen, meint Reiher. Und doch kann gerade das Thema Sex für manche sehr ernst oder gar belastend werden. Wenn man(n) beispielsweise "Nur Porno im Kopf" hat. In der Dokumentation ab 22 Uhr, fragt der Neurowissenschaftler Martin Daubney, ob Pornografie schädlich für die Jugend sei. So belegt eine Studie der University of Cambridge, dass die Gehirne junger Männer, die sich selbst als "Porno-süchtig" bezeichnen, die typischen Merkmale von Sucht aufweisen.

Viele ältere Ehepaare dagegen haben jegliche Lust verloren - vor allem aufeinander. Die Dokumentation "Schon wieder kein Sex?" ab 1.50 Uhr thematisiert dieses wohl größte der Partnerschaftsprobleme. Der Frust regiert, wenn laut einer Studie der Universität Göttingen in 65 Prozent der Partnerschaften mindestens einer von beiden unzufrieden mit der gelebten Sexualität ist.

Noch bis Freitag, 22. April, sind bei 3sat immer abends bis mitunter tief in die Nacht zahlreiche Filme und Dokus zum Thema "Sex & Love" zu sehen. Mögliche Tabus bleiben dabei kaum ausgespart, wenn beispielsweise "Callboys" (Dienstag, 19. April, 0.20 Uhr) von ihrem Schaffen erzählen oder der Film "Happy Porno?" sich am Mittwoch, 20. April, 21.05 Uhr, auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Pornografie macht.

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