Nach dem „Tatort: Die harte Kern“

Neuer Weimar-„Tatort“: Wer war die knallharte Sonderermittlerin?

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Das Erfolgsduo Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) wird erst spät im Film vereint.

Gegenüber einer taffen Sonderermittlerin hatte die Weimarer Kripo nichts zu melden: Erst sperrte sie Lessing (Christian Ulmen) wegen Mordverdachts in eine Zelle. Dann geriet auch noch dessen Kollegin Kern (Nora Tschirner) in ihr Visier. Aber wer war die kompromisslose Beamtin im Weimar-„Tatort“ eigentlich?

Mal beschäftigte die Weimarer Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) der Fall einer verschwundenen Wurstkönigin, mal jagte das Duo im FKK-Club nach Verbrechern, und zur Jahreswende verschlug es die Ermittler gar in eine Westernstadt samt ermordetem Indianerhäuptling. In „Die harte Kern“, dem mittlerweile neunten Einsatz von Dorn und Lessing, suchte man eine skurrile Geschichte und zotige Dialoge vergeblich. Stattdessen stahl in dem konventionellen Sonntagskrimi eine kompromisslose Sonderermittlerin allen die Show - und beförderte sowohl Lessing als auch seine Partnerin Dorn auf die Anklagebank.

Worum ging's?

Der Schrottplatzbesitzer Harald Knopp (Heiko Pinkowski) stand für den Mord an einer alten Frau vor Gericht, Lessing hatte ihn überführt. Doch Knopp wurde überraschenderweise freigesprochen und rief noch am selben Abend Lessing auf den Schrottplatz. Lebendig fand er Knopp an seinem Arbeitsplatz allerdings nicht vor, stattdessen entdeckte er dessen Leiche. Weil sich bei der Obduktion herausstellte, dass Knopp mit der Dienstwaffe Lessings getötet wurde, verfrachtete die Sonderermittlerin Eva Kern (Nina Proll) den ungläubigen Polizisten wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft. Obendrein wurde Dorn wegen Befangenheit der Fall entzogen - was die entrüstete Lebenspartnerin Lessings freilich nicht davon abbrachte, auf eigene Faust nachzuforschen.

Worum ging es wirklich?

„Die harte Kern“ stellte die Führungsgefüge in der Weimarer Kripo ordentlich auf den Kopf und ließ sicher geglaubte Solidaritäten bröckeln. Während sich der schrullige Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) bisher trotz der ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden immer zu seinen Kommissaren bekannte, kuschte er vor Eva Kern zurück. Dorn hingegen zweifelte keine Sekunde an der Unschuld Lessings und setzte sich trotz entzogenen Falles für ihren inhaftierten Lebenspartner ein. So gesehen stand statt des recht einfach aufgebauten Falls eher die interne Dynamik im Präsidium im Vordergrund.

Wer war die knallharte Sonderermittlerin?

Die resolute und gefühlskalte Eva Kern wurde von der Österreicherin Nina Proll verkörpert. Die 45-jährige Charakterdarstellerin machte in den letzten Jahren unter anderem als wortgewandte Schicki-Micki-Lady in der bissigen Serie „Vorstadtweiber“ von sich reden. Als Nicoletta „Nico“ Pudschedl lebt sie als erfolgreiche Boutiquebesitzerin im Wiener Establishment - bis sie wegen illegaler Machenschaften verurteilt wird und wieder von ganz unten anfangen muss. Außerdem wirkte Proll in den vergangenen Jahren bei zahlreichen TV- und Kino-Produktionen mit, etwa „Dampfnudelblues“ (2016), dem Historiendrama „Die Kinder der Villa Emma“ (2016) oder der kultigen TV-Serie „Braunschlag“. Verheiratet ist die gebürtige Wienerin seit 2008 mit dem Schauspieler Gregor Bloéb, der zuletzt im Ludwigshafener Science-Fiction-Krimi „Tatort: Maleficius“ mitspielte.

Wie oft wird bei der Polizei tatsächlich intern ermittelt?

Schwer zu sagen. Offizielle Zahlen gibt die Polizei nicht heraus. Eine Anfrage des thüringischen Linken-Politikers Steffen Dittes in diesem Jahr ließ aber wenigstens grobe Ausmaße erahnen. Demnach sind seit 2014 in 2.300 Fällen Ermittlungen gegen Polizisten des ostdeutschen Bundeslandes aufgenommen worden. Der häufigste Grund für interne Nachforschungen waren vorsätzliche Körperverletzung und Körperverletzung im Amt. In den meisten Fällen jedoch erhärteten sich die Verdachtsmomente nicht. So wurde in den vergangenen fünf Jahren keine einzige Freiheitsstrafe ausgesprochen.

Wie geht es mit dem „Tatort“ in Weimar weiter?

Hoffentlich wieder mit ausgeprägterer sprachlicher Gewitztheit. Durch die frühe Trennung des Erfolgsgespanns Tschirner und Ulmen beraubt sich „Die harte Kern“ seiner größten Stärke, der herausragenden Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Die Hoffnung auf mehr Wagemut könnte aber schon bald gestillt sein. Mit „Der letzte Schrey“ (AT) ist der nächste Fall des Weimarer Teams bereits abdreht. Darin ermittelt das Kommissaren-Paar im Umfeld des Strickwaren-Herstellers Gerd Schrey (Jörg Schüttauf), dessen Frau tot aufgefunden wird. Die neue Episode wird im Laufe des kommenden Jahres ausgestrahlt, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

teleschau

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