„Enola Holmes“

Neuer Netflix-Film „Enola Holmes“: Vorhang auf für Sherlocks kleine Schwester

Mit Pfeil und Bogen kann Enola Holmes (Millie Bobby Brown) ohne Probleme umgehen.
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Mit Pfeil und Bogen kann Enola Holmes (Millie Bobby Brown) ohne Probleme umgehen.

Selbst ist die Frau: Im neuen Netflix-Film „Enola Holmes“ spielt der Meisterdetektiv Sherlock nur die zweite Geige. Stattdessen steht seine jugendliche Schwester Enola im Mittelpunkt - famos verkörpert von „Stranger Things“-Star Millie Bobby Brown.

Seit Sir Arthur Conan Doyle seine Figur Sherlock Holmes 1886 aus der Taufe hob, ist der Meisterdetektiv aus der Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Alleine in den letzten 15 Jahren war das Genie Mittelpunkt zahlreicher Film- und Fernsehproduktionen - von dem rasant inszenierten Guy-Ritchie-Actionfilm „Sherlock Holmes“ (2009) mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle über die TV-Serie „Elementary“ bis zu Benedict Cumberbatch, der in der famosen BBC-Produktion „Sherlock“ die bis dato wohl eindrücklichste Darbietung des Ermittlers aus der Baker Street 221 b hinlegte. Im neuen Netflix-Film „Enola Holmes“ (ab 23. September) spielt Sherlock aber nur die zweite Geige.

Die 16-jährige Enola („Stranger Things“-Star Millie Bobby Brown) steht ihrem berühmten Bruder (Henry Cavill, „The Witcher“) in Sachen Genialität in nichts nach. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, gebildet und vertritt wie ihre Mutter Eudoria (Helene Bonham Carter) ein für die Zeit um 1900 progressives Frauenbild. „Grundgütiger - Feminismus! Vielleicht war sie wahnsinnig oder senil“, urteilt Mycroft (Sam Claflin) naserümpfend, als er im Wohnsitz seiner Mutter herumstöbert. Zu dem Zeitpunkt ist die Matriarchin bereits spurlos verschwunden - sie hatte sich ausgerechnet am 16. Geburtstag aus dem Staub gemacht.

Für Enola bricht deswegen eine Welt zusammen. Nicht nur scheint sie ihre Mutter verloren zu haben, zu der die Jugendliche immer aufblickte, noch dazu will Mycroft seine Schwester - ein „unerzogener, schlecht gekleideter, äußerst rüpelhafter Wildling“, wie er sie nennt - in ein Mädchenpensionat schicken. Dort soll Enola unter Aufsicht der gestrengen Miss Harrison (Fiona Shaw) zur anständigen Dame erzogen werden. Um das zu verhindern und ihre Mutter zu finden, reißt die 16-Jährige aus. Auf ihrer abenteuerlichen Spurensuche trifft sie auf Lord Tewksbury (Louis Partridge), der vor seiner Familie auf der Flucht ist.

Fantastische Millie Bobby Brown in der Hauptrolle

Eine weibliche Holmes? Tatsächlich war unter Sir Arthur Conan Doyle nur sehr am Rande die Sprache von einer jüngeren Schwester des Brüdergespanns Sherlock und Mycroft. „Enola Holmes“ adaptiert stattdessen das erste Buch der gleichnamigen Jugendreihe von Nancy Springer. Die veränderte Zielgruppe macht sich auch in der Verfilmung rasch bemerkbar. Zwar ist der Netflix-Film weit von einem kindischen Abenteuermovie entfernt, an die Komplexität der Detektivarbeit, wie Holmes-Fans sie aus „Sherlock“ kennen, kommt der Zweistünder aber nicht heran. Vielmehr legen die Macher ihr Augenmerk auf den Charakter der Titelheldin und ihre sich rasch verändernde Beziehung zu Lord Tewksbury.

Der Blickwinkel mag ein anderer sein, gute Unterhaltung bleibt deswegen aber keineswegs auf der Strecke. Das liegt allen voran an Millie Bobby Brown, die eine facettenreiche Titelheldin gibt. Brillante Deduktionen hat sie ebenso im Repertoire wie rasant choreografierte Nahkampfsequenzen und optische Wandlungen vom Huckleberry-Finn-Verschnitt bis zur adrett gekleideten Dame samt pompösem Kleid und Korsett.

Der Zuschauer ist mittendrin statt nur dabei

Gelungen sind zudem sarkastische Kommentare auf die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit, für die Enola die vierte Wand durchbricht und sich direkt an den Zuschauer wendet. Mit demselben Stilmittel hatte Regisseur Harry Bradbeer schon in der BBC-Dramedy-Serie „Fleabag“ einen Emmy eingeheimst. Auch die Figur von Sherlock Holmes ist in „Enola Holmes“ nicht vor Anpassungen gefeit. Anders als in „Sherlock“ oder „Elementary“ ist für den Meisterschnüffler nicht die Rolle als hochfunktionaler Soziopath vorgesehen, Henry Cavill darf auch mal Gefühle zeigen. Mycroft hingegen tritt als blasierter Besserwisser auf und ist etwas holzschnittartig inszeniert.

Womöglich kann aber auch Sam Claflin seiner Rolle bald neue Facetten entlocken. Schließlich umfasst die Buchreihe „The Enola Holmes Mysteries“ noch fünf weitere Abenteuer der Nachwuchsdetektiv. Mehreren Quellen zufolge scheint „Enola Holmes“ nur der Startschuss für eine Filmreihe zu sein. Demnach befindet sich eine weitere Filmadaption von Netflix bereits in Planung.

teleschau

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