„Gentleman Jack“

Neue Historien-Serie „Gentleman Jack“: Was sind schon Konventionen?

In „Gentleman Jack“ verkörpert Suranne Jones die Engländerin Anne Lister, die als erste moderne Lesbe gilt.
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In „Gentleman Jack“ verkörpert Suranne Jones die Engländerin Anne Lister, die als erste moderne Lesbe gilt.

England, 19. Jahrhundert: Als taffe Unternehmerin und offen lesbisch lebende Frau war Anne Lister ihrer Zeit weit voraus. Ihre bemerkenswerte Geschichte erzählt die Historienserie „Gentleman Jack“, die nach verheißungsvollem Debüt in Übersee nun auch hierzulande zu sehen ist.

Heute würde man Anne Lister vermutlich als Stimme des Feminismus titulieren. Sie würde Magazincover füllen und die Auflagen von Zeitungen erhöhen. Neben Greta Thunberg wäre sie wahrscheinlich eine der populärsten Frauen des Planeten, würde der jungen Schwedin vielleicht sogar den Titel „Person des Jahres“ streitig machen. Doch Anne Lister ist lange tot, genauer gesagt 180 Jahre. Dennoch widmet sich die Historienserie „Gentleman Jack“ (ab Mittwoch, 29. Januar, 20.15 Uhr, Sky Atlantic HD) dem Leben der Britin im viktorianischen England, das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert war.

Lister entsprach so gar nicht dem allgemein verbreiteten Frauenbild ihrer Zeit. Gemeinhin sah die Kultur Anfang des 19. Jahrhunderts für Frauen vor, folgende Kardinaltugenden zu erfüllen: Frömmigkeit, Reinheit, Häuslichkeit und Unterwürfigkeit. Als erfolgreiche Unternehmerin, obendrein gebildet und auch mit Anfang vierzig noch unverheiratet, war Lister alles andere als in der Rolle, die die Gesellschaft für Frauen vorsah.

Viel wichtiger aber - und das ist auch der Kern der achtteiligen Serie - war das offen homosexuelle Leben der Britin, die als erste moderne Lesbe gilt. Niedergeschrieben hat sie ihre amourösen Erfahrungen in einem vier Millionen Wörter starken Tagebuch, mit der Akribie einer Buchhalterin und chiffriert in einer Geheimsprache aus mathematischen Symbolen und Buchstaben des griechischen Alphabets.

Auch in Deutschland ein Erfolg?

Basierend auf diesen Aufzeichnungen konzentriert sich die BAFTA-prämierte Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Wainwright („Happy Valley“) auf die späten Jahre im Leben ihrer Protagonistin. 1832 kehrt Lister (Suranne Jones, „Doctor Foster“) nach jahrelangen Reisen durch die ganze Welt auf ihr Anwesen Shibden Hall in Halifax, Nordengland, zurück. Dort nimmt sie sich um das taumelnde Familiengeschäft an, das ihre Tante (Gemma Jones) und den fast tauben Vater Jeremy (Timothy West) längst überfordert. Listers Plan: Durch den Abbau von Kohle soll sich die Familienkasse wieder füllen. Auch privat stehen für die Geschäftsfrau, die wegen ihres männlichen Kleidungsstils hinter vorgehaltener Hand „Gentleman Jack“ genannt wurde, aufregende Veränderungen ins Haus, als sie die reiche Erbin Ann Walker (Sophie Rundle) kennen und lieben lernt.

Bereits im April 2019 feierte die Gemeinschaftsproduktion von HBO und BBC One in den USA TV-Premiere, wenig später auch in Großbritannien. Gerade auf der Insel erwies sich „Gentleman Jack“ als Quotengarant und war gemessen an den Zuschauerzahlen eine der erfolgreichsten Dramaserien des vergangenen Jahres. Eine zweite Staffel ist bereits in Arbeit. Von dem Erfolg profitierte auch Calderdale Council im Norden Englands, wo das Anwesen Shibden Hall seither einen deutlichen Anstieg der Touristenzahlen verbuchen konnte.

teleschau

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