Spezial-Thema im ORF2

Ein Netz aus Wut: Woher kommt der Online-Hass?

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Viele der Hasskommentare werden auf Facebook gepostet.

Der Hass grassiert im Netz schon länger. Spätestens seit der sogenannten Flüchtlingskrise wurde allerdings auch abseits versteckter Foren und obskurer Gruppen klar: Im Internet regiert ein Regime der Verachtung und Beleidigung, dessen Ausmaß und Folgen viele nicht ahnten. Auch jene nicht, die früher als „Trolle“ galten, belächelt wurden, mit der Zeit aber zur bedrohlichen Masse anwuchsen: die Hass-Kommentatoren selbst.

Das österreichische Fernsehen nähert sich in seinem „Thema Spezial: Hass im Internet“ (10.7, 21.05 Uhr, ORF2) auch diesen Menschen: „Ich war frustriert über die Regierung und die Zustände, da bin ich zum Wutbürger geworden und hab mir gedacht, jetzt schreib ich“, offenbart in dem Feature etwa einer der Befragten.

Wie tickt ein Mann, der im Netz Dinge fordert wie „die Dreckschweine von Asylwerbern umzubringen“? In jedem Fall ahnte er nichts von den Folgen seines Handelns: Neun Monate auf Bewährung erhält der Hass-Poster für diesen Kommentar.

Dass das Internet „kein rechtsfreier Raum“ werden dürfe, forderten Politiker schon länger. Doch erst nach Tausenden bekannt gewordener Fälle von Hass, Bedrohung und Mobbing, werden die gesetzlichen Rahmen in Österreich, aber auch in Deutschland langsam enger. Regelungen, deren Notwendigkeit die ORF-Sendung minutiös auf den Grund geht: Welche Gründe haben die Hasskommentatoren für ihre Wut? Sind es tatsächlich Abgehängte, Ungehörte der Gesellschaft, die ihrem Frust freien Lauf lassen? Welche Funktion übernehmen Parteien und Organisationen, die aus diesen Leuten ihre Basis generieren?

Das Spezial von Christoph Feurstein und Oliver Rubenthaler widmet sich aber auch den Opfern des Hasses im Netz: Einer Frau namens Michaela Horn beispielsweise, deren 13-jähriger Sohn sich das Leben nahm, weil er im Internet als „schwul“ bezeichnet wurde. Seit seinem grausamen Tod setzt sich Horn für schulische Aufklärung zum Thema ein. „Hass im Netz“ blickt auch auf diejenigen, die sich zwar besser wehren können - doch immer und immer wieder zur Zielscheibe werden: Politiker und Journalisten. Was hierzulande ZDF-Moderatorin Dunja Hayali erleiden musste, trifft in Österreich etwa die Ö3-Moderatorin Elke Rock, die nach einem Shitstorm einen Nervenzusammenbruch erlitt.

Was sich Prominente wie Natascha Kampusch oder die Grünen-Politikerin Eva Glawischnig im Netz anhören müssen, lesen sie in der ORF-Sendung vor. Ein gewisser Heinz schrieb etwa der TV-Moderatorin Ingrid Thurnher: „Du bist eine alte Schlampe und Hure.“ So lange das so ist - so lange sind Sendungen wie diese wichtiger als das meiste so.nst im Fernsehen.

tsch

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